Jörg Hetzinger (rechts) freut sich über seine Festgäste – darunter auch sein Vorgänger Johannes Fuchs mit Ehefrau Evi. Foto: Gottfried Stoppel

Gelöste Stimmung trotz Gewitter: Bürgermeister Jörg Hetzinger ist am Donnerstagabend in Urbach verabschiedet worden.

Urbach - Der Himmel hat es am Donnerstagabend nicht gut gemeint mit Jörg Hetzinger: Blitz und Donner zogen über das Atrium der Atriumschule in Urbach und scheuchten die Festbesucher, die zur Verabschiedung des scheidenden Bürgermeisters gekommen waren, unter die Dächer und in die Gänge des Schulgebäudes. Die Band spielte, von einem Zelt geschützt, trotzdem im Regen – und warme Worte prasselten von allen Seiten auf Jörg Hetzinger ein.

Der 62-Jährige wirkte sichtlich entspannt – wenn nicht gar gelöst – , während er gemeinsam mit seiner Frau Karin und seinem Sohn dem Festprogramm folgte. Offensichtlich ist er mit seiner Entscheidung, nach 16 Jahren im Amt des Bürgermeisters von Urbach nicht noch für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, völlig im Reinen. Das kann er wohl sein, wie ihm die Redner zwischen Regentropfen und Donnergrollen bescheinigten: „Die Gemeinde Urbach hat sich in Ihrer Zeit sehr gut entwickelt“, sagte Landrat Richard Sigel. Der Ort biete alles, was eine attraktive Gemeinde ausmache. „Ihrer Nachfolgerin hinterlassen Sie ein gut bestelltes Feld“, so Sigel.

„Bruddler“ gibt es immer

Karl Bühler, der Bürgermeister aus Lorch, lobte Hetzinger als geschätzten Fachmann mit Liebe zum Detail: „Er ist bodenständig, uneitel, ein angenehmer Gesprächspartner mit verstecktem Humor.“ Die Kollegen und er würden ihn sehr bald in den Bürgermeistersitzungen vermissen.

Der Personalratsvorsitzende Roland Hieber freute sich über das Lachen und die deftigen schwäbischen Sprüche seines Chefs, die nach seiner Entscheidung aufzuhören wieder öfter zu hören gewesen waren: „Behalten Sie das bei“, sagte Hieber und blickte auf die gemeinsame Zeit zurück: „Der Urbacher Personalrat konnte mit ihm viel erreichen“, betonte er. Zwar würden das nicht alle so sehen. Doch ein paar „Bruddler“ gebe es immer: „Eine gute Demokratie kann diese Bruddler aber aushalten“, sagte Hieber und erntete Applaus.

Aus der Ungarischen Partnerstadt Szentlörinc war der dortige Bürgermeister Peter Koltái extra für die Verabschiedung angereist: „Er hat uns viele gute Ideen gebracht, die wir bei uns zu Hause umgesetzt haben“, ließ er mit Hilfe einer Dolmetscherin verkünden. Jörg Hetzinger war es, der 2003 die Partnerschaft zwischen den beiden Gemeinden initiiert hatte: „Er hat diese Beziehung für sehr wichtig erachtet“, sagte Koltái: „Und diese Partnerschaft lebt bis heute weiter.“

Hetzinger blickt zufrieden zurück

Ursula Jud, der ersten stellvertretenden Bürgermeisterin, fiel es nach eigenem Bekunden zunächst schwer zu entscheiden, welches der vielen Projekte Hetzingers in den Vordergrund zu stellen sei. Doch schnell war der Rätin klar: Die Urbacher Mitte I hat den Spitzenplatz. „Das war der beste Schachzug, der für unseren Ort je gemacht wurde.“ So sei mittendrin neben einem neu geschaffenen Marktplatz eine Heimat für viele entstanden.

Im Jahr 2002 war Jörg Hetzinger mit fast 70 Prozent als Bürgermeister von Urbach gewählt worden. „Ich habe die Menschen hier schätzen gelernt und bin überall toll aufgenommen worden“, erinnerte sich der frisch gebackene Altbürgermeister: „Es war eine gewinnbringende Zeit.“ Hetzinger zeigte sich rückblickend zufrieden: „Die Höhen überwiegen.“

Kühe melken in Südtirol

Vor allem gesundheitliche Gründe sowie der Wunsch, mehr Zeit zu haben für Familie, Freunde und Sport, haben den Schorndorfer dazu bewogen, nicht noch einmal anzutreten. Im Juli will er erst einmal drei Wochen auf einem Bergbauernhof in Südtirol mit anpacken. Zur Vorbereitung darauf hatten sich seine ehemaligen Mitarbeiter etwas Besonderes ausgedacht: Sie haben zur Verabschiedung einen „Kuhhund“ mitgebracht: eine Art künstliche Holzkuh mit Hundekopf und einem aus einem grünen Haushaltshandschuh gebastelten Euter. Vor den versammelten Festgästen – darunter zahlreiche Bürgermeister und Oberbürgermeister aus den Nachbargemeinden – musste Hetzinger den „Kuhhund“ melken – natürlich stilecht auf einem einbeinigen Milchschemel.

Im September will der ehemalige Bürgermeister einen Nebenjob auf freiberuflicher Basis beginnen – was das sein wird, verrät er nicht. Seiner Nachfolgerin im Amt, Martina Fehrlen, gibt er vor allem eines mit auf den Weg: „Jetzt braucht es einen Brückenschlag zwischen Kritikern und Befürwortern des Waldhauses.“ Man müsse die Gräben zuschütten und in Urbach wieder zu einem Miteinander finden.

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