Der Torhüter Henning Bortel verhinderte mit seinen Paraden, dass die Partie noch komplett für den Gegner kippte. Foto: Yavuz Dural

Trotz früher Führung erreicht Calcio beim stark aufspielenden Aufsteiger Hofherrnweiler nur ein 1:1. Der Trainer Francesco Di Frisco ärgert sich am Ende allerdings über etwas ganz anderes.

Hofherrnweiler-Unterrombach - Die Spielanalyse des Trainers geriet zur Verteidigungsrede. Francesco Di Frisco hatte sie ja schon gesehen, die Mienen um ihn herum. Den eigenen Sportdirektor Angelo Vaccaro, der eher betreten mit den Schultern zuckte. Seine Spieler, die gestenreich diskutierend vom Rasen liefen. Und nun kam ihm auch noch die schreibende Zunft mit einem Nur-Unentschieden-Geschwätz daher. Damit war’s dann aber auch an der Zeit, mal ein paar Dinge klar zu stellen.

Ein Punkt, ja. Aber nur ein Punkt? „Wer geglaubt hat, man fährt hier mal her und nimmt einfach einen Dreier mit, der versteht nichts von Fußball“, wetterte Di Frisco. Fest steht für ihn nach dem 1:1 seiner Verbandsliga-Kicker von Calcio Leinfelden-Echterdingen beim Aufsteiger TSG Hofherrnweiler: „Wir haben gegen eine der spielstärksten Mannschaften der Liga gespielt.“ Eine, gegen die erst das Geburtstagskind traf – dann aber vor allem ein Echterdinger Akteur eine durchaus auch mögliche Niederlage verhinderte.

Das Geburtstagskind

Torflaute, Formtief, Ersatzbank – es ist bislang wahrlich nicht die Saison des eigentlichen Torjägers Sascha Häcker. Dass er am Samstag dennoch nach fünf Wochen erstmals wieder in der Startelf ran durfte, begründete der Coach Di Frisco wie folgt: „Bauchgefühl und weil er Geburtstag hat.“ Diese Rechnung ging auf. An seinem Neunundzwanzigsten stellte Häcker prompt alte Qualitäten unter Beweis. Gerade mal vier Minuten waren gespielt, als er nach Vorarbeit von Marcel Bahm im Strafraum seinen Gegenspieler Johannes Rief aussteigen ließ. Ein kurzer Blick, ein satter Schuss – 1:0 für Calcio.

Das Versäumnis

Mehr Häcker kam allerdings nicht mehr – was freilich nur bedingt an dem Stürmer lag. Die Echterdinger drehten ihre Angriffsbemühungen danach auf Sparflamme zurück. Die Devise lautete: erst einmal hinten nichts zulassen. Das kann man einerseits verstehen, nachdem es in den vorangegangenen beiden Begegnungen gleich sechsmal im Calcio-Kasten eingeschlagen hatte. Andererseits versäumte es der Favorit somit, klarere Verhältnisse zu schaffen. Mehr: er geriet nach der Pause vollends in eine Passivrolle, während der Gegner auf dem regennassen Kunstrasen 25 Minuten lang ein Powerplay aufzog, das an ein Überzahlspiel im Eishockey ­erinnerte.

Dass der Liganeuling kein typischer Aufsteiger ist? Spätestens in dieser Phase fand Di Friscos Theorie ihre Bestätigung. Das Gerüst des Hofherrnweiler Kaders besteht aus Spielern, die einst schon im Reserveteam des großen Nachbarn VfR Aalen höherklassig im Einsatz waren.

Der Retter

Zum Retter einer wankenden Calcio-Elf wurde der Torhüter: Henning Bortel war neben dem Kapitän Shaban Ismaili herausragender Echterdinger Akteur. Dreimal verhinderte der Keeper mit Glanzparaden, dass die Begegnung kippte. In einem Fall, als ein Freistoß von Nicola Zahner gegen den Pfosten klatschte, kam für ihn das Glück des Tüchtigen hinzu.

Nur in einem Fall halfen dann weder Bortel noch Torgebälk. Nach einem Dribbling an der Strafraumgrenze drosch Oliver Rieger den Ball zum 1:1 in die Dreiangel (58.). „Überragend gemacht“, fand Di Frisco. Aber auch unnötig. Die Calcio-Defensive verzichtete in dieser Szene darauf, den Schützen zu attackieren.

Das Fazit

Unter dem Strich stand also wie gesagt ein Remis – für den Filderclub das dritte in Serie. Mit Zufriedenheit verweist Di Frisco darauf, dass „wir damit nun seit acht Punktspielen ungeschlagen sind“. Und: „Außer Backnang und Ehingen hat in der Staffel kein Team weniger verloren als wir“ – was stimmt.

Allerdings stimmt ebenso, dass die Echterdinger von ihren bisherigen elf Spielen nur vier gewonnen haben – und das ist gerade einmal öfter als die Mannschaften auf den Abstiegsplätzen. Wollen sie in der Liga wie erhofft tatsächlich vorne mit angreifen, werden sie offenkundig vorhandenes Potenzial und Ausbeute in ein besseres Verhältnis bringen müssen. Am kühlen Killerinstinkt und selbstsicheren Auftreten eines Spitzenteams mangelt es ihnen bislang.

Jenes wünscht sich für die nun folgenden Aufgaben gegen die Hinterbänkler Tübingen, Wangen und Neckarrems nicht nur der Sportdirektor Vaccaro, sondern auch der aktuell polternde Di Frisco. Gegen diese Gegner, das weiß auch der Coach, wäre jeweils ein Punkt dann unstrittig nur eines: zu wenig.

TSG Hofherrnweiler:
Röhrle – Weisensee, Leister, Rief, Christlieb – Ganzenmüller, Borst (69. Sedl­mayer) – Fichtner (84. Weidl), Zahner, Rieger – Avduli (77. Queiroz Serejo).

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Zogaj (66. Nkansah), Karastergios, Pranjic, Zweigle – Joas, Biljeskovic, Ismaili, Bahm (88. Forzano) – Häcker (71. Gümüssu), Stepcic (74. Capar).

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