TVB-Trainer Markus Baur hatte mit seiner Taktik Erfolg. Foto: Baumann

Der TVB Stuttgart hat in der Handball-Bundesliga gegen Gummersbach 23:21 gewonnen. So weit, so gut. Einige Fans kritisierten den Einsatz des siebten Feldspielers. Doch eine genaue Analyse gaben dem Trainer recht.

Stuttgart - Der TVB Stuttgart ist weit von den Europapokal-Plätzen in der Bundesliga entfernt, und doch wehte ein bisschen internationales Flair am Freitagabend durch die Scharrena. Zum einen hatte der Rechtsaußen Bobby Schagen einige niederländische Freunde eingeladen, die auf den 23:21-Sieg gegen Gummersbach anstießen, zum andern war ein Dutzend ­österreichischer Traineranwärter(-innen) schon die ganze Woche in der Vorbereitung und natürlich auch beim Spiel des TVB dabei. Um Erfahrungen zu sammeln – und Analysen zu machen.

In der Nachbereitung des Spiels stach der Expertenrunde vor allem eins ins Auge: der Einsatz des siebten Feldspielers durch Stuttgarts Trainer Markus Baur in der Schlussphase der umkämpften Partie. Was bei jedem Angriffszug vom Publikum mit kritischen Tönen begleitet wurde. Diese Art der taktischen Variante ist seit Saisonbeginn umstritten, hat mehr Gegner als Befürworter. Zu denen zählt auch Baur nicht, „aber ich muss mich ja mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, wenn ich sie habe“.

Kraus in Manndeckung

Erst recht im Abstiegskampf. Und nachdem der TVB in der Anfangsphase (9:3) wie der sichere Sieger aussah, geriet das Spiel dann doch etwas in Stocken. Was vor allem damit zusammenhing, dass Gummersbach den überragenden Spielmacher Michael Kraus in Manndeckung nahm. Recht konsequent von Mitte der ersten Hälfte bis weit in die zweite Hälfte. „Ich wollte Mimi wieder besser ins Spiel bringen“, so Baurs Überlegung. Wobei ein siebter Mann die Manndeckung aufhebt. „Hut ab“, sagt dazu der Trainerausbilder Rolf Brack im Nachklapp – ähnlich sahen es die meisten der Gäste aus Österreich. Brack: „Das war schon eine mutige Entscheidung.“ Die sich ausbezahlt hat, wenn man den Aufzeichnungen der angehenden Trainer glauben darf. Vier Tore aus fünf Versuchen hatten sie notiert; die 80-Prozent-Quote spricht für sich. Auch wenn man nicht vergessen darf, dass der VfL es zweimal nicht schaffte, bei Ballgewinn das leere Tor zu treffen (das gelang lediglich einmal). Wenn der Schuss nach hinten losgegangen wäre, hätte sich Baur was anhören können – nicht nur von den aufgebrachten Fans. Doch der Weltmeister von 2007 zog seine Linie (im Gegensatz zu Gummersbachs Trainerfuchs Hasanefendic, der dieses Mittel gar nicht angewendet hat) konsequent durch, das spricht durchaus für ihn. Er ist kein Mann der halben Sachen, obwohl er weiß: „Manchmal geht es gut, manchmal nicht.“

Acht Spiele stehen noch auf dem Programm. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt sagt: „Wir müssen auch auswärts noch ein oder zwei Siege holen.“ Gelegenheit dazu gibt es jetzt genug, bei vier Auswärtsspielen in Folge, das erste davon in Hannover, das im Jahr 2017 noch kein Spiel gewonnen hat. Das ist Chance und Risiko zugleich.

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