Leistungsträger bei den VfB-Junioren: Antonis Aidonis Foto: Baumann

Die U-19-Junioren des VfB Stuttgart stehen vor einem historischen Erfolg – sie können DFB-Pokalsieger und deutscher Meister werden. Doch wie geht es danach im Unterbau weiter?

Stuttgart - Nico Willig hat in den heißen Tagen der Relegation ja genug um die Ohren – der Interimstrainer des VfB aber, das ist klar, verliert seine eigentlichen Jungs auch rund um die Profiduelle gegen Union Berlin nicht aus den Augen. Seine Jungs, das sind die U-19-Junioren des VfB, die er bis zu seinem Amtsantritt in der Bundesliga am 21. April betreute und in die Erfolgsspur brachte. Vollenden kann Willigs Werk nun der bisherige Co-Trainer Daniel Teufel – für den der große Wurf drin ist. Am Montag zog das VfB-Team durch einen Erfolg beim VfL Wolfsburg ins Finale um die deutsche Meisterschaft gegen Borussia Dortmund ein (2. Juni in Großaspach). Und an diesem Freitag schon ist der erste Titelgewinn möglich.

In Babelsberg steigt das DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig (20.15 Uhr/Sport 1) – und Willig wird wie zuletzt schon wieder ordentlich mitfiebern. Gegen Wolfsburg, sagte er, hätten im Trainerbüro mit Blick auf den Fernseher schon die Wände gewackelt: „Die Mannschaft hat einen herausragenden Charakter – und ist selbst in einem Halbfinale gegen eine Top-Mannschaft wie Wolfsburg dominant aufgetreten.“

Alles rosarot also im roten Unterbau? Mitnichten. Die tolle Gegenwart ist ja das eine – der Blick aber geht im Jugendbereich immer weiter nach vorn. Auf die berühmten nächsten Schritte. Und da weiß nicht nur Willig um die Gegebenheiten und Probleme von der nächsten Saison an. Dann also, wenn es darum geht, all den ambitionierten Jungs, die aus der VfB-Jugend rauskommen, eine angemessene sportliche Perspektive zu bieten.

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Sieben Spieler werden von der U 19 in den Herrenbereich kommen. Vom jüngeren Jahrgang wiederum haben bereits Leon Dajaku und Antonis Aidonis schon einmal in den Profikader hineingeschnuppert. Andere, vor allem aus den älteren Jahrgängen, könnten – das wäre der Idealzustand – zunächst in einem funktionierenden VfB II Fuß fassen. Alle sieben Spieler haben für die nächste Saison bereits einen Vertrag.

Die Oberliga ist zu schwach

Das Problem: Der Unterbau stieg jetzt aus der Regionalliga in die Oberliga ab – eine Liga, die für ambitionierte junge Spieler zu schlecht ist. So deutlich lässt sich das sagen – finden auch Leute, die mit der Materie bestens vertraut sind. Frieder Schrof, langjähriger Nachwuchschef beim VfB und aktuell beim U-19-Finalgegner RB Leipzig für die Jugend verantwortlich, sagt: „Alles, was unterhalb des bezahlten Fußballs ist, also unterhalb der dritten Liga, ist für eine Entwicklung zum Profi-Fußballer nicht sehr hilfreich. Die Ligen darunter, also die Regionalliga oder die Oberliga, dienen zumeist nur zur Weiterbeschäftigung der Talente, die aus der U 19 gekommen sind und den Sprung zu den Profis nicht direkt geschafft haben.“

Dirk Mack wiederum, der Nachwuchschef der TSG Hoffenheim, dessen Sohn Luca übrigens bei der U 19 des VfB am Ball ist, betont in diesem Zusammenhang dies: Es sei elementar wichtig, in einer funktionierenden U 23 in einer ambitionierten Liga den nächsten Schritt zu machen: „Ausnahmetalente wie Timo Werner oder Niklas Süle, die sofort ganz oben durchstarten, sind nicht die Regel“, sagt Mack, „bei uns zum Beispiel haben heutige Profis wie Nadiem Amiri oder Dennis Geiger auch erst den Zwischenschritt in der U 23 eingelegt.“ Wenn die aber erstmal in der Oberliga ranmuss, fehlt das sportliche Niveau. Die Liga ist ein Sprungbrett, bei dem man kaum vom Fleck kommt. Stillstand droht. Die Regionalliga sollte es schon sein. Droht dem VfB nun also der Abgang zahlreicher Talente nach dieser Saison?

Bekenntnis zur Jugend

Fakt ist: Das neue sportliche Führungsduo Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat hat sich die enge Verzahnung von der Jugend zu den Profis auf die Fahnen geschrieben. Und Trainer Nico Willig sagt: „Die Herausforderung für den Verein liegt darin, den Spielern eine Tür zu öffnen, eine Philosophie zu geben, wie er mit ihnen in den kommenden Jahren umgehen will. Diese Philosophie ist viel wichtiger als die Ligazugehörigkeit.“ Auch Michael Gentner, der sportliche Leiter U 15 bis U 21 beim VfB, hat die Hoffnung auf einen Verbleib zahlreicher Junioren noch nicht aufgegeben. Die alltägliche Arbeit im Training in einer schlagkräftigen Truppe sei auch ein Anreiz, sagt er, denn: „Es sind immerhin die ersten erste Berührungspunkte mit dem Herrenfußball.“

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