Laut seinem Trainer nun besonders in der Pflicht: der Kapitän Shaban Ismaili (links) soll vorangehen und „Zeichen setzen“. Foto: Archiv Yavuz Dural

Nach dem Heimdebakel mit sechs Gegentoren stellen die Verantwortlichen des Verbandsligisten Calcio die Charakterfrage. Allerdings geht es ausgerechnet jetzt zum Angstgegner.

Echterdingen - Der erste Reflex war: Gardinenpredigt, alle Mann antreten zur Kopfwäsche. Inzwischen, mit wieder gesenktem Blutdruck und ein paar Tagen Abstand, haben sich die Dinge etwas relativiert. Auch dank freundlicher Unterstützung durch die kickenden Kollegen vom VfB Stuttgart. Haben sich nicht auch die gerade erst in einem einzigen Spiel sechs Stück gefangen? Eben! Das solle zwar nichts beschönigen, „es zeigt aber, dass es im Fußball immer wieder mal solche schwarzen und komischen Stunden gibt“, sagt Francesco Di Frisco, der Trainer des Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen, mit Blick auf das eigene zuletzt debakelträchtige 4:6 zuhause gegen die TSG Tübingen.

Entscheidend ist für Di Frisco, dass die Mannschaft nun eines in aller Deutlichkeit zeigt: dass es tatsächlich nur ein einmaliger Ausrutscher war. Vor der nächsten Partie an diesem Samstag beim Angstgegner FC Wangen sagt der Coach: „Jetzt stellt sich die Charakterfrage. Wir wollen eine Reaktion sehen.“ „Wir“ gleich er, der Sportdirektor Angelo Vaccaro, der eine Wiedergutmachung fordert, und die anderen Verantwortlichen des Vereins. Andernfalls laufen die Echterdinger Gefahr, wie schon in der vergangenen Saison ihre Chancen auf den erhofften Platz im oberen Tabellendrittel vorzeitig zu verschludern.

Drei Spieler besonders in der Pflicht

In der Pflicht sieht Di Frisco vor allem drei Spieler: den Kapitän Shaban Ismaili, den Torhüter Henning Bortel und den Abwehrchef Josip Pranjic. „Sie sind jetzt als Leistungsträger gefragt, voranzugehen und Zeichen zu setzen“, sagt der Trainer, freilich im Wissen, dass es allein damit nicht getan sein wird. Insgesamt ist eine andere Einstellung gefordert – und in diesem Zuge auch ein anderes Abwehrverhalten. Mit nicht nur jenem halben Dutzend vom vergangenen Wochenende, sondern zusammengerechnet 13 Gegentoren aus den vier Spielen von zuletzt, erlebt Calcio gerade einen Rückfall in überwunden geglaubte defensive Pleiten-Pech-und-Pannen-Zeiten. Und das just in einer Phase, in der Vaccaro proklamiert hatte: „Die Null muss stehen.“

Eine zusätzlich pikante Note ist es da, dass beim ausgerufenen Bewährungsauftritt nun wie erwähnt die Wangener Allgäukicker der Widersacher sind. Mit keinem Kontrahenten hat Calcio seit dem eigenen Verbandsliga-Aufstieg vor drei Jahren konstant schlechtere Erfahrungen gemacht als mit diesem. Die bisherige Bilanz: sechs Spiele, null Siege. Dreimal reichte es zur Punkteteilung, dreimal ging es richtig schief. In der vorigen Runde taumelte das Filderteam auswärts gar als krachender 0:4-Verlierer vom Platz.

Zwei Stammkräfte fehlen

„Da haben wir richtig auf den Sack gekriegt“, erinnert sich Di Frisco. Ein Grund mehr, diesmal konzentriert zu Werke zu gehen. Wie das geht, hat ebenfalls der VfB vorgemacht – mit seinem 2:1 in Hamburg dann unter der Woche im DFB-Pokal. Ein Ergebnis, bei dem Di Frisco, der Panagiotis Karastergios (private Verpflichtungen in Griechenland) und Carmelo Quartuccio (muskuläre Probleme) ersetzen muss, jederzeit einschlagen würde.

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