Sogar beim Juwelier sticht der Wert von Klopapier hervor. Foto: Gottfried Stoppel

Ein Winnender Uhrmacher lockt seine Kundschaft – nicht ganz ernst – mit Gratis-Klopapier bei Einkäufen ab 100 Euro. Im Kreis schließen weitere Einrichtungen. Aber es gibt auch positive Nachrichten

Rems-Murr-Kreis - Außergewöhnliche Zeiten bringen außergewöhnliche Maßnahmen zutage. So hatten sich der Winnender Uhrmacher Dieter Bialas und sein Mitarbeiter Marcel Taus wie viele andere über das Toilettenpapier-Hamstern der vergangenen Tage gewundert und sich davon zu einer ungewöhnlichen Werbemaßnahme inspirieren lassen. „Ein Blatt Papier, ein Edding-Stift und fertig war die Sache“, sagt Marcel Taus. Nun prangt an der Schaufensterscheibe des Geschäfts ein Angebot, das vor einigen Tagen sicher nicht verstanden worden wäre: „Ab 100 Euro Kauf 1 Rolle Klopapier gratis – von Bialas“, lesen verblüffte Passanten auf der Winnender Marktstraße.

„Bisher ist deshalb allerdings noch keiner reingekommen“, sagt Dieter Bialas, der Eigentümer des Geschäfts, während er eine Kundin bedient. Aber „eigentlich sollten wir die Toilettenpapierrollen im Tresor aufheben, schließlich stellen sie zurzeit ja einen gewissen Wert dar“, fügt sein 19-jähriger Uhrmachergeselle grinsend an. In den vergangenen Tagen sei es schon ruhiger geworden, was den Kundenverkehr angehe. „Im Verkauf ist in der ganzen Branche seit November nicht viel los gewesen, außer bei den großen Kaufhäusern“, berichtet Marcel Taus. Da Bialas aber zudem Reparaturen und dazu noch Restaurierungen von Uhren anbietet, sieht man in dem winzigen Laden einer möglichen Schließung wegen Corona relativ gelassen entgegen. „Wenn kein Verkauf stattfindet, haben wir immer noch die Aufträge in der Werkstatt.“

Wochenmarkt mit Einschränkung

Auf der Winnender Marktstraße geht es am Dienstagvormittag deutlich ruhiger zu als sonst in der Fußgängerzone. Am Donnerstag soll hier allerdings der Wochenmarkt wie gewohnt aufgebaut werden. Auch in Waiblingen will man diesen am Mittwoch stattfinden lassen. Die Auswahl und die Ausgabe der Waren dürfe jedoch nur der Standbetreiber vornehmen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt, die Kunden dürften die Ware nicht selbst aus der Auslage der Marktstände nehmen. Der Waiblinger Tafelladen hat dagegen beschlossen, von Donnerstag an bis auf weiteres das Ladenlokal in der Fronackerstraße zu schließen. Auch die Tafel in Schorndorf macht vorübergehend zu, um die Ehrenamtlichen zu schützen.

Hilfsangebote für Bedürftige

In Rudersberg, wo Anfang vorvergangener Woche der erste Corona-Infizierte im Rems-Murr-Kreis registriert wurde, organisieren die Diakoniestation Wieslauftal-Welzheimer Wald und die Gemeinde ein Hilfsangebot zur Unterstützung jener Bürger, die in der aktuellen Situation nicht am öffentlichen Leben teilnehmen können. Unter der Telefonnummer 0 71 83/3 05 99 19 oder per Mail an buerkle@diakoniestation-wieslauftal.de kann Bedarf, etwa an Einkauf, Medikamenten oder anderem, angemeldet werden.

Auf seinem Twitter-Account hat auch der junge Autor und Reiseblogger Marian Grau zur Bildung von Gruppen freiwilliger Helfer aufgerufen. „Ich übernehme die Koordination für den Rems-Murr-Kreis: Helfer und Hilfesuchende dürfen sich gern gleichermaßen bei mir melden“, schreibt er in dem sozialen Netzwerk.

Die Politik ruht

Wie fast alle Großen Kreisstädte hat auch die Stadt Waiblingen ihre Gemeinderatssitzung abgesagt, die für Donnerstag angesetzt war. Wo möglich sollten nun Beschlüsse im Umlaufverfahren herbeigeführt werden, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

Bürgerservice per Chat

Termine bei der Stadtverwaltung sind in den Rathäusern in der Regel nur noch nach vorheriger Absprache möglich. In Waiblingen hat man beschlossen, den Live-Chat des Bürgerbüros auszuweiten.

Schonfrist für Übeltäter?

Auch das Amtsgericht Waiblingen kündigt eine auf das „unbedingt Notwendige“ reduzierte Präsenz der Mitarbeiter an. Verhandlungen würden nur durchgeführt, wenn sie unaufschiebbar seien, sagt der Gerichtsdirektor Martin Kirbach. Welche das sind, sei dem jeweiligen Richter in seiner richterlichen Unabhängigkeit überlassen. Die Betroffenen würden von möglichen Terminaufhebungen und –verschiebungen informiert.

Keine Krankenbesuche im Schloss

Im Zentrum für Psychiatrie Schloß Winnenden können nur noch Personen mit einer sehr dringlichen psychiatrischen Behandlungsbedürftigkeit vollstationär aufgenommen werden. Bis zum 20. März werden die Tageskliniken geschlossen. Krankenbesuche in der Klinik sind bis auf Weiteres nicht mehr möglich.

Infiziertenzahl wächst weiter

Die Zahl der identifizierten Infizierten im Rems-Murr-Kreis ist weiter gestiegen – allerdings offenbar nicht in dem Ausmaß, wie eigentlich zu erwarten war. Am Dienstagabend wurden insgesamt 54 „Fälle“ gemeldet, das sind „lediglich“ fünf mehr als am Vortag.

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