Anfang Dezember hatte US-Präsident Donald Trump bekannt gegeben, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft in die Stadt zu verlegen. Foto: AP

Mit überwältigender Mehrheit haben die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Jerusalem-Entscheidung des US-Präsidenten kritisiert. Selbst engste Partner wenden sich gegen die Amerikaner, kommentiert Rainer Pörtner.

Stuttgart - Im Sicherheitsrat konnten die USA eine Niederlage noch durch ihr Veto abwenden, in der Vollversammlung nicht mehr: mit überwältigender Mehrheit haben die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Entscheidung von Donald Trump verurteilt, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Für die gesamte Welt ist damit dokumentiert: In einer der wichtigen Fragen der internationalen Politik ist der US-Präsident nahezu vollständig isoliert.

Trump schert dies nicht besonders. Für ihn ist viel wichtiger, dass er mit der Einlösung eines Wahlkampfversprechens mächtige proisraelische Wahlkampfspender und Millionen Evangelikale im eigenen Land zufrieden stellt.

Trump ignoriert die Warnungen der US-Verbündeten

Dafür ignorierte er selbst die eindringlichen Bitten europäischer Regierungen, den israelisch-palästinensischen Konflikt nicht mit einseitigen Schritten neu zu befeuern. Wer allerdings seinen Verbündeten immer wieder zeigt, dass er ihre Interessen nicht achtet und ihre Ratschläge ignoriert, wird bald keine Verbündete mehr haben.

Der US-Präsident hat den Gegnern seiner Jerusalem-Entscheidung in den UN vor der Abstimmung offen gedroht – unter anderem mit dem Entzug von Finanzhilfen. Kaum ein Staat hat sich von dem Gepolter und Gedröhne Trumps beeindrucken lassen. Auch das wird nachwirken: Dieser Mann im Weißen Haus macht die USA nicht stärker, sondern schwächer.

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