Ein Tempel der Kaffeekultur Foto: AP

Kann das gutgehen? Starbucks eröffnet die erste Filiale in Italien. Als ob die Kaffeeexperten in Mailand das bräuchten. Doch die Amerikaner haben sich ein paar kluge Dinge ausgedacht.

Mailand Eine - etwa 20 Meter lange Schlange bildet sich fast jeden Tag vor dem Palazzo delle Poste an der Piazza Cordusio in der Mailänder Innenstadt. Goldene Absperrseile und vier stämmige Sicherheitskräfte weisen darauf hin, dass es hier etwas Besonderes geben muss. Und tatsächlich: In dem alten Postgebäude aus dem 19. Jahrhundert hat jetzt die erste Starbucks-Filiale auf italienischem Boden eröffnet – eine von 28 000 Kaffeebars in mehr als 70 Ländern.

Doch mit den üblichen Kaffeehäusern der US-Kette hat das, was hier in Mailand Einzug gehalten hat, nur wenig zu tun. Nach Seattle und Shanghai befindet sich in Mailand der dritte Flagship-Store der Kaffeehaus-Kette. Im kommenden Jahr sollen weitere „Reserve Roasterys“, wie Starbucks das Konzept nennt, in New York, Chicago und Tokio folgen. Nach zehn Minuten Wartezeit öffnet sich die Türe zu eine Art Kaffeetempel von 2300 Quadratmetern. Gold und Kupfer tauchen alles in eine warme Atmosphäre. Warm sind auch noch die Kaffeebohnen, die ein Mitarbeiter gerade aus einer Anlage neben dem rund sieben Meter hohen Röstfass holt und den Besuchern unter die Nase hält. Ein nussig-zimtiger Geruch steigt auf. Um das Röstfass herum sind Souvenirs aufgebaut: Neben den üblichen Tassen und Mehrwegbechern gibt es hier auch Hemden, Pullover und T-Shirts. Am Tresen daneben werden die frisch gerösteten Bohnen für zu Hause verkauft.

Drei Espressi für 14 Euro

Auf der Menükarte finden sich nicht die üblichen Frappuccinos und Milch-Sirup-Kaffee-Mischungen, die man aus normalen Starbucks-Filialen kennt. Dafür kann der Gast aus zahlreichen Brühmethoden und Anbaugebieten wählen. Auch eine Degustation wird angeboten: drei Espressi für 14 Euro. Und das im Land, in dem der Espresso als Lebenselixier gilt, eine Tasse an der Bar getrunken selten mehr als einen Euro kostet. 70 Millionen Tassen Espresso werden in Italien täglich konsumiert – bei rund 60 Millionen Einwohnern. Schätzungen zufolge gibt es im Land etwa 132 000 Bars, in denen der Caffè, wie der Espresso heißt, im Stehen konsumiert wird.

Ewig anstehen würde wohl kein Italiener – nur um eine Tasse Kaffee zu trinken. Oder doch? „Wir waren ohnehin in Mailand und dachten, dann müssen wir uns auch den Starbucks anschauen“, sagt Jessica Musto. Die 30-Jährige und ihr Freund Alessandro Fermini kommen aus der Umgebung und stehen in der Schlange, die sich um die Hauptbar windet.

Die Amerikaner zeigen Demut

Der offiziellen Firmengeschichte zufolge besuchte Starbucks-Gründer Howard Schultz 1983 zum ersten Mal Mailand – und war vom Handwerk der Barista, dem Temperament der Italiener und ihrer Freundlichkeit so begeistert, dass er sie zur Grundlage für seine Firma machte.

Vor der Eröffnung ließ Starbuks Demut walten. „Wir kommen nicht hierher, um den Italienern zu zeigen, wie man Kaffee macht. Wir kommen hierher mit Demut und Respekt. Wir wollen zeigen, was wir gelernt haben“, betonte Schultz . „Klar, das ist hier etwas total anderes als unsere normale italienische Kaffeekultur, aber deshalb muss es ja nicht schlecht sein“, sagt Jessica Musto. Dass Starbucks auch in Mailand langfristig Erfolg haben wird, davon ist die junge Frau überzeugt. Denn in Italien ist es bislang nicht üblich, sich beispielsweise zum Arbeiten oder Lesen stundenlang in ein Café zu setzen. „Und hier kannst du bleiben, solange du willst, ohne dass man dich schräg anschaut.“ Die junge Frau ist ohnehin überzeugt: „In Mailand kann alles funktionieren.“

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