Mehr als ein Dutzend Militäranlagen in Osteuropa werden mit US-Geld modernisiert. Foto: StN

Die Amerikaner investieren massiv in den Ausbau von Stützpunkten in Osteuropa. Davon profitieren mehr als ein Dutzend Basen von Tapa in Estland bis zur rumänischen Schwarzmeerküste.

Constanta - Einige Arbeiter in orangenen Sicherheitswesten nageln Dämmmaterial an die Betonfundamente zweier hoher langgestreckter Stahlgerüste. Nur die bereits fertiggestellten Dächer verraten etwas über den künftige Bestimmung der Gebäudeskelette: In ein paar Monaten stehen hier Lehrräume und ein taktisches Operationszentrum für das US-Militär.

Der riesige rumänische Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogalniceanu, im Militärjargon kurz MK, 30 Kilometer nördlich der Hafenstadt Constanta am Schwarzen Meer, wird gerade für viel Geld zu einem großen Logistikknotenpunkt für das US-Militär ausgebaut. Außer einer kleineren Einheit der US-Marineinfanterie, auch auf Durchreise, sind hier keine US-Soldaten dauerhaft stationiert. „Dieser Stützpunkt ist aber dauerhafter geworden“, erklärt Joe Copeland, Ingenieur bei der Bauabteilung des US-Heereskommandos für Europa (Usareur) in Wiesbaden. „Wir sprechen von einer ausgedehnten Präsenz.“ Angepeilt ist die Unterbringung von 2500 Soldaten.

„In MK hatten wir bisher nicht viel überdachte Lagerflächen“, erklärt Copeland. Das ändert sich aber gerade. Die gelben Einfachhäuschen, in denen Mannschaften wie Offiziere einige Monate lang verbringen sollen, stehen schon dicht an dicht. Derzeit im Bau sind Reparaturhallen zur Wartung von Trucks und Panzern sowie Lagerhallen für Treibstoff und Munition. Insgesamt verbaute das US-Militär in den vergangenen beiden Jahren 43 Millionen Euro auf dem Stützpunkt, der weiter rumänisch bleibt. Die USA haben 2015 und 2016 laut Copeland 130 Millionen Euro in die Modernisierung von Einrichtungen im Baltikum, in Polen sowie Rumänien und Bulgarien investiert. Hinzu kommen rund 200 Millionen Euro der Nato. Und im – noch nicht verabschiedeten – US-Verteidigungshaushalt 2018 werden dafür sogar 290 Millionen Euro eingeplant.

„MK ist ideal“

Dabei ist der Ausbau nicht immer so groß wie in Mihail Kogalniceanu. Mitunter geht es nur um den Upgrade einer Schießanlage. Zudem betreiben die USA im rumänischen Örtchen Deveselu und im polnischen Slupsk noch zwei 700 Millionen Euro teure „Aegis“Raketenabwehranlagen. Moskau sieht nicht nur darin eine Provokation. Wladimir Grinin, Russlands Botschafter in Berlin, wirft der Nato vor, das Gespräch zu verweigern. „Sie sind mit der aktuellen Lage sowie dem echten Kräfteverhältnis gut vertraut.“

Ein paar Straßen neben einer Freifläche, auf dem sich einige US-Trucks im Wüstenanstrich verlieren, werden die Rohre für den dauerhaften Anschluss an das Abwassernetz von Constanta verlegt. „Taktik ist was für Anfänger, Logistik ist für Profis“, wird beim US-Militär gerne gewitzelt. Auf der Luftwaffenbasis organisiert die Logistik der größte private Militärdienstleister KBR (ehemals Kellog, Brown & Root). Als Baufirma fungiert die österreichische Strabag.

Herausforderung Logistik

„Das US-Transport-Kommando findet MK ideal“, sagt Copeland, als „globalen In-und-out-Ort“, insbesondere seit der Abkehr unter US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld von kostspieligen Großbasen. Copeland verweist auf den Schwarzmeerhafen, den Eisenbahnanschluss und den Flugplatz. Die USA haben den Stützpunkt auch zuvor genutzt, zum Beispiel als Transitstation für ihre Soldaten aus dem Irak und Afghanistan. Deshalb wird die Basis, die auch der Zivilluftfahrt dient, ebenfalls ausgebaut. Für 33 Millionen Euro bis 2020/21 wird ein neuer Hangar zur Wartung von Black-Hawk-Hubschraubern gebaut. Außerdem ist ein neues Vorfeld geplant, auf dem die schweren US-C-17-Transportjets parken können.

Rumänen wie Polen und Balten ringen seit der russischen Annexion der Krim 2014 um eine stärkere westliche Militärpräsenz. Für den Kommandeur des US-Heeres in Europa, General Ben Hodges, ist eine der größten Herausforderungen die Logistik: im Ernstfall Truppen und Nachschub rasch nach Osteuropa zu bringen. „Rumänien leistet dazu einen wichtigen Beitrag.“ Der im Einklang mit der Nato-Russland-Grundakte steht. Darin vereinbarten Russland und die Allianz 1997, nicht dauerhaft mehr Kampftruppen in den neuen Nato-Mitgliedsstaaten zu stationieren. „Die Maßnahmen der Europäischen Rückversicherungsinitiative sind im Rahmen der Nato-Russland-Grundakte, weil sie eben nicht permanent sind, sagt Karl-Heinz Kamp von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Aus dem Milliarden-Topf finanziert die USA die Modernisierung.

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