Die Zwillinge, die aus dem Fenster gefallen sind, wurden mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Foto:  

Jüngst sind zwei Zwillingskinder in Sielmingen aus dem offenen Fenster gestürzt. Der Unfall hat bei vielen Menschen Betroffenheit ausgelöst – und die Frage, wie so etwas am besten verhindert werden kann. Hier geben die Experten Tipps dazu.

Filderstadt - Am Samstag sind zwei 20 Monate alte Zwillingskinder aus einem Fenster der elterlichen Wohnung in Sielmingen gefallen und vier Meter in die Tiefe gestürzt. Das hat bei vielen Menschen für Bestürzung gesorgt – verbunden mit der Frage, wie man solche Unfälle am besten verhindern kann. Die schwer verletzten Zwillinge liegen weiterhin im Krankenhaus. Laut Polizei ist ihr Zustand unverändert.

Die Sicherheit ist ein wichtiges Kriterium, wenn es darum geht, die Räume zu überprüfen, in denen Tagesmütter Kinder betreuen, berichtet Jana Lux, stellvertretende Geschäftsführerin vom Tageselternverein Kreis Esslingen. „Treppenschutz, Kantenschutz, Steckdosenschutz, das alles ist bei Kleinkindern ein Muss“, sagt Lux. Fenstersicherungen wie abschließbare Griffe seien notwendig „in Räumen ohne Aufsicht“, wie etwa separaten Schlafräumen für Kleinkinder oder Spielzimmer auf einem anderen Stockwerk. Mit diesen Vorgaben richte sich der Verein nach den Empfehlungen der Unfallkasse Baden-Württemberg, so Lux. Es käme auch auf das Alter der betreuten Kinder an: „Schlafen in dem Raum nur Säuglinge, die sich nicht alleine bewegen können, dann sieht es natürlich anders aus“, erklärt sie.

Bei geöffnetem Fenster das Kind nicht alleine lassen

Die Unfallkasse empfiehlt außerdem, alles zu entfernen, worauf Kinder klettern können, um in die Nähe des Fensters zu gelangen, „vor allem Stühle, Sessel, Regale, Kindertische und das Kinderbett“.

„Über 80 Prozent der Unfälle von Säuglingen und Kleinkindern bis zum zweiten Lebensjahr passieren in den eigenen vier Wänden“, informiert die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder (BAG). Viele davon seien zu verhindern. Die BAG warnt ausdrücklich: „Lassen Sie Ihr Kind nie bei geöffnetem Fenster alleine im Raum.“ Und weiter: „Fenstersicherungen und abschließbare Griffe verhindern das Öffnen durch das Kind.“

Häusliche Unfälle passieren häufig

„Häusliche Unfälle mit Kindern kommen ständig vor“, sagt auch Günter Maurer, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und leitender Arzt an der Arkadenklinik in Bernhausen. Dort würden täglich etwa zehn Kinder behandelt.

„Die große Masse sind aber leichte Verletzungen“, erklärt Maurer weiter, also wenn Kinder Stufen herunter fallen oder von der Schaukel. Schwere Verletzungen wie im Fall der Sielminger Zwillinge seien die Ausnahme. Bei Fensterstürzen seien Verletzungen an Wirbelsäule, Fuß, Kopf und Sprunggelenk sowie am Halswirbel häufig. Fallen Kinder von Schaukel oder Fahrrad, fangen sie sich reflexartig mit Händen und Armen ab. „Darum entstehen dabei Frakturen an Unterarm und Ellenbogen“, erklärt Günter Maurer.

„Die erste Sicherheitsmaßnahme ist, die Kinder zu beaufsichtigen“, rät der Facharzt. Passieren könne schnell etwas: „Kleinkinder stöbern herum, reißen Schubladen auf, wollen ihre Umwelt kennenlernen.“ Er empfehle auf jeden Fall Schutzgitter an den Treppen. „Fenstersicherungen sind nicht generell notwendig, aber im Einzelfall zu erwägen“, sagt Günter Maurer. Balkontüren sollten gesichert werden, Fenster seien aber im Regelfall bei normaler Höhe nicht ohne weiteres von kleinen Kindern zu erreichen.

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