Im Eiltempo schaufeln Bagger Kies in den Hang. Als das Wasser am Montag über die Dammkrone schwappte, schwemmte es auf der anderen Seite die Erde weg. Foto: Ott

Der beschädigte Damm des Katzenbachsees wird dieser Tage mit 1000 Kubikmetern Schotter stabilisiert.

Vaihingen - Bis hier stand das Wasser. Hermann Löhner legt seine Hand an seine gelben Regenstiefel. Mehr als zehn Zentimeter soll das bedeuten. So hoch schwappte das Wasser nach dem Unwetter am Montagnachmittag über die Dammkrone, nagte an dem Bauwerk und spülte dabei 1000 Kubikmeter Erde in den Wald. Löhner ist Mitarbeiter der EnBW; zu seinem Verantwortungsbereich zählt unter anderem der künstlich angelegte Katzenbachsee im Wald zwischen Vaihingen und Büsnau. Die Lage war so gefährlich, dass das Technische Hilfswerk (THW) 30 Stunden lang das Wasser aus dem See pumpte, um den Pegel zu senken und den Druck auf den geschwächten Damm zu verringern.

Drei Tage später steht Löhner auf dem Stauwerk; hinter ihm rollt ein Bagger vorbei und schiebt mit seiner Schaufel Kies in die Böschung. Die herausgespülte Erde muss ersetzt werden – und zwar so schnell wie möglich. „Die Wassermassen waren phänomenal“, sagt er. Der Katzenbachsee ist ein altes Bauwerk; bis 1998 hat er den Stuttgartern zur Wasserversorgung gedient, weshalb die EnBW noch heute für die Instandhaltung verantwortlich ist. Aber in den vergangenen zwei Jahrhunderten war der Damm noch kein einziges Mal so schwer beschädigt worden. „Bisher hat der Überlauf immer gereicht“, sagt Löhner.

Doch eben der hatte am Montag versagt. In der Dammkrone ist eine knapp ein Meter tiefe Delle, über die das Wasser eigentlich ungehindert abfliesen soll, wenn es sich zu hoch staut. Doch hatte Holz, das im See trieb, und einige abgesägte Baustämme, die es aus dem nahen Wald gespült hatte, den Überfluss verstopft. An einem kleinen Steg, der recht flach über die Delle führt, hatte sich das Holz verklemmt. Just diesen Überlauf hatte die EnBW bereits seit zwei Jahren vergrößern wollen, scheiterte aber am Denkmalschutz. Das sei jedoch keinesfalls die alleinige Ursache für das Beinahe-Unglück. „Viele Faktoren haben dazu geführt“, sagt Löhner. Etwa die Hitze und die Trockenheit in den Tagen vor dem Starkregen. Das habe den Boden verhärtet. Das Wasser konnte nicht versickern, floss den Hang hinab und traf seitlich an der Stelle auf den Damm, an der die Erde unterspült wurde.

Analyse soll Antworten darauf geben, ob Damm vergrößert werden muss

Bereits um 16 Uhr hatten Mitarbeiter am Montag erste Schäden entdeckt. Routinemäßig hatten sie neben dem Katzenbachsee auch den Steinbachsee, den Pfaffensee, den Neuen See und den Bärensee überprüft. Löhner selbst wurde um 16.40 Uhr informiert. „Kurz nach 17 Uhr war die Feuerwehr verständigt“, sagt er. Einheiten aus Stuttgart, Backnang und Böblingen rückten an. „Die Feuerwehr hat sofort die Einsatzleitung übernommen.“

Die Bagger stehen still, die Arbeiter haben die Motoren abgestellt. Mittagspause. Der Nachschub fehlt ohnehin. Kies ist derzeit ein gefragtes Gut; landauf landab wird an Straßen gebaut. Und die Menge Kies, die die EnBW für die Reparatur des Damms benötigt, ist keine kleine. 1000 Kubikmeter Schotter für die Stabilisierung des Damms, und wohl noch einmal soviel für die Arbeiten drum herum müssen heran gekarrt werden. „Wir beschädigen mit unserem schweren Gerät die Waldwege und müssen sie danach wieder richten“, sagt Löhner. Heute Abend sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Löhner wird dieser Tage oft gefragt, was passiert wäre, wenn der Damm gebrochen wäre. „Ich glaube nicht, dass Leib und Leben in Gefahr gewesen wären“, sagt er. „Im schlimmsten Fall wären wohl die Keller im Max-Planck-Institut voll gelaufen.“

Noch einmal soll es nicht so knapp sein. Mit einem Computermodell soll simuliert werden, wie schnell und wohin das Wasser geflossen wäre. Eine Analyse, die in den nächsten Monaten erstellt wird, soll auch Antworten darauf geben, ob der Damm vergrößert werden muss. „Wir werden auch gleich neue Klimamodelle einfließen lassen“, sagt Löhner. Schließlich sei davon auszugehen, dass es künftig häufiger zu Starkregen-Ereignissen kommen wird. Klar ist auf jeden Fall nur eines: die derzeitige Stabilisierung ist nur ein Interimsbau und muss irgendwann ersetzt werden.

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