Autsch. Der Torjäger Sascha Häcker, hier am Boden, sah Rot – und Calcio fing sich vier Gegentore ein. Foto: Yavuz Dural

Hat der Calcio-Torjäger Sascha Häcker seinen Gegenspieler gewürgt? Das Schiedsrichtergespann sieht es so und zieht Rot. Aber nicht nur deshalb setzt es in Essingen ein 0:4.

Essingen - Francesco Di Frisco sah das Unheil kommen. Im Stil eines 100-Meter-Sprinters raste der Trainer die Seitenlinie entlang, bis zum Ort des Geschehens. Bebend, gestikulierend und rufend in Richtung Schiedsrichter versuchte er noch, das Befürchtete abzuwenden. Doch vergeblich. Wenig später war es im entstandenen Tumult perfekt: Rot für den Torjäger Sascha Häcker. Und damit wiederum war das Schicksal der Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen besiegelt an diesem Nachmittag. In Unterzahl fingen sie sich drei weitere Gegentore ein und gingen in Essingen als 0:4-Verlierer vom Platz. Ein Dämpfer, der aber auch noch andere Gründe als Häckers Ausraster hat.

Grund eins: das frühe erste Gegentor

Noch keine drei Minuten waren gespielt, als Di Friscos Puls erstmals in die Höhe ging. Ein Freistoß landete über Umwegen beim Essinger Kapitän Tim Ruth, der ungehindert zum 0:1 aus Calcio-Sicht einschoss. Sein Gegenspieler Bastian Joas setzte nicht nach – und Di Frisco tobte: „Basti!!!“ Früh waren damit die Echterdinger Pläne konterkariert. Jene hatten gelautet: mit einer Fünferabwehrkette erst einmal dicht halten.

In Schwierigkeiten taumelte schließlich überhaupt die linke Verteidigungsseite der Gäste, wo Joas und hinter ihm Lukas Zweigle ihren Dienst verrichteten.

Grund zwei: das zu statische eigene Angriffsspiel

Klar: unter der Devise „Safety first“ war es gar nicht der eigene Anspruch, bei einem Gegner dieser Preisklasse ein Offensivfeuerwerk abzubrennen. Aber ein bisschen mehr hätte es dann schon sein dürfen. Dem Calcio-Angriffsspiel mangelte es an Tempo, Bewegung und Inspiration. Klammert man einmal die letzten zehn Minuten aus, in denen praktisch bereits alles entschieden war, kamen die Echterdinger nur zu einer einzigen Torchance. Jene vergab der spätere Rotsünder Häcker, indem er den Ball nach einem Gümüssu-Pass knapp am Tor vorbeischob (13.).

Die Ursachen für die sonstige Flaute? Siehe nächster Punkt.

Grund drei: das erneute Fehlen mehrerer Leistungsträger

Wie wäre es wohl gelaufen mit der Dynamik eines Shaban Ismaili, den Dribblings eines Ugur Capar oder den Sprintqualitäten eines Marcel Bahm? Anders, ist Di Frisco überzeugt. „In den vergangenen Spielen konnten wir das noch kompensieren“, sagt der Coach, „diesmal hat man es gemerkt.“ Und man wird es weiter tun. Im Bulletin sind bezüglich der Erwähnten notiert: Schambeinentzündung, gebrochene Hand, lädierte Schulter – Bahm ist auf diese im Training unglücklich gestürzt. In allen drei Fällen ist von einem Comeback erst nach der Winterpause auszugehen.

Grund vier: Häckers rote Karte

Und dann eben auch noch das. Fern des Balls geriet sich der Calcio-Torjäger mit Essingens Startransfer dieser Saison, dem einstigen VfB-Bundesligakicker Patrick Funk, in die Wolle – und im heftigen Gerangel brannten Häcker die Sicherungen durch. So jedenfalls sah es der nur wenige Meter entfernt stehende Schiedsrichter-Assistenten Max Riethmüller. Laut seiner Aussage hat Häcker seinem Kontrahenten an den Hals gegriffen, ihn „gewürgt“. Die Folge: Rot für den Echterdinger – und ein vollends zürnender Di Frisco. „Mir fehlen da die Worte“, wettert er, allerdings weniger ob seines eigenen Akteurs, sondern in Bezug auf das Unparteiischen-Gespann um dessen Chef John Bender (Gomaringen). Di Friscos Klage: „Viermal haben Spieler von mir glatt Rot gesehen, seit ich hier bin, und immer waren diese drei selben Komischen in Gelb beteiligt.“

Wirklich? Nun ja, da hat sich der Coach im ersten Frust wohl ein Stück weit vergaloppiert. Tatsächlich gab es in seiner seit Januar 2017 währenden Amtsperiode für Calcio in Ligaspielen neunmal Rot – und nur zweimal durch den Referee Bender.

Grund fünf: die Stärke des Gegners

Man staunt, wie es dieses Essinger Hochkaräter-Ensemble fertig bringen konnte, zwei Wochen zuvor an selber Stätte gegen den Tabellenletzten Heimerdingen zu verlieren. Aktuell zeigte die Mannschaft des Ex-Bonlandeners Beniamino Molinari, warum sie vor der Saison erneut als Titelanwärter gehandelt worden ist. Stergios Dodontsakis sowie zweimal der eingewechselte Niklas Groiß schossen den Favoriten zum am Ende noch klaren Erfolg.

Das Fazit

Calcio hat in der Hoffnung, in der Tabelle im oberen Drittel anzugreifen, einen Dämpfer erhalten – einen, der vom Ergebnis her freilich heftiger klingt, als er es war. Aus den verbleibenden drei Spielen bis zur Winterpause wollte Di Frisco sieben Punkte. „Sechs sind noch möglich. Die möchten wir jetzt“, sagt er. Auch ohne gesperrten Häcker. Der immerhin, kündigt der Coach an, „kriegt auch noch etwas zu hören“. Ohne Sprint und Beben, aber allemal im bestimmten Ton.

TSV Essingen:
Le Gallo – Ruth, Gurrionero Munoz, Dodontsakis, Knecht (78. Müller) – Weiß, Biebl, Funk, Nierichlo (89. Dayan) – Ibrahim (79. Groiß), Herbaly (82. Hegen).

Calcio Leinf.-Echterdingen:
Bortel – Nkansah, Ryl, Pranjic, Biljeskovic, Zweigle – Zogaj (67. Stepcic), Bäuerle (76. Quartuccio), Gümüssu, Joas – Häcker.

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