Die meisten Unfälle von Kindern passieren zuhause – etwa bei Stürzen von rutschigen Treppenstufen. Foto:  

Eine Studie zeigt, dass Drei- bis Sechsjährige vor allem bei Unfällen in der häuslichen Umgebung verletzt werden. Die häufigste Ursache sind Stürze, wie eine Befragung von Eltern ergab.

Korntal-Münchingen - Mit angehaltenem Atem verfolgen die Mädchen und Jungen von den Korntal-Münchinger Kindergärten Sonnenwirbel und Lessingstraße, wie ein Clown auf einer fragilen Konstruktion aus einem Tisch und einem darauf stehenden Stuhl balanciert und einen an der Decke schwebenden Helium-Luftballon zu erhaschen versucht.

Was bei der Vorführung des Clown-Duos Coratzel gut ausgeht, endet im wahren Leben oft weniger glimpflich. Das zeigt eine Studie zu den Ursachen von Unfällen, die Drei- bis Sechsjährigen im Kreis Ludwigsburg passiert sind. Vor allem Stürze und das Rempeln gegen Möbel, Haushaltsgegenstände, Sport- und Freizeitgeräte sind demnach bei Kindern dieser Altersgruppe Ursachen für Verletzungen.

Die Ergebnisse sollen für Prävention dienen

„Für uns sind diese Erkenntnisse sehr wertvoll. Sie können uns helfen, gezielt vorbeugende Maßnahmen für Eltern und Erzieher zu entwickeln, etwa Weiterbildungen oder Flyer“, sagt Uschi Traub, die Leiterin der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention im Gesundheitsdezernat des Landratsamtes. Denn Unfälle gehörten zu den größten Gesundheitsrisiken für Kinder und zu den häufigsten Todesursachen im Kindes- und Jugendalter.

Rund 200 000 Kinder kommen laut Traub in Deutschland pro Jahr wegen Unfällen in die Klinik. 182 starben im Jahr 2015 – aus diesem Jahr stamme die aktuellste Erhebung, erläutert die Fachfrau – an den Folgen. „Für den Kreis Ludwigsburg“, berichtet Uschi Traub, „hatten wir zu diesem Thema bisher aber nur eine sehr begrenzte Datenlage.“

Für die kreisweite Erhebung – konzipiert von der Public-Health-Studentin Pirkko Marit Jann im Rahmen ihrer Masterarbeit – sind 43 der 367 Kindertageseinrichtungen im Kreis nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden. Von 1700 kontaktierten Familien meldeten sich die Eltern von 523 Kindern zurück. „Das ist ein Rücklauf von rund 32 Prozent. Damit sind wir sehr zufrieden“, sagt Jann.

Hautverletzungen sind die häufigste Unfallfolge

Gefragt waren nicht Auskünfte über kleinere Blessuren, sondern über Unfälle, die beim Arzt behandelt werden mussten oder einen Krankenhausaufenthalt nach sich zogen. Die Ergebnisse zeigen: Solche Unfälle sind offenkundig alles andere als eine Seltenheit. Von den 523 Kindern hatten 170 einen oder gar mehrere Unfälle – 233 Unfälle wurden insgesamt genannt. Zwei Drittel der Mädchen und Jungen mussten im Krankenhaus behandelt werden, fünf Prozent der Unfälle zogen eine stationäre Versorgung nach sich.

Meist verletzten sich Drei- bis Sechsjährige bei Stürzen – vor allem aus der Höhe (34 Prozent), aber auch in der Ebene (27 Prozent). Ein Aufprall auf Gegenstände kann ebenso unfallträchtig sein: Das war in 19 Prozent der Unfälle die Ursache. Ganz vorne dabei sind bei den Verletzungsverursachern Sofas, Türen, Tische, Wasserkocher, Herdplatten, aber auch die vielfach beliebten Trampoline. Unfallursachen wie Verschlucken, Vergiftung, Kontakt mit Tieren oder Straßenverkehr tauchen in der Statistik mit jeweils ein bis drei Prozent auf. Fast die Hälfte der Unfälle passierten im häuslichen Umfeld (48 Prozent). Die anderen geschahen in der Kita (22 Prozent) oder zum Beispiel im Freien (zehn Prozent), auf dem Spielplatz (sieben Prozent) oder im Urlaub (vier Prozent). Vor allem trugen die Kinder Hautverletzungen davon (43 Prozent), gefolgt von Kopfverletzungen (22 Prozent), Knochenbrüchen (8,5 Prozent), Muskel- und Bänderverletzungen (sechs Prozent) oder Quetschungen (fünf Prozent).

Was Eltern und Verantwortliche aus der Studie lernen können? Vieles, findet Uschi Traub. Es gelte vorzusorgen, ohne überzubehüten: Gute Beleuchtung schaffen, Steckdosen und Treppen sichern, herabhängende Stromkabel vermeiden, harte Bodenbeläge abdämpfen, Rutschfallen eliminieren, Tüten und Medikamente wegschließen, Kanten entschärfen und Notrufnummern bereithalten zum Beispiel.

„Und Wasser, das geht gar nicht“, fügt die Sonnenwirbel-Kindergarten-Leiterin Birgit Seifried hinzu, aus deren Einrichtung der größte Fragebogen-Rücklauf kam. Die kleinste Wanne oder Pfütze könne für ein mit dem Gesicht hineinfallendes Kind in der größten Katastrophe enden.

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