Gute Nachrichten vom „Summer breeze“ aus dem bayerischen Dinkelsbühl: Laut Veranstalter haben die Festival-Besucher das Gelände noch nie so sauber verlassen wie in diesem Jahr. Foto:  

Umweltschutz ist gerade in aller Munde. Wie aber sieht das auf Festivals aus, die gegen Ende vielerorts Müllhalden gleichen – spürt man hier, dass die Gäste umdenken? Wir haben nachgefragt, wie sich die Gäste auf Festivals rund um die Region Stuttgart benommen haben.

Baden-Württemberg - Der Hashtag „Umweltschutz“ trendet nicht nur auf Plattformen von Twitter und Instagram, auch in der realen Welt scheint das Thema angekommen zu sein. Umweltbewusste Ernährung ist angesagt, regionale und saisonale Produkte sollen auf den Tisch und zwar mit so wenig Plastikverpackung wie möglich. Und immer freitags füllt „Fridays for Future“ öffentliche Plätze, um für den Umweltschutz zu werben.

Musik-Festivals oder Open-Air-Konzerte hingegen sind Orte, die in der Vergangenheit viel mit Müll und Verschmutzung zu kämpfen hatten. Vielerorts wurde von kaputten Zelten berichtet, die die Besucher einfach an Ort und Stelle liegenließen und auch die vielen Bier- und Raviolidosen bleiben oftmals liegen – und wanderten nicht in den Mülleimer. Wir haben nachgefragt, wie sich die Gäste diesen Sommer auf den Festivals in der Nähe von Stuttgart benommen haben.

Happiness-Festival meldet mehr Müll als sonst

In Neuenbürg im Enzkreis, südwestlich von Pforzheim beim Happiness Festival, ließen die Festivalbesucher sogar mehr Müll zurück als die Jahre zuvor. „Am Abreisetag hat es geregnet, da passiert es eben, dass der ein oder andere den Müll oder das Zelt liegen lassen“, erklärt Geschäftsführer Benjamin Stieler und verweist auf das schlechte Wetter. Dabei gingen die Veranstalter bereits im Vorhinein das Thema Umweltschutz an: „Die Shotgläser aus Einwegplastik haben wir direkt verboten und durch welche aus Papier ersetzt“, erzählt Benjamin Stieler. Das sei gut angekommen bei den Gästen und auch als sich Standbesitzer nicht daran hielten, hätten die Gäste Stress gemacht, erinnert sich Stieler. Die Papierbecher helfen zwar, weniger Plastik zu benutzen, für die beste Lösung hält es Stieler allerdings nicht. „Der grünste Weg wäre, wenn jeder seinen eigenen Becher mitbringt.“ Und hält sich offen, ob die Festival-Betreiber für nächstes Jahr eine Empfehlung aussprechen, den eigenen Becher mitzunehmen. Mehr Müllabgabestellen hält er dagegen für unsinnig. „Wichtiger wäre, dass die Gäste direkt weniger mitnehmen an Müll oder Einmalgegenständen.“

Summer Breeze und Southside blieben sauber

Auf dem Summer Breeze Open Air in Dinkelsbühl, kurz nach der Grenze zu Bayern, war eine starke Verbesserung zu spüren, so Alex Härtel vom Marketing. „So sauber wie in diesem Jahr haben die Besucher unser Gelände noch nie verlassen“, freut sich Härtel. Der Grund dafür sei vor allem das große Angebot an Müllentsorgungsstellen gewesen: „Wir haben dieses Jahr viel getan, um es den Besuchern so leicht wie möglich zu machen, den Müll zu entsorgen.“ Aber auch die Präsenz des Themas in den Medien hält Härtel für einen Grund, dass die Festivalwiese so sauber blieb.

Und auch in Neuhausen ob Eck im Landkreis Tuttlingen ging es beim Southside-Festival sauber zu. „Wir freuen uns, dass der Großteil der Gäste auch dieses Jahr geholfen hat, viel Müll zu vermeiden oder ihn zu entsorgen“, erzählt Jonas Rohde vom Southside-Team. Die Müllentsorgungsstationen seien durchgehend genutzt worden und auch das Foodsharing sei stark genutzt worden. „Da können die Gäste Lebensmittel hinbringen, die sie nicht mehr essen und wie geben sie dann an andere, die kommen, weiter.“ Doch Umweltschutz, so betont Rohde, ist kein neues Thema beim Southside-Team – das gehe man bereits seit vielen Jahren an. „Für uns ist die grüne Bewegung kein Hype oder dergleichen, weil uns und unseren Gästen das Thema Umweltschutz schon seit vielen Jahren am Herzen liegt.“ 2013 riefen die Veranstalter des Southside-Festivals das Nachhaltigkeitsprogramm „Grün rockt“ aus, mit dem nachhaltige Themen auf dem Festival miteinbezogen werden sollen und das Festival so grüner gestaltet werden kann. „Wir wollen damit vor allem große Müllaufkommen, Lebensmittelverschwendung und CO2-lästige An- und Abreise sowie hohen Wasser- und Stromverbrauch angehen“, erklärt Rohde.

In Freiburg blieb alles beim alten

„Bei uns hat man kaum was vom steigenden Umweltbewusstsein der jungen Generation gemerkt“, erzählt Viviane Völkel vom Freiburger Sea You Festival. Auf den Festivalwiesen sei genauso viel Müll herumgelegen wie die Jahre zuvor. Aber auch hier wird das Thema Umweltschutz vom Festival-Veranstalter angegangen: „Um den Müllkonsum zu reduzieren, werden bei uns schon seit Jahren keine Flaschendeckel ausgegeben, weil man die so schwer aus der Wiese bekommt“, so Völkel. Und Pavillons, die oft liegenbleiben auf den Plätzen, sind in Freiburg inzwischen verboten.

Ümit Dagdelen vom Gute Zeit Festival in Konstanz am Bodensee zieht eine ganz zufriedene Bilanz was das Thema Müll anging – und blickt optimistisch auf den nächsten Festivalsommer. „Was das Pfand angeht, kooperieren wir immer mit Viva con Agua, die sammeln das ein und auch sonst lag nicht viel Müll herum, vermutlich, weil wir so viele Mülltonnen aufgestellt haben.“ Dass die Wege zum Stadion, in dem das Festival immer stattfindet, wieder sauber wurden, dafür sorgten Fridays-for-Future-Anhänger. Mit diesen standen die Festivalbetreiber im Vorhinein im Kontakt. „Da hat man das Umdenken der Leute am meisten gemerkt“, so Dagdelen. Außerdem habe man die Gastronomen gebeten, umweltfreundliches Einweggeschirr zu verwenden – nächstes Jahr soll das sogar zur Pflicht werden. Und auch sonst sind in Konstanz einige Pläne gemacht worden, um das Thema Umweltschutz weiter anzugehen. „Auf Einwegpackungen und Plastik wollen wir komplett verzichten und auch den Fleischkonsum wollen wir reduzieren und auf Bio-Fleisch setzen“, zählt Ümit nur ein paar der geplanten Maßnahmen auf. Zudem will das Festival mit Ökostrom arbeiten, seine gedruckte Werbung reduzieren und vor allem mit klimafreundlichen Logistik-Partnern zusammenarbeiten – und auch das Feuerwerk soll einer klimaneutraleren Alternative weichen.

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