Das Klinikum hat seine Notaufnahme am Standort Sindelfingen umgebaut. In den Boxen werden Patienten zunächst auf das Virus getestet. Foto: factum/Simon Granville

Mitarbeiter des Klinikums Sindelfingen-Böblingen haben eine Geschenktüte erhalten. Doch die Freude darüber hält sich in Grenzen, was vor allem mit dem Gesundheitsminister Jens Spahn zu tun hat.

Sindelfingen/Böblingen - Während draußen die Krankenzahlen stiegen, gingen sie zwischen März und April im Klinikum Sindelfingen-Böblingen zurück. Die Mannschaft – von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt – war hoch motiviert, der ersten Pandemie-Welle zu begegnen. Ohne es an die große Glocke zu hängen, halfen sie in den eilig errichteten Notboxen für Corona-Tests aus, strichen Urlaube, schoben Wochenenddienste, oder übernahmen Zusatzschichten, um dem Virus Herr zu werden. Nicht nur im Klinikum, auch in ganz Deutschland hatte sich der Einsatz gelohnt. Die Bilder, die man aus China oder Italien zu sehen bekam, hat es in Deutschland nicht gegeben.

Die Tüte war zu dürftig

Als die erste Welle im Mai abflaute, entschloss sich die Geschäftsleitung des Klinikums Sindelfingen-Böblingen zu einem kleinen Dankeschön: Die Mitarbeiter bekamen eine Geschenktüte mit Desinfektionsmitteln, Mund- und Nasenbedeckungen für die ganze Familie, Süßigkeiten sowie zwei Fünf-Euro-Gutscheinen für die Cafeteria. Nicht alle Klinikangestellten waren damit zufrieden. Es erschien ihnen zu dürftig, angesichts des Einsatzes, den sie geleistet hatten.

Es war aber auch nicht alles gewesen: Alle Mitarbeiter, die direkt mit Corona-Patienten zu tun hatten, bekamen zehn Euro pro Schicht zusätzlich aus der Schatulle des Klinikums ausbezahlt, und das steuerfrei. Dazu gab es monatlich 46 Euro Erschwerniszulage, die Mitarbeiter im Hintergrund bekamen zusätzlich 25 Euro pro Dienst vergütet. Alle anderen Beschäftigten des Klinikums bekamen keine Zulagen.

Kein Bonus für die Krankenhaus-Pfleger

Der Betriebsratsvorsitzende Hartmut Fahrnke spricht von Unmut unter der Belegschaft. Es sei schwierig gewesen, überhaupt eine Betriebsvereinbarung über den Corona-Bonus mit der Geschäftsleitung zu schließen. Den Unmut der Angestellten kann er verstehen, doch sieht Fahrnke noch einen ganz anderen Grund als die Geschenktüte: Es seien die vom Gesundheitsminister Jens Spahn versprochenen 1500 Euro, die alle Helfer im Pflegebereich erhalten sollten, als Bonus für die Corona-Zeit. Bekommen haben sie nur die Altenpfleger, die Pfleger im Krankenhaus nicht. Deswegegen kann Fahrnke gut verstehen, warum manchem Angestellten die von der Geschäftsleitung gut gemeinten Geschenke sauer aufstoßen.

Mit dieser Meinung ist er nicht allein; die Geschäftsleitung des Klinikums Sindelfingen-Böblingen denkt genauso. „Sie müssen sich vorstellen, jemand verspricht Ihrem Angestellten, dass Sie ihm 1500 Euro zahlen sollen“, sagt dazu Gerald Tomenendal, Geschäftsführer des Klinikums. Auch der Sprecher des Klinikverbunds Ingo Matheus findet es nicht gut, dass das Gesundheitsministerium seine vollmundigen Versprechungen nicht eingehalten hat: „Wir schauen hier in die gleiche Richtung wie unsere Mitarbeiter.“

Auch die Landkreise entscheiden

Die Geschäftsleitung im Klinikum Sindelfingen-Böblingen spricht von fünf bis sechs Millionen Euro, die das Haus in der Krise mehr aufwenden musste. Die Zahl der Sicherheitskräfte ist von 14 auf 70 Mitarbeiter gestiegen, die Notaufnahme musste umgebaut werden, die Cafeteria hat nun weniger Plätze und damit weniger Einnahmen, Schutzkleidung musste beschafft werden und so weiter. Angesichts dieser Kosten nehmen sich die Zulagen beim medizinischen Personal eher bescheiden aus: Es sind rund 190 000 Euro. Doch auch Gerald Tomenendal entscheidet nicht alleine über das Klinikum Sindelfingen-Böblingen, denn es ist in der Trägerschaft der Landkreise Calw und Böblingen.

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