Offene Ausbildungsplätze gibt es beispielsweise in der Gastronomie Foto: dpa/Sebastian Willnow

Schwache Schüler im Südwesten sollen beim Übergang in die Arbeitswelt besser unterstützt werden. Dafür stellt das Land den Kreisen 2,4 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

Stuttgart - Rund 9000 Ausbildungsplätze in Baden-Württemberg sind derzeit unbesetzt, gleichzeitig suchen etwa ebenso viele junge Menschen im Südwesten nach einer beruflichen Perspektive. Viele dieser Jugendlichen wissen nicht genau, wo und wie sie sich bewerben müssen oder werden von den Firmen als nicht ausbildungsreif angesehen. Um das zu ändern, will die Landesregierung das Reformkonzept für den Übergang Schule-Beruf auf weitere Stadt- und Landkreise ausdehnen.

Das 2013 vom Ausbildungsbündnis Baden-Württemberg verabschiedete Modell für regionales Übergangsmanagement wird derzeit in 21 Stadt- und Landkreisen praktiziert, darunter sind Ludwigsburg und der Rems-Murr-Kreis. Um weitere Kreise zu gewinnen, stellt das Land zusätzliche 2,4 Millionen Euro bereit, kündigten Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Kultusministerin Susanne Eisenmann (beide CDU) am Donnerstag in Stuttgart an. Derzeit zahlt das Wirtschaftsministerium dafür etwa drei Millionen Euro jährlich, weitere 700 000 Euro kommen vom Kultusministerium für den Bildungsgang Ausbildungsvorbereitung dual.

Praktika als erster Schritt

Die so genannte duale Ausbildungsvorbereitung wird derzeit an 52 beruflichen Schulen angeboten. An ihr nehmen rund 3000 Schüler mit Förderbedarf teil, mehr als die Hälfte hat noch keinen Schulabschluss. Im Ganztagsunterricht sollen sie nachholen, was sie für die Arbeitswelt brauchen – neben fachlichen Kenntnissen auch Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und andere Regeln. Bei Praktika lernen sie mögliche Berufe kennen. Sozialarbeiter unterstützen sie etwa bei der Suche nach einem Praktikumsplatz und Bewerbungen oder bei Konflikten mit Lehrern oder in Betrieben. Auch die Eltern werden nach Möglichkeit einbezogen.

Aus Sicht der Ministerinnen ist das Angebot ein Erfolg. Nach einem Jahr gelinge 36 Prozent der Absolventen der Übergang in eine Ausbildung, die meisten im Praktikumsbetrieb. Weitere sechs Prozent fänden eine Arbeit. Bis 2025 soll das Konzept, das Land, Kammern, Arbeitgeber, Gewerkschaften, die kommunalen Landesverbände und die Bundesagentur für Arbeit entwickelt haben, flächendeckend im Südwesten angeboten werden. Andere Projekte wie das Vorbereitungsjahr oder das Berufseinstiegsjahr sollen dann wegfallen.

Dass sich bisher weniger als die Hälfte der 44 Kreise daran beteiligen, liegt unter anderem daran, dass es sich noch um einen Schulversuch handelt und das Land bisher nur für 21 Kreise Mittel bereitgestellt hat. Bei einer flächendeckenden Einführung müsse das Land langfristig und für alle Kreise Geld zur Verfügung stellen, fordert der Landkreistag. Das Land übernimmt bei dem neuen Modell derzeit je nach Angebot zwischen 60 und 70 Prozent der Ausgaben, den Rest müssen die Schulträger selbst – also die Kreise tragen.

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