Mit dem Usutu-Virus infizierte Amseln verlieren ihre Scheu vor dem Menschen. Foto: dpa

Wegen des afrikanischen Usutu-Virus sterben jetzt auch in der Region Stuttgart Vögel. Die Behörden setzen beim Nachweis auf die Unterstützung der Bürger.

Böblingen - Gesträubtes Gefieder, schiefe Köpfe, apathisches Verhalten, schwindende Scheu vor dem Menschen: Vögel, die am Usutu-Virus erkrankt sind, leiden an vielen Symptomen. Viele sterben nach kurzer Zeit. War die Krankheit bisher eher aus der Rheinregion, Nordrhein-Westfalen oder dem Norden Deutschlands bekannt, sind jetzt auch Fälle in der Region Stuttgart nachgewiesen worden.

Eine tote, infizierte Amsel sei von einem Bürger aus Waldenbuch gefunden und abgegeben worden, berichtet etwa Wilhelm Hornauer, der Leiter des Veterinäramts im Landkreis Böblingen. Bei zwei weiteren Vögeln habe das Virus im Labor nachgewiesen werden können, allerdings sei die Infektion nicht eindeutig belegt worden.

Die Viren werden über Stechmücken übertragen

Der Landkreis Böblingen ist mit diesem Problem auch nicht allein. Das Landratsamt im Rems-Murr-Kreis meldet drei Usutu-Fälle in diesem Jahr, von denen je einer in Weissach im Tal, in Leutenbach und in Plüderhausen aufgetreten sei. Im Kreis Ludwigsburg wurde in Sersheim ein Fall nachgewiesen. Im gesamten Regierungsbezirk Stuttgart wurden von 28 untersuchten, verendeten Wildvögeln 15 positiv auf Usutu getestet, sagt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums in Stuttgart. Der Naturschutzbund (Nabu) beobachtet die Zahlen im ganzen Bundesgebiet – und ist alarmiert. „Die 2018 bisher gemeldeten Fälle übertreffen die Zahlen aus den Vorjahren deutlich, was für ein besonders starkes Auftreten und für einen Verbreitungssprung des Virus spricht“, sagt deren Vogelschutz-Experte Lars Lachmann.

Das Usutu-Virus stammt aus Afrika und kam am Ende der 1990er Jahre nach Europa. In Deutschland ist der Erreger in den 2010er Jahren auffällig geworden. Der Nabu spricht von einem regional begrenzten Amselsterben in den Jahren 2011 und 2012. Anfällig für die Krankheit, die zur Gruppe der Hirnhautentzündungen gehört, sind neben den hauptleidtragenden Amseln auch in geringerem Maße Eulenvögel, Sperlinge, Meisen oder Finken, eine Heilung gibt es nicht. Die Viren werden über Stechmücken übertragen. „Der warme Sommer dieses Jahres dürfte die Ausbreitung des ursprünglich tropischen Virus begünstigt haben“, sagt Lachmann daher. Werde ein Mensch von einer infizierten Mücke gestochen, könne auch er sich anstecken, erklärt der Leiter des Veterinärsamts Wilhelm Hornauer. „Allerdings entwickelt er meistens keine Symptome.“ Weltweit seien bisher nur wenige Krankheitsfälle bei Menschen bekannt, die Gefahr sei daher recht gering.

Tote Amseln einschicken

Um die tatsächliche Ausbreitung des Usutu-Virus besser erkennen zu können, bittet Wilhelm Hornauer darum, tot aufgefundene Amseln an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) zu schicken. Dort werden die Kadaver auf Usutu-Erreger getestet, die Ergebnisse erhält auch Hornauer. Sollte ein Vogel aber an einer anderen Ursache gestorben sein, müsse der Einsender keine Kosten fürchten, beruhigt er. Es sei nämlich nicht möglich, einem Tier die Infektion zweifelsfrei anzusehen, sagt auch Karlheinz Schaible von der Nabu-Gruppe Sindelfingen-Böblingen. „Eine zerzaust aussehende Amsel kann auch einfach in der Mauser gewesen sein.“

Wer eine tote Amsel findet, der soll Handschuhe anziehen und den Kadaver zum Versand in eine Tüte packen, rät der Nabu. Man könne sich die Tüte auch direkt über die Hand streifen und damit die Amsel anfassen. Auch wenn eine Ansteckung über den Kontakt mit dem toten Tier unwahrscheinlich sei, solle man sich danach gründlich die Hände waschen.

Der Nabu sammelt mit einem Online-Formular ebenfalls Daten zum Usutu-Virus.

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