Ein Jugendtrainer soll sich an seinen Schützlingen vergangen haben. Foto: Caro

Weil er sich an Kindern vergangen hat, ist gegen einen 19-Jährigen aus Remseck eine Freiheitsstrafe verhängt worden. In Teilen wurde der Angeklagte allerdings auch freigesprochen.

Remseck - Wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen, des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen, des Besitzes von Jugendpornos und wegen Nötigung hat das Stuttgarter Landgericht am Freitag einen 19-jährigen ehemaligen Fußballtrainer aus Remseck zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Von anderen Teilen der Anklage wurde der junge Mann hingegen freigesprochen. Welche das sind, will das Landgericht ebenso wenig preisgeben wie die Gründe, die zu dem Schuldspruch geführt haben.

Als Argument dafür gibt das Gericht das Alter des Verurteilten an. Der gesamte Prozess gegen den Ex-Trainer verlief unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weil die Richter der 2. Jugendstrafkammer dies „im Interesse des Heranwachsenden für geboten“ hielten. Der junge Mann ist zwar volljährig, aber unter 21 Jahre alt – für ihn gilt deshalb ein besonderer Schutz, was die Öffentlichkeit des Verfahrens angeht.

Der 19-Jährige muss ins Gefängnis

Im Wesentlichen hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft dem Remsecker vorgeworfen, im Dezember 2017, im Frühjahr 2018 und im vergangenen Sommer an zwei damals 13- und 14 Jahre alten Jungen „sexuelle Handlungen“ vorgenommen zu haben. Im Gegenzug soll er ihnen „Geldleistungen und andere Vorteile“ versprochen haben, wie es in der Anklage heißt.

Nach gesicherten Informationen unserer Zeitung hat der 19-Jährige in zumindest einem Fall einem Jungen per Chat-Nachrichten eine mittlere vierstellige Summe versprochen, um ihn damit zum Geschlechtsverkehr zu überreden. Offenkundig haben die Richter in dem Prozess auch massive körperlichen Misshandlungen durch den Angeklagten festgestellt – laut Strafgesetzbuch ist der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern „mit dem Eindringen in den Körper verbunden“.

Begonnen hatte die Arbeit der Ludwigsburger Kriminalpolizei, weil sich die Eltern eines 14-Jährigen Ende Juli bei der Polizei meldeten und erklärten, der 19-Jährige habe ihrem Sohn über Handynachrichten sexuelle Angebote gemacht. Während der Ermittlungen stellte sich heraus, dass solche Nachrichten auch an andere Schützlinge des Ex-Trainers gegangen waren.

Endeutige Chat-Nachrichten verschickt

So klagte die Staatsanwaltschaft ursprünglich sieben Taten an, sechs davon sollen zwischen Dezember 2017 und Juli vergangenen Jahres passiert sein, eine bereits 2015. Fünf Kinder und Jugendliche seien Opfer des 19-Jährigen geworden, vier von ihnen trainierte er in den Sportvereinen in Remseck.

Kurz nach Beginn der Ermittlungen durchsuchte die Polizei die Wohnung des jungen Mannes, sie stellte dabei Datenträger sicher. Ende August wurde er dann verhaftet und saß bis zum Prozessbeginn vor dem Landgericht Ende Februar in Untersuchungshaft.

Vereine haben Konsequenzen gezogen

Der Fall hat in Remseck viel Bestürzung ausgelöst, vor allem im Stadtteil Pattonville. Unter anderem dort war der 19-Jährige als Trainer von Jugendfußballmannschaften aktiv, insgesamt betreute er bei drei verschiedenen Klubs mehrere Jugendteams. Zudem absolvierte er 2017 ein Freiwilliges Soziales Jahr in mehreren Rems-ecker Grundschulen. Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe erteilten die Vereine dem jungen Mann Hausverbot und schlossen ihn aus allen Aktivitäten aus. In einer Erklärung hieß es, man bedauere die Vorfälle „außerordentlich“.

Als Konsequenz haben die Klubs einen Ehrenkodex verabschiedet, zudem wollen sie sich künftig das polizeiliche Führungszeugnis von neuen Trainern einholen. Das hatte man auch im Fall des 19-Jährigen getan, erklärte einer der Vorsitzenden – es enthielt damals aber keinen Eintrag.

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