Vinod Talgeri hat ein Buch über die Schwaben geschrieben. Foto: /Foto: Helmut Pangerl

Vinod Talgeri aus Bietigheim-Bissingen im Kreis Ludwigsburg hat ein Buch geschrieben, in dem er den Schwaben mit einem Augenzwinkern den Spiegel vorhält.

Bietigheim-Bissingen - Der Volksstamm der Schwaben ist vielleicht der komplizierteste, gewiss aber der spannungsreichste unter den deutschen Stämmen. Dies wusste schon Thaddäus Troll, der seinen Landsleuten  preisend mit vielen schönen Reden auf den Zahn fühlte und mit „Deutschland, deine Schwaben“ einen Klassiker vorgelegt hat.

Lange hat man auf einen Nachfolger warten müssen. Neben den unzähligen Heimatdichtern, die die Eigenheiten der Schwaben  beschreiben  und versuchen, diese tief zu ergründen, hat nun Vinod Talgeri die Szene betreten. Ein Inder aus Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg), der in den letzten 45 Jahren im Ländle mehrere Tausend Schwaben aus allen Schichten kennengelernt hat und sich dabei – man muss es so sagen – ins „Ländle“ und seine Bewohner verliebt hat.

Hefezopf, Spätzle und Kuttelsuppe

Als Deutscher indischer Herkunft  erhielt der promovierte Maschinenbauer und Geschäftsführer einer global agierenden Consulting-Firma viele, auch private Einblicke in die Arbeits-, Denk- und Lebensgewohnheiten der Schwaben und konnte so  ihre Stärken, Schwächen und Empfindlichkeiten untersuchen. So will er nun die schwäbische DNA geknackt haben. Das Resultat steht in seinem Buch „Schwaben DNA“.

Was bei der Lektüre auffällt: Es sind keine Beobachtungen von außen, und es ist keine Niederschrift, die ausschließlich am Schreibtisch entstanden ist.

Vinod Talgeri muss für sein Buch praktisch in den schwäbischen Haushalten bei Hefezopf mit Butter, Rostbraten und Spätzle sowie  Kuttelsuppe mit am Tisch gesessen haben. Wie Thaddäus Troll greift  er zwar auch die altbekannten Themen wie die „heilige“ Kehrwoche, das „heilige“ Blechle und die immer wiederkehrende Großveranstaltung „Hocketse“ auf. Doch Talgeri hat das Thementableau anhand seiner eigenen Biografie ganz erheblich erweitert. Dabei hat der Autor in den vergangenen Jahren durchaus einen Lernprozess durchgemacht, hat mit Neugier wie ein Goldschürfer die schwäbischen Feinheiten zutage gefördert, und  er bleibt in seiner Analyse freundlich. Der Troll’sche Sarkasmus fehlt ihm völlig.

Talgeri bringt den Schwaben das ferne Indien näher

Für Talgeri war die Kehrwoche ein Teil seiner Integration, auch für ihn wurde das eigene Häusle zum inzwischen lang erfüllten Lebenstraum, und die schwäbische Hausfrau ist eine ganz besondere „Lady“.

Das Buch teilt sich  in 24 Kapitel auf, denen jeweils zur Einstimmung Zeichnungen von Saskia Bannasch vorangestellt sind. Dem Autor gelingt es auf kurzweilige Art und Weise, immer auch den Blick über den schwäbischen Horizont  zu werfen.

Vinod Talgeri bringt dem Leser aus Schwaben das ferne Indien näher. Nicht wie in einem trockenen Reiseführer, sondern anhand von zahlreichen praktischen Beispielen.

So stellt Talgeri  fest,  dass mehr als 75 Millionen Deutsche gar kein Schwäbisch können, es aber in Indien 20 unterschiedliche Sprachen gibt. Dabei habe er einen „Schönheitsfehler entdeckt: „Koi Sau schwätzt dort Schwäbisch, gelle“.

Kein missionarischer Anspruch

Nach einem kleinen Bilderteil vermittelt der Autor viel Wissenswertes über Indien, dies reicht vom Kastensystem bis zur Situation der Frauen in Indien. Dabei möchte Vinod Talgeri mit seinem Buch nicht missionarisch wirken, sondern eine „Wahrnehmungs-Verzerrung“ aus der Welt schaffen und für ein richtiges „Schwaben- und Indienbild“ werben.  Wie kann dies besser gelingen als bei einem Inder, der bei mehrmonatigen Aufenthalten im Ausland immer drei Dinge in seinem Reisegepäck dabeihat: zwei Päckchen Maultaschen, zwei Päckchen Spätzle und zwei Dosen Kutteln.

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