Händler aus verschiedenen Regionen Frankreichs haben in den letzten Jahren vorwiegend Kulinarisches aus dem Nachbarland nach Esslingen gebracht. Foto: Horst Rudel

C’est fini – Mit dem Französischen Markt in Esslingen ist es vorbei. Dem Veranstalter ist der Appetit auf die Stadt vergangen.

Esslingen - Wein, Champagner, Käse, Seifen und Backwaren aus Frankreich dazu Crêpes und Flammkuchen auf die Hand – einmal im Jahr haben rund zehn Stände aus Frankreich in Esslingen Halt gemacht und den Hafenmarkt beim Marché Français in einen Genussort der französischen Lebensart verwandelt.

Damit ist nun Schluss. Dem Veranstalter des Markts, Horst Brauner, ist nach rund zehn Jahren der Appetit auf Esslingen vergangen: „In keiner anderen Stadt fühle ich mich so abgezockt wie in Esslingen. Nirgendwo sonst muss ich so viel bezahlen – etwa für das Plakatieren. Deshalb habe ich 2017 dort das letzte Mal den Marché Français veranstaltet“, sagt der 64-Jährige aus dem hessischen Idstein auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der Markt fand in den vergangenen Jahren regelmäßig im Frühjahr statt. Dieses Jahr wehten zum ersten mal seit Langem weder Tricolore noch der Duft frischgebackener Croissants auf dem Hafenmarkt.

Die Stadt kontert mit Kritik

Mit seiner Händlertruppe aus Frankreich zieht Brauner seit 2004 jedes Jahr durch Deutschland. Die Kosten der Städte vergleicht er untereinander. „Von der Größe der Stadt war Esslingen prädestiniert. Von Hamburg bis Garmisch kostet mich das Plakatieren für die Veranstaltung zwischen 60 und 80 Euro. In Esslingen zahle ich dafür 500 Euro. Ich habe den Eindruck, hier wird ordentlich zugegriffen wo es nur geht“, meint Brauner. Gerhard Gorzellik vom Ordnungsamt erwidert: „Wir halten den Preis für angemessen. Viele Veranstalter im Jahr zahlen das.“ Nicht zuletzt seien diese Preise vom Gemeinderat beschlossen worden. Doch das ist längst nicht Brauners einziger Grund für das Aus des französischen Markts in Esslingen. „Der Hafenmarkt liegt sehr außerhalb vom Innenstadtbetrieb. Wenn es nur ein bisschen regnet, kommt kaum jemand dorthin“, klagt der Markt-Veranstalter.

Charlotte Fink vom Esslinger Stadtmarketing bedauert, dass der Markt nicht mehr stattfindet. Sie sieht den Grund für das Aus jedoch woanders. „Wenn man sich das nicht mehr leisten kann oder will, was die Stadt verlangt, dann liegt das vielleicht auch am Umsatz. Der Markt hat sich meiner Meinung nach nicht weiterentwickelt. Da muss dann jeder für seine eigene Wirtschaftlichkeit entscheiden, was sich lohnt.“

2017 war Brauner mit seinem Markt im Gespräch für eine Neuausrichtung des Kinder- und Heimatfestes in Stuttgart-Vaihingen. Doch das Konzept scheiterte. In der näheren Umgebung rund um Stuttgart findet der Markt nicht statt. Wo und wann man den Marché Français antrifft, will Brauner nicht in der Zeitung veröffentlicht wissen.

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