Nach dem Unfall in Berlin stehen SUVs in der Kritik. Foto: Paul Zinken/dpa

Der Unfall in Berlin löst eine Debatte über SUVs aus. Aber muss es gleich ein Verbot sein?

Berlin - Es ist schon merkwürdig. Nachdem in Berlin bei einem Unfall mit einem Porsche Macan vier Fußgänger ums Leben gekommen sind, stehen sogenannte SUVs in der Kritik. Gleichzeitig meldet die Autoindustrie weiter steigende Verkäufe in diesem Segment. Den größten Zuwachs verzeichnen dabei die SUVs, also nicht reinrassige Geländewagen, sondern Autos, die nur so aussehen. Selbst in den kleineren Fahrzeugklassen grassiert das SUV-Fieber. Dummerweise sind auch die etwas kompakteren SUVs in der Regel schwerer als vergleichbare Pkw-Modelle. Zudem sind sie höher und haben daher einen größeren Luftwiderstand. Beides steigert Verbrauch und Emissionen.

Ein automobiler Wettbewerb

Mancher SUV-Lenker träumt vielleicht insgeheim davon, im nächsten Stau kurzerhand die Leitplanke abzuschrauben und sich allradgetrieben über die Felder durchzuschlagen. Bei realistischer Betrachtung gibt es allerdings kaum einen vernünftigen Grund, auf Deutschlands gut ausgebauten Straßen mit Geländewagen und ähnlichen Gefährten herumzukurven – erst recht nicht in den Innenstädten, wo Fußgänger, Radfahrer, Autos und neuerdings auch noch E-Scooter immer stärker um den begrenzten Platz konkurrieren. Autos, die aufgrund ihrer Abmessungen größere Parkbuchten brauchen, sind da sicher nicht die richtige Antwort.

Viele Autokäufer stellen sich solche Fragen nicht. Sie verweisen auf den komfortablen Einstieg, das Platzangebot und die höhere Sicherheit bei Unfällen. Tatsächlich belegen Studien, dass das Verletzungsrisiko bei einem Zusammenstoß zwischen einen SUV und einem gewöhnlichen Pkw für die SUV-Insassen niedriger ist. So kommt eine Art Wettbewerb in Gang. Nach dem Motto: Bevor ich bei einem Crash mit einem SUV den Kürzeren ziehe, kaufe ich mir doch lieber gleich selbst so ein Auto – und nehme damit die Gefährdung anderer in Kauf. Die Autoindustrie hat bis jetzt ohnehin keinen Grund, den Boom der echten und angeblichen Geländewagen zu bremsen. Denn die Gewinnmargen sind hier höher als bei anderen Modellen.

Von SUVs geht kein größeres Risiko aus als von anderen Autos

Was also tun, wenn weder Kunden noch Hersteller der automobilen Unvernunft abschwören wollen? Nach dem tragischen Unfall in Berlin wurden schnell die Rufe nach einem Verbot von SUVs in Städten laut – lange bevor die genaue Unfallursache bekannt war. Glaubt man Unfallforschern, geht von SUVs aber kein größeres Risiko für Fußgänger aus als von anderen schnell fahrenden Autos. Aus ökologischen Gründen spricht allerdings vieles dafür, die Zahl unnötig großer und schwerer Autos zu begrenzen – unabhängig von der Fahrzeugklasse. Dazu braucht es kein spezielles SUV-Verbot, es genügen strenge gesetzliche Emissionsvorgaben, die konsequent umgesetzt werden. Die EU ist hier mit ihren strengen CO2-Grenzwerten für künftige Autos grundsätzlich auf dem richtigen Weg.

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