Insgesamt greifen weltweit laut UN 271 Millionen Menschen zu Drogen wie Cannabis, Kokain, Opium oder zu synthetischen Substanzen. Foto: Christian Charisius/dpa

Allein in den USA sind in einem Jahr rund 70 000 Menschen an einer Drogen-Überdosis gestorben. Der neueste Weltdrogenbericht der UN weist viele alarmierende Tendenzen auf. In Deutschland sind zwei Millionen Menschen abhängig von Medikamenten und 1,3 Millionen alkoholkrank.

Wien - Mehr als eine halbe Million Menschen weltweit sind 2017 wegen ihres Drogenkonsums und damit zusammenhängender Krankheiten gestorben. Das erklärten Experten des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien. Konkret waren es 585 000 Menschen.

Laut UN-Drogenbericht, der sich auch auf 2017 bezieht, greifen weltweit 271 Millionen Menschen zu Drogen wie Cannabis, Kokain, Opium oder zu synthetischen Substanzen. Im Vergleich zu 2009 sei die Zahl der Drogennutzer damit um 30 Prozent gestiegen. 5,5 Prozent der Weltbevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren hätten 2017 Drogen genommen.

188 Millionen Cannabis-Konsumenten

Die am häufigsten genutzte Droge bleibt Cannabis. Schätzungsweise 188 Millionen Menschen greifen laut UN zum Haschisch. Einen gewissen Erfolg verzeichnen die Drogenbekämpfer auf dem Gebiet der Designer-Drogen. Die Zahl der neuen Substanzen sei zurückgegangen und generell spielten die sogenannten Neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) nicht die vor einiger Zeit befürchtete Rolle.

35 Millionen Drogensüchtige in Behandlung

Die Zahl der Drogensüchtigen, die eine medizinische Behandlung brauchen, ist deutlich von rund 30 auf 35 Millionen gestiegen. Dies sei eine Folge neuer Erhebungen aus den besonders bevölkerungsreichen Ländern Nigeria und Indien, teilten die Vereinten Nationen bei der Vorlage des Weltdrogenberichts mit.

Besonders dramatisch sei aufgrund der neuen Erkenntnisse zu Nigeria und Indien der Anstieg der Konsumenten von Opioiden mit einem Plus von 56 Prozent im Vorjahresvergleich. Darunter fallen Heroin und auch synthetische Substanzen. Generell meinte die UN-Expertin Angela Me: „Heroin ist zurück.“ Darüber hinaus habe die illegale Herstellung von Kokain ein Allzeit-Hoch mit fast 2000 Tonnen erreicht. Wichtigstes Land für die Produktion bleibt Kolumbien.

Opioid-Epidemie in den USA und Afrika

Eine der tödlichsten Drogenkrisen erleben den Angaben zufolge die USA und Kanada. In den USA starb laut UN-Bericht 2017 die Rekordzahl von 70 000 Menschen an einer Überdosis Drogen, allein 47 600 an einer Überdosis von Opioiden. „Überdosen haben ein epidemisches Ausmaß erreicht“, betonte Me. Im Zentrum stünden dabei synthetische Drogen wie Fentanyl und ähnliche Stoffe.

Zugleich nehme in großen Teilen Afrikas die Nutzung des Opioids Tramadol deutlich zu. Innerhalb weniger Jahre sei die beschlagnahmte Menge von wenigen Kilogramm auf 215 Tonnen gestiegen. Dieses an sich wichtige Schmerzmittel werde zum Beispiel in Nigeria in Drogenlaboren mit hoher Konzentration gezielt für den illegalen nicht-medizinischen Markt hergestellt. Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas nehmen nach UN-Angaben vier Millionen Menschen Tramadol aus Suchtgründen.

Schmaler Grat zwischen Sucht und Therapie

Das Beispiel zeige den schmalen Grat, auf dem sich die Gesellschaft bewege. „Es ist wichtig, dass Menschen, die aus medizinischen Gründen Opioide brauchen, Zugang dazu haben“, erklärte Me. In den USA und Kanada seien die Substanzen aber sehr leicht verfügbar. Der umfangreiche Zugang zu Schmerztabletten ohne dringende Notwendigkeit sei einer der Gründe, warum nun Millionen von Menschen abhängig von Opioiden seien, so Me.

Die UN beklagen, dass statistisch nur einer von sieben Drogenabhängigen mit schweren gesundheitlichen Störungen behandelt wird. Dies gelte vor allem für die Situation in Gefängnissen, wo es kaum vorbeugende Maßnahmen gebe, um die Gefahr einer Ansteckung mit HIV, Hepatitis C oder Tuberkulose zu verringern.

Nur elf Länder hätten zumindest ein Gefängnis, in dem saubere Injektionsnadeln zur Verfügung stünden. 83 Länder böten eine solche Vorbeuge-Maßnahme dagegen gar nicht an.

Schmerzmittel-Sucht in Deutschland

Fast zwei Millionen Menschen in Deutschland sind nach neuen Studiendaten abhängig von bestimmten Medikamenten. Allein bei Schmerzmitteln seien 1,6 Millionen Menschen betroffen, heißt es in einer Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums.

Von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sind demnach 361 000 Menschen abhängig, wie aus Zahlen des Epidemiologischen Suchtsurveys (Epidemiological Survey of Substance Abuse, abgekürzt ESA) des IFT Instituts für Therapieforschung in München für 2018 hervorgeht.

23 Millionen chronische Schmerzpatienten in Deutschland

Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft leiden in Deutschland schätzungsweise 23 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen. „Sie berichten über so häufige und anhaltende Schmerzen über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten, dass sie nach der Definition der Internationalen Schmerzgesellschaft zur Gruppe der Patienten mit chronischen Schmerzen gehören“, erklärt der Neurologe Thomas R. Tölle, der Geschäftsführender Oberarzt des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie am Klinikum rechts der Isar in München ist.

Die Zahl chronischer, nicht tumorbedingter Schmerzen mit starker Beeinträchtigung und assoziierten psychischen Beeinträchtigungen, also einer Schmerzkrankheit, liegt Tölle zufolge bei 2,2 Millionen Menschen.

1,3 Millionen Alkohol-Abhängige

Nach Zahlen der Bundespsychotherapeutenkammer sind rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig und 2,7 Millionen Menschen missbrauchen Alkohol.

Pro Jahr stehen der Techniker-Krankenkasse zufolge in der Bundesrepublik etwa 74 000 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol. Täglich gibt es rund 200 Todesfälle durch zu hohen Alkoholkonsum. Die Lebenserwartung von Alkoholabhängigen ist demnach statistisch gesehen um rund 15 Prozent vermindert. Das entspricht einer Verkürzung der Lebenszeit um etwa zwölf Jahre.

Bei Jugendlichen geht der regelmäßige Alkoholkonsum indes weiter zurück. Unter den zwölf- bis 17-Jährigen trinken aktuell 8,7 Prozent mindestens einmal pro Woche – ein neuer Tiefstand, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nach Umfragedaten von 2018 mitteilte. Im Jahr 2004 waren es laut dem „Alkoholsurvey 2018“ – „Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland“ noch 21,2 Prozent gewesen.

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