Chris Coltsman ist aus Aachen mit seinem Hund Lucky Luke angereist. Foto:  

Auf einem Parkplatz gleich neben der Seifenfabrik von Haka in Waldenbuch können neuerdings Übernachtungsgäste mit ihren Wohnmobilen und Wohnwagen Station machen. Es ist allerdings gar nicht so leicht, herauszufinden, wer dieses Angebot nutzt.

Waldenbuch - Seit Oktober 2018 bietet die Schönbuchstadt Waldenbuch neue Übernachtungsmöglichkeiten für Wohnmobile. Auf dem Wanderparkplatz am Eingang zur Glashütte wurden drei befestige Standplätze geschaffen, die Außenflächen neu gestaltet, Mülleimer aufgehängt und Hinweisschilder angebracht. Die Kosten von 15 000 Euro haben sich die Stadt und die Region Stuttgart im Rahmen eines regionalen Tourismusprojekts geteilt. Doch obwohl die Ferien in vielen Bundesländern schon begonnen hatten, war das Interesse bisher verhalten.

Der Platz werde recht oft angesteuert – echt?

„Wir sind zufrieden“, sagt der Waldenbucher Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr optimistisch. Die Schokoladenfabrik, die beiden Museen, der Schönbuch mit dem neuen Premiumwanderweg – vor allem im Sommer würden die Besucherzahlen in der Stadt steigen. Was das neue Domizil für Wohnmobile betrifft, gibt es zwar keine verlässlichen Zahlen. Doch Ralph Hintersehr hat ein gutes Gefühl: „Der Platz wird schon relativ häufig frequentiert.“

Tatsächlich? Wer sich aufmacht, um am bewegungsaktiven Spielplatz mit den motorisierten Übernachtungsgästen ins Gespräch zu kommen, muss im Moment noch mehrere Anläufe nehmen, bis er auf einen Camper stößt, der in Waldenbuch Station macht. Erst beim vierten Versuch steht ein weißer Wohnwagen im Schatten der Hecke. Yvonne und Chris Coltsman aus Aachen sind am Vorabend angekommen. Die Kinder seien bei Freunden, und deshalb hat das Ehepaar Zeit, um über seine Eindrücke zu plaudern. „Die Nacht war ruhig. Wir haben gut geschlafen, obwohl die Straße durchs Aichtal nicht weit entfernt ist. Auch unser Hund Lucky Luke war entspannt“, erzählt Yvonne Coltmann.

Sie besuchen Freunde in der Glashütte

Vom neuen Wohnmobilstellplatz im Aichtal hatten sie aus der Mitglieder-Zeitung des Deutschen Camping Clubs (DCC) erfahren. „Wir haben früher in der Glashütte gewohnt und besuchen Freunde“, berichtet Chris Coltsman. Dort hat sich die Familie mit Wasser eingedeckt, denn eine Ver- und Entsorgungsstation oder einen Stromanschluss gibt es in Waldenbuch nicht. Die Aufenthaltsdauer ist auf drei Nächte beschränkt. Sonst hätte die Stadt bauliche Anlagen schaffen müssen und die Kosten wären deutlich höher ausgefallen. Zwei Übernachtungen hat die Familie auf dem Wanderparkplatz eingeplant, dann geht es ins Legoland und an den Waginger See in Oberbayern. Die weitere Reiseplanung sieht komfortablere Quartiere mit Sanitäreinrichtungen vor. „Das mag für Leute mit Wohnmobil einfacher sein, aber mit dem Wohnwagen können wir hier nur stehen, weil unsere Freunde gleich nebenan wohnen“, sagt Chris Coltmann.

Einige Tage später kann man bei Chantal und Detelf Jakel erfahren, wie die Reisemobilisten die Übernachtungsmöglichkeit in Waldenbuch bewerten. „Das ist ein Einfachst-Stellplatz, aber wir haben ja alles dabei“, sagt Detlef Jakel. Das Ehepaar wohnt in Backnang und hat den Stellplatz über eine App ausfindig gemacht. „Wir sind jedes Wochenende mit dem Camper unterwegs. Wir wandern gern. Das tut uns gut und hält uns fit“, erzählt Jakel.

Wird der Stellplatz doch noch zum Magneten?

Nach Waldenbuch werde man wohl noch öfter zurückkehren, denn Detlef Jakel hat gespürt, dass hier noch eine Aufgabe auf ihn wartet. Vor dem Ruhestand war er als Rutengänger und Heiler selbstständig. Jetzt will er der Natur etwas zurückgeben. „Ich mache Landschaftsheilung“, verrät er bei einem kurzen Gespräch am Frühstückstisch. Gern erklärt er, was sich dahinter verbirgt: „Ich spüre Orte, die negative Energie ausstrahlen, weil dort zum Beispiel in früherer Zeit einmal etwas Schlimmes passiert ist. Diese Kraftströme und Kraftlinien versuche ich positiv zu verändern.“

Ob der neue Wohnmobil-Stellplatz in Waldenbuch zu einem Ort mit magischer Anziehungskraft auf Reisende werden kann, bleibt zwar weiterhin offen. Aber so viel steht fest: Man trifft dort spannende Menschen, und wenn es der Gemeinde gelingt, dass bei der Stellplatzsuche in Internet-Portalen wie stellplatzfuehrer.de, stellplatz.info, meinwomo.net oder mobilisten.de nicht länger für den behelfsmäßigen und völlig spaßbefreiten ehemaligen Wohnmobil-Stellplatz der Kommune auf einem Großparkplatz beim Hakawerk geworben wird, könnte es mit den Besucherzahlen doch noch nach oben gehen.

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