Wegen der jüngsten Morde in Honduras stelle Voith bis auf weiteres alle Lieferungen für das Projekt in dem mittelamerikanischen Staat ein, erklärte das Heidenheimer Familienunternehmen nach einer Krisensitzung Foto: AP

Nach mehreren Morden an Projektgegnern setzt Voith Hydro Lieferungen für ein Wasserkraftwerk in Honduras aus. Zuvor war die Tochter von Voith und Siemens in die Kritik geraten.

München - Wasserkraftprojeke in Entwicklungsländern sind oft eine zwiespältige Angelegenheit. Sie versprechen saubere Energie und Wachstum. Gesetze und Menschenrechte werden dabei bisweilen aber mit Füßen getreten, weshalb Auftragnehmer genau prüfen sollten, für wen sie arbeiten. Das gilt auch für den Wasserkraftausrüster Voith Hydro und seine beiden Mutterkonzerne Voith und Siemens beim Wasserkraftprojekt Agua Zarca in Honduras. Dort wird im Auftrag des Energiekonzerns Desa entlang eines Flusses ein Laufkraftwerk gebaut, gegen das örtliche Bevölkerung und die indigene Menschenrechtsorganisation Copinh seit Jahren protestieren.

Proteste vor der Münchner Siemens-Zentrale

Im Land mit der höchsten Mordrate der Welt ist so etwas lebensgefährlich. Bislang sieben Morde belegen das auf drastische Weise. Im mittelamerikanischen Staat ermordet wurde zuletzt die an vorderster Front gegen Agua Zarca protestierende Aktivistin Berta Caceres, eine Symbolfigur des indigenen Widerstands. Kurz danach ereilte einen Mitstreiter dasselbe Schicksal. Wegen Tatverdachts festgenommen worden sind unter anderem ein Desa-Manager und der Mitarbeiter einer Desa-Sicherheitsfirma. Das Geschäft mit dem sauberen Wasser ist ziemlich schmutzig, finden Francisco Sanchez und Jose Martinez, weshalb sie ihren Protest nun vor die Münchner Siemens-Zentrale getragen haben. Angefangen habe das Morden 2013 mit einem erschossenen Demonstranten, erzählen Copinh-Aktivist Martinez und der örtliche Gemeinderatspräsident Sanchez. In den Jahren danach hätten Auftragskiller vier weitere Kraftwerksgegner ermordet. Im März 2016 dann wurde Caceres in ihrem Haus hingerichtet. Acht weitere Copinh-Aktivisten sehen sich mit Morddrohungen konfrontiert. Nach dem ersten Mord 2013 hätten sich die Weltbank als Finanzier und das chinesische Bauunternehmen Sinohydro zurückgezogen. Europäische Entwicklungsbanken und Voith Hydro seien geblieben.

Siemens begrüßt die Voith-Entscheidung

Das ändert sich nun. Wegen der jüngsten Morde und des Tatverdachts gegen Desa-Mitarbeiter stelle Voith bis auf weiteres alle Lieferungen für das Projekt ein, erklärte das Heidenheimer Familienunternehmen nach einer Krisensitzung. Abhängig vom Fortgang der Ermittlungen vor Ort werde man entscheiden, ob Lieferungen später wieder aufgenommen werden. Voith Hydro engagiere sich als Lieferant von Turbinen, Generatoren und Automatisierungstechnik seit Jahren für hohe Standards bei Wasserkraftprojekten und ziehe sich nicht auf die Rolle eines Zulieferers zurück. Man verurteile Gewalt jeder Art. Siemens, zu gut einem Drittel an Voith Hydro beteiligt, unterstützt diesen Schritt. „Die Entscheidung war notwendig und richtig“, erklärt der Münchner Konzern. Die Federführung beim Kraftwerksbau liege grundsätzlich bei Voith. Die Heidenheimer sind mit 4,3 Milliarden Euro Umsatz und 20 000 Beschäftigten eines der führenden Familienunternehmen Europas. Zuvor hatten Copinh und Hilfsorganisationen wie Oxfam und Gegenströmung beide deutsche Unternehmen heftig für ihre Rolle beim Agua Zarca-Projekt kritisiert. Beide hätten von Anfang an gewusst, worauf man sich mit dem Auftraggeber Desa einlasse. Die Privatfirma sei eng mit dem honduranischen Militär und der Regierungspartei verflochten. Dossiers über die Verletzung von Menschenrechten beim Agua Zarca-Projekt sind Siemens zuletzt im Januar übergeben worden. Um die Münchner und Voith zum Ausstieg aus dem umstrittenen Projekt zu bewegen, haben die Aktivisten rund 200 000 Unterschriften gesammelt und sie Mitte dieser Woche an Siemens übergeben. Das hat nach Einschätzung von Oxfam Wirkung gezeigt, wenn die Hilfsorganisation auch vorsichtig bleibt. „Wir werden genau beobachten, wie ernst es Voith mit seiner Ankündigung meint“, erklärte die Oxfam-Expertin für Landrechte Marita Wiggerthale. Siemens und Voith hätten ihre Hände immer in Unschuld gewaschen und längst handeln müssen. Dazu würden sie die seit 2011 geltenden UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte verpflichten. Aber in puncto Menschenrechte sei das Risikomanagement fahrlässig. Von Siemens erwarte Oxfam, dass der Konzern seinen Einfluss bei Voith geltend macht und beide ganz aus dem Projekt Agua Zarca aussteigen.

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