Der Unterbau ist fertig. Die ersten Bahnen der Kunstrasens sind ausgerollt Foto: Pflüger

Die Uhinger Stadtverwaltung weist die neuerliche Kritik der UBU-Ratsfraktion am Bau des Kunstrasenplatzes zurück. Die Verwaltung hält die Bedenken größtenteils für haltlos.

Uhingen - Eine innige Freundschaft mit dem Kunstrasenplatz, der zurzeit auf dem Haldenberg errichtet wird, werden die Unabhängigen Bürger Uhingen (UBU) mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr schließen. Die neue Gemeinderatsfraktion hat bereits mehrfach versucht, das Projekt, das schon vor der Kommunalwahl im Mai beschlossen worden war, noch zu stoppen. Bislang – und trotz der bundesweit geführten Diskussionen um den durch derartige Anlagen verursachten Mikroplastikeintrag ins Grundwasser – allerdings vergeblich.

Als vor zwei Wochen das Material für den Einbau der Elastikschicht angeliefert wurde, schlug die UBU erneut Alarm. Zum einen, weil sich bei ihrer Vor-Ort-Recherche gezeigt hatte, dass es sich bei dem für des Granulat verwendeten Gummi großteils um recycelte Altreifen handelt. Zum zweiten wegen des angelieferten Klebstoffs, den die UBU, wie sie erklärt, für „alles andere als eine harmlose Chemikalie hält“. Und zum dritten, weil sich einige beschädigte Granulatsäcke auf der Baustelle befanden, was auch fotografisch dokumentiert wurde. Dieser offensichtlich sorglose Umgang mit den Materialien, könne dazu führen, dass das Altreifengranulat unkontrolliert in die Umgebung gelange, befürchtet die Fraktion.

Wittlinger teilt die Kritik am Zustand der Baustelle

Was den letzten Punkt angeht, zeigte sich auch der Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger wenig erfreut. Der Zustand habe nicht den Anforderungen der Stadt entsprochen, woraufhin eine sofortige Intervention des Bauamts erfolgt sei. Wie es aus dem Rathaus heißt, „hat die beauftragte Firma umgehend für Abhilfe gesorgt, sodass keine schädlichen Stoffe in die Umwelt gelangen konnten“.

Die weiteren Bedenken der UBU kann die Stadtverwaltung indes nicht nachvollziehen. So stellte Wittlinger klar, „dass die Elastikschicht im Aufbau eines Kunstrasenplatzes mit dem Füllmaterial und der Diskussion über Mikroplastik nichts zu tun hat“. Solche Schichten, für die Recyclingmaterial aus Altreifen verwendet werde, würden regelmäßig verbaut, auch unter Tartanflächen, für Fallschutzplatten oder für die Einfassungen von Spielplätzen. Entsprechend sei die Umweltverträglichkeit mittels eines Prüfberichts bestätigt.

Angewendetes Verfahren ist selbst in Wasserschutzgebieten zugelassen

Wie die Stadtverwaltung weiter wissen lässt, „stellt ein derartiger Aufbau, der seit Jahrzehnten bewährt ist, für die Umwelt keine zusätzliche Belastung dar, da das Material gebunden wird und nicht in das Abwasser oder das Umfeld gelangen kann“. Das Verfahren sei selbst in Wasserschutzgebieten zugelassen. Wittlinger hält es unter diesen Vorzeichen zudem für sinnvoll, einen vorhandenen Kunststoff zu recyceln, anstatt ihn bei der Entsorgung zu verbrennen. Zumal die Elastikschichten mit dem sogenannten SBR-Granulat eine fast unbegrenzte Haltbarkeit hätten.

Auf die Frage der UBU, ob den „Kunstrasenplatz-Befürwortern“ bei ihrer Entscheidung für ein derartige Anlage bewusst gewesen sei, dass zumindest in der Elastiktragschicht ein Granulat aus Altreifen eingebracht werde, stellt Wittlinger klar, darüber im Vorfeld keine Informationen erhalten zu haben. „Dies war auch im Gemeinderat zu keiner Zeit eine Frage oder ein Thema“, ergänzt er.

Wolfgang Daiber hält seiner Verwaltungsklage aufrecht

Auch auf die Kritik der „Kunstrasenplatz-Gegner“ an dem Klebstoff geht der Rathauschef kurz ein: So sei die Herstellung des Granulats auf einem durch Folien gesicherten Mischplatz erfolgt. Durch die sofortige Reaktion des verwendeten Polyurethans mit der Luftfeuchtigkeit, könne dieses nicht mehr ins Erdreich eindringen. Nach der Aushärtung sei das Material inert, was bedeute dass es nachweisbar nicht mehr mit Luft, Wasser und Boden reagiere, demzufolge also auch nicht ausgewaschen werde.

Die UBU hat auf die Antworten der Stadt bisher nicht mehr reagiert – und wird dies, wie deren Fraktionsmitglied Wolfgang Daiber erklärt, auch nicht mehr tun. „Als Privatperson halte ich meine Verwaltungsklage gegen den Kunstrasenplatz natürlich aufrecht“, betont der Landwirt. „Wenn da 80 Tonnen Altreifen und 7000 Liter Klebstoff verbaut sind und obendrauf nochmals Kunststoffgranulat kommt, dann kann mir niemand weismachen, dass davon nichts auf meinen angrenzenden Feldern landet.“ Wann der Verwaltungsgerichtshof Mannheim in der Angelegenheit entscheidet, ist offen.

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