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Schock und neue Terrorangst in den USA: Ein junger Nigerianer hat versucht, mit einem Sprengsatz eine US-Passagiermaschine mit fast 300 Menschen an Bord zum Absturz zu bringen.

Washington - Schock und neue Terrorangst in den USA: Ein junger Nigerianer hat versucht, mit einem Sprengsatz eine US-Passagiermaschine mit fast 300 Menschen an Bord zum Absturz zu bringen.

Der 23-Jährige entzündete am Freitagabend kurz vor der Landung in Detroit ein "Gemisch aus Pulver und Flüssigkeit", wurde aber von anderen Passagieren und Crewmitgliedern schnell überwältigt. Das Weiße Haus sprach von einem "versuchten Terroranschlag".

Ein US-Regierungsbeamter sagte dem Fernsehsender CNN, es gebe allerdings keine Hinweise, dass Umar Faruk Abdulmutallab eine feste Verbindung zu Osama bin Ladens Terrornetz El Kaida habe. Präsident Barack Obama ordnete von seinem Ferienort auf Hawaii aus verstärkte Sicherheitsvorkehrungen im Flugverkehr an. "Das war ernst", sagte der republikanische Abgeordnete Peter King, Mitglied des Ausschusses für Heimatschutz. "Das hätte verheerend sein können."

Augenzeugen berichteten von den dramatischen Minuten in dem Airbus der US-Gesellschaft Delta Airlines aus Amsterdam. Eine junge Frau sagte, ein junger Mann habe sich geistesgegenwärtig auf den Nigerianer geworfen, als dieser die an seinem Bein befestigten Sprengsatz in Brand setzen wollte. Er habe den Mann binnen Sekunden überwältigt. Der Täter, der schwere Brandverletzungen erlitten habe, sei darauf in die erste Klasse gebracht worden.

Andere Fluggäste berichteten, es habe einen Knall wie von einem Feuerwerkskörper oder einem platzenden Ballon gegeben, bevor der Mann überwältigt worden sei. Die Flammen seien mit einem Feuerlöscher und Wasser erstickt worden. "Es ging alles ganz schnell", sagte eine junge Frau. Mehrere Passagiere äußerten Zweifel, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben soll. Der Nigerianer wurde nach der Landung festgenommen und in ein Krankenhaus gebracht. Zwei weitere Passagiere seien leicht verletzt worden.

Laut US-Regierungsbeamten gibt es keine Hinweise auf eine formale Verbindung Abdulmutallabs zum Terrornetz El Kaida oder einer anderen Terrororganisation, berichtete CNN. Er selber behaupte indes, Kontakte zu islamischen Extremisten zu unterhalten und den Sprengsatz "im Jemen erhalten zu haben, zusammen mit Anweisungen, wie er zu benutzen ist". Nach ersten Verhören sehe es aber nach einem Einzeltäter aus, so offizielle Quellen. "Er erzählt eine Menge" gegenüber dem FBI, zitierte der Sender einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter, der mit den Ermittlungen vertraut sei.

Der Mann war den Angaben zufolge von der nigerianischen Hauptstadt Lagos aus zunächst nach Amsterdam geflogen. Dort wurde er Medienberichten zufolge abermals kontrolliert, bevor er den Flug 253 der zu Delta gehörenden Northwest Airlines nach Detroit bestieg. "Das ist dann wohl etwas schiefgegangen", sagte ein CNN-Korrespondent.

Unklar war zunächst, was für eine Substanz der Mann genau in Brand setzen wollte. Wie ein Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums sagte, sei die Substanz "eher brennbar als explosiv" gewesen. Offenbar habe der Täter das Flugzeug in Brand stecken wollen. Abdulmutallabs Name habe allem Anschein nicht auf der Flugverbots-Liste des US-Heimatschutzministeriums gestanden.

Britischen Medienberichten zufolge studierte der 23-Jährige am University College London Maschinenbau. Der Nigerianer soll den Geheimdiensten bekanntgewesen sein. Allerdings habe man ihn als nicht besonders gefährlich eingestuft, so dass ihm auch Flüge erlaubt waren.

Das Intel-Institut in Washington, das sich auf die Auswertung von terroristischen Internet-Seiten beschäftigt, sprach von einem "ernsthaften terroristischen Anschlagversuch". Der Täter habe offensichtlich Verbindungen zu El-Kaida-Organisationen im Jemen und in Nordafrika unterhalten, hieß es.

Bereits zu Weihnachten 2001 hatte der später als "Turnschuhbomber" bekanntgewordene Brite Richard Reid auf dem Flug von Paris nach Miami versucht, einen in seinem Schuh versteckten Sprengsatz zu zünden. Er wurde von der Flugzeugbesatzung und Passagieren überwältigt und im Januar 2003 von einem US-Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nach Angaben der britischen Behörden wurden inzwischen die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen erhöht. Die US-Regierung habe die entsprechenden Bestimmungen für sämtliche Flüge in die USA angepasst, hieß es in London. So dürfe jeder Passagier nur noch maximal ein Stück Handgepäck mitnehmen. Außerdem müssen die Reisenden vor dem Abflugsteig noch einmal kontrolliert werden. Passagiere sollten mehr Zeit am Flughafen einplanen. Das Verkehrsministerium wolle weitere Maßnahmen ergreifen, falls dies notwendig sei, sagte ein Sprecher.

Die EU-Kommission kündigte an, untersuchen zu wollen, ob bei dem Flug nach Detroit in Europa alle Sicherheitsregeln eingehalten wurden. EU-Innen- und Justizkommissar Jacques Barrot zeigte sich entsetzt von dem versuchten Anschlag. Seine Behörde sei mit den verantwortlichen Stellen in den Niederlanden und in den USA in Kontakt. Der Vorfall zeige, dass man im Kampf gegen den Terrorismus wachsam bleiben müsse.

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