Kommandowechsel bei den Africom-Spezialkräften in Stuttgart: Africom-Kommandeur Thomas Waldhauser (zweiter von rechts) übergibt die Fahne an den neuen Special Forces-Kommandeur J. Marcus Hicks (rechts). Der scheidende Kommandeur, Brigadegeneral Donald C. Bolduc (links) schaut zu. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

US-Präsident Trump will in Afrika die Entwicklungshilfe zusammenstreichen. Und dafür die Militärhilfe ausbauen. Nicht alle US-Militärs sind darüber begeistert, wie sich auch beim Kommandowechsel an der Spitze der US-Spezialkräfte für Afrika zeigte.

Stuttgart - Unter hochgeklappten Basketballkörben versammelten sich im Hauptquartier des US-Kommandos für Afrika (Africom) einige hundert US-Soldaten im Flecktarn und Zivilangestellte in Jeans und Polo-Shirt für die Zeremonie zum Wechsel an der Spitze der Spezialkräfte für Afrika. Der Rahmen in der Turnhalle der Stuttgarter Kelley Barracks am Donnerstagmorgen fiel feierlich-ernst und nüchtern zugleich aus.

Die Spezialkräfte für Afrika, mit ihrem Hauptquartier ebenfalls in Stuttgart, machen rund 1700 der 6000 US-Soldaten aus, die afrikanische Soldaten ausbilden, beraten oder auch als Krisenfeuerwehr für Afrika bereit stehen.

Die Abschiedsrede des Africom-Kommandeurs, Marineinfanteriegeneral Thomas Waldhauser, für seinen scheidenden Chef der Africom-Spezialkräfte, Brigadegeneral Donald „Don“ Bolduc, zeigte die ganze Bandbreite der US-Militäraktivitäten in Afrika: Seit 2013 in Stuttgart, leitete Bolduc, zunächst noch als stellvertretender Operationschef bei Africom, unter anderem das Engagement gegen die Ebola-Epidemie 2014. Ab 2015 als Chef der Spezialkräfte kümmerte sich Bolduc um die Militäroperationen gegen islamistische Extremisten von Somalia im Osten Afrikas bis nach Libyen im Norden und Nigeria im Westen. Außerdem bekämpfte er die Widerstandsarmee des Herrn, Joseph Konys Mörderbande, in Zentralafrika, die, so Waldhauser, „zur Bedeutungslosigkeit verringert“ worden sei. Diese Operation wurde inzwischen eingestellt. Obendrein sorgte der Brigadegeneral fünfmal dafür, dass US-Botschaftspersonal in akuten Krisen evakuiert werden konnten.

„Wir ignorieren Afrika auf eigene Gefahr“

2016 ist das US-Afrika-Kommando härter gegen islamistische Kämpfer in Somalia und Libyen vorgegangen, mit Luftangriffen und mit Spezialsoldaten am Boden, die lokale Kräfte unterstützen.

Afrika, das in den USA oft im Schatten der Krisen in Syrien und Irak steht, „ist wichtig“, unterstrich der Ein-Sterne-Offizier in seiner letzten offiziellen Rede. Schon heute lebe auf dem riesigen Kontinent ein Viertel der Weltbevölkerung. Tendenz stark steigend. Zudem versuchten auch andere Akteure ihren Einfluss auszuweiten, meinte er, ohne China oder Russland beim Namen zu nennen. Sein Nachfolger, Generalmajor J. Marcus Hicks, früherer C-130-Bodenkampf-Pilot und zuletzt Stabschef im Hauptquartier der Spezialkräfte in Florida sagte: „Wir ignorieren Afrika auf eigene Gefahr.“ Als Herausforderungen sieht er den Antiterrorkampf, aber auch wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, Hauptursache für die Flüchtlingsströme. Bolduc bilanzierte jüngst in einem Aufsatz den „Mangel einer umfassenden Strategie“ der US-Regierung für das Ringen um Stabilität in Afrika, das „mindestens eine Generation“ brauche.

Bewilligt der Kongress US-Präsident Donald Trumps Militärhaushalt für 2018, werden die USA künftig mehr Geld für ihre Militäroperationen in Afrika ausgeben. Gleichzeitig will er die Ausgaben für Entwicklungshilfe von sieben auf 4,6 Milliarden Euro zusammenstreichen. Für Experten ein besorgniserregender Hinweis darauf, dass die USA ihr Interesse an Afrika künftig enger definieren. Sogar Militärs wie der frühere Africom-Kommandeur Carter Ham sind besorgt, Kürzungen bei der Entwicklungshilfe würden das langfristige Interesse der USA an Stabilität in Afrika untergraben.

Africom war ursprünglich als ein Regionalkommando neuen Typs geplant. Schwerpunkt sollte auf Ausbildungsmissionen und humanitärer Hilfe liegen, nicht so sehr auf Kampfeinsätzen. Der jetzige Africom-Chef Waldhauser hob Bolducs Engagement für eine Frauenkonferenz in Afrika hervor. Wie keiner zuvor habe er das Konzept der „vernetzten Sicherheit“ unter Einbeziehung aller Akteure vorangetrieben. Das lässt sich durchaus als Kommentar zur US-Debatte verstehen: Dass Entwicklung und Sicherheit untrennbar zusammengehören.

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