Udo Will am Schlagzeug. Foto: factum/Bach

Udo will ist neuer Leiter der Jugendmusikschule in Gerlingen. Der 50-jährige Musikpädagoge mit dem Schwerpunkt Schlagzeug hat bislang an der Musikschule Ostfildern unterrichtet.

Gerlingen - Ein rascher Übergang vom „Sie“ zum „Du“ muss nichts über die Qualität einer Beziehung zwischen Kollegen aussagen. Doch in diesem Fall scheinen es der Leiter und sein Nachfolger wirklich gut miteinander zu können. „Udo, hast du noch geschwind Zeit?“, ruft Hans Heinrich Hartmann aus seinem Büro in der Gerlinger Jugendmusikschule. „Ja, kein Problem“, antwortet Udo Will und stoppt mitten im Lauf. Zwischen Tür und Angel tauschen sich die beiden geschwind aus: Darüber, wo diese und jene Papiere liegen. Darüber, dass ein Kollege noch über dies und das informiert werden sollte. Es ist kein höfliches und umständliches Abtasten – sondern bereits ein vertrautes Miteinander.

Schwerpunkt: Schlagzeug und Komposition

Am heutigen Donnerstag übergibt Hans Heinrich Hartmann seine Stelle als Leiter der Jugendmusikschule an Udo Will. Morgen hat der 50-jährige Musikpädagoge dann seinen ersten offiziellen Arbeitstag in Gerlingen. Die Betonung liegt auf offiziell. Denn bereits seit einiger Zeit nimmt Udo Will, der im Stuttgarter Stadtteil Luginsland mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt, immer morgens die Stadtbahn, um nach Gerlingen zu fahren. Zum Einarbeiten. Nachmittags arbeitet Will an seiner alten Arbeitsstelle, der städtischen Musikschule Ostfildern. Dort ist es gerade an ihm, seine Nachfolger einzuarbeiten. Wills Schwerpunkt: Schlagzeug und Komposition.

Kann er, der den Takt im Blut hat, ihn auch gut angeben? „Ja“, findet Udo Will. Denn zum einen gebe es inzwischen immer mehr Schlagzeuglehrer, die Musikschulen leiten. Das hat Will just auf seinem Ausbildungslehrgang zum Musikschulleiter festgestellt. „Da waren einige Schlagzeuger dabei.“ Zum anderen reizt es ihn, nach vielen Jahren als Lehrer nun auch zu gestalten. Er sei in Ostfildern sehr zufrieden gewesen, sagt Will. In den 25 Jahren, die er dort unterrichtet hat, habe er sich viele Freiräume erarbeitet. Das sei ihm auch in einer kommunalen Musikschule möglich gewesen, betont er. „Obwohl ich schon merke, dass hier an der Gerlinger Schule, die als Verein geführt wird, in manchem mehr Zug drin ist.“

„Im Jubiläumsjahr ist nicht die Vision gefragt“

Allerdings: „Im Jubiläumsjahr ist nicht die Vision gefragt“, sagt Will. Er werde dafür sorgen, dass das Programm umgesetzt wird, das sein Vorgänger vorbereitet hat. Zudem habe er inzwischen feststellen können, dass Hartmann ihm ein bestelltes Haus hinterlasse. „Die Musikschule steht gut da, wir sind personell gut aufgestellt, und die Beziehung zur Stadt ist sehr gut“, lobt Will. Eine strategische Diskussion wolle er nicht vor dem Ablauf seines ersten Arbeitsjahres beginnen.

Im Gespräch gibt sich Udo Will freundlich, aber zurückhaltend. Fragen beantwortet er nicht ausschweifend, sondern präzise und knapp. Leiten wolle er, aber in keinem Fall den Kontakt zur Basis verlieren. Aktuell sehe sein Vertrag vier Stunden Unterricht in der Woche vor. „Ich will an der Breitwiesenschule eine Percussion-AG machen. Es ist notwendig, einen Fuß in der Realität zu halten.“

Auch das Thema Ganztagsschule steht auf der Agenda

Auch das Thema Ganztagsschule steht auf seiner Agenda. „Da tut die Jugendmusikschule Gerlingen bereits viel.“ Aber wenn die Musikschule weiterhin erfolgreich arbeiten wolle, werde man die Kooperation mit den Schulen weiter intensivieren müssen.

Weiterhin will Udo Will Seminare an der Musikhochschule Stuttgart geben. Dort bildet er Musiklehrer aus. Auch seine Samba-Percussion-Gruppe Repicando will er unverändert leiten. Zeit für seine Familie und fürs Französisch-Lernen soll bei alldem auch noch bleiben. Doch wer den Takt angeben kann, der ist vielleicht auch gut im Takten von Terminen.

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