Luis Foege soll dem TVB Stuttgart mittelfristig in der Bundesliga helfen. Foto: Baumann

Ein 17-jähriger Handballer will sich beim TVB Stuttgart in den Bundesligakader schießen. Nicht nur deshalb weist Luis Foege eine interessante Vita auf.

Stuttgart - Mit 17 hat man noch Träume. Auch im Handball. Erst recht wenn man gerade Nationalspieler geworden ist, in der deutschen U 19. Wie Luis Foege. Passend zum Saisonstart hat er beim Bundesligisten TVB Stuttgart seinen ersten Vertrag unterschrieben bis 2022. Das passt, drei Jahre, so lange läuft auch seine Ausbildung am Berufskolleg der Cotta-Schule, die gezielt Talente im Sport fördert. „Das kommt mir entgegen, weil ich so auch mal problemlos zum Training kann.“ Zumal die Schule nur ein paar Minuten von der Scharrena entfernt liegt, in der der TVB zu Hause ist, auch wenn die Mannschaft noch regelmäßig in Bittenfeld trainiert. Den Wurzeln des Vereins.

Wurzeln auf Haiti

Die liegen bei Luis Foege ganz woanders, am anderen Ende der Welt. Auf Haiti. In dem armen Inselstaat wurde er geboren – und zur Adoption freigegeben. So landete er mit neun Monaten in Stuttgart. In Ostfildern ist er groß geworden und hat dort auch mit dem Handball angefangen wie einst Manuel Späth, der aktuelle Kreisläufer des TVB. Klassenkameraden haben ihn schon in der Grundschule animiert, zur HSG zu gehen, in der B-Jugend landete er dann beim TVB und Trainer Michael Schweikardt, dem langjährigen Spielmacher, der seine aktive Karriere nun beendet hat.

Förderer Michael Schweikardt

„Er hat mich von Beginn an gefördert“, sagt Foege. „Dass er Talent hat, wussten wir schon“, sagt jetzt auch der Bruder des Mentors und TVB-Trainer Jürgen Schweikardt, „aber dass er sich so super entwickelt, war nicht unbedingt vorauszusehen. Er hat in den letzten anderthalb Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht.“ Davor hat er noch in der Jugend-Bezirksliga gespielt, im Vorjahr dann schon um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft (als B-Jugendlicher). „Für sein Alter hat er einen Riesenwurf“, schwärmt Schweikardt. Und auch der Spieler selbst sagt selbstbewusst: „Ich habe schon einen ganz ordentlichen Bums und auch verschiedene Varianten drauf, aber das will ich jetzt noch perfektionieren.“ Neben den regulären Trainingseinheiten lässt er keine Gelegenheit aus zu üben. Wenn es sein muss, auch im eigenen Garten. Von nichts kommt nichts.

Debüt im U-19-Nationalteam

Seine Veranlagung jedenfalls hat sich schnell rumgesprochen. An Ostern hat er sein Debüt in der deutsche U-19-Nationalmannschaft gegeben, nachdem er sich über das Stützpunkttraining in Baden-Württemberg bei den Bundestrainern Erik Wudtke und Alex Koke empfehlen konnte. Aktuell steht er im erweiterten Kader für die U-19-WM im August in Mazedonien.

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Wenn es mit der WM nicht klappt, bekäme Luis Foege zumindest beim TVB genügend Spielzeit in der Vorbereitung. Just auf seiner Position im rechten Rückraum kurieren die Stammkräfte David Schmidt und Robert Markotic noch Verletzungen aus, so dass Foeges Stunde schneller als erwartet schlagen könnte.

Vor 6000 Zuschauer gegen Flensburg

Zu Kurzeinsätzen in der Bundesliga hat es schon gereicht, als jüngster Spieler der Saison. „Etwa fünf Minuten“, sagt Foege mit einem breiten Lächeln. Bei Hannover-Burgdorf kam er erstmals zum Einsatz, der Höhepunkt aber war die Einwechslung am 23. Mai in der Schlussphase gegen den Meister SG Flensburg-Handewitt in der Porsche-Arena vor rund 6000 Zuschauern. „Das ist natürlich ein ganz besonderes Gefühl.“ Auch wenn er schnell erkannt hat: Zwischen A-Jugend und erster Liga liegen Welten. Die aber nicht unüberwindbar sind, sie müssen nur schrittweise angegangen werden. „Er soll immer mal wieder bei uns reinschnuppern“, sagt Jürgen Schweikardt, „dann sehen wir, wie er sich entwickelt.“ Ansonsten spielt er in der A-Jugend.

Vorbild Nedim Remili

Wer weiß, vielleicht findet der jüngere Bruder auch noch Gefallen am Handball. Auch er ist ein Adoptivkind, aus Kolumbien. Und weil die Mama Deutsche, der Vater aber Argentinier ist, wurde zu Hause oft auch Spanisch gesprochen. „Verstehen tue ich ganz gut“, sagt Foege. Was schon mal ein Grundlage wäre für eine Karriere beim spanischen Vorzeigeclub FC Barcelona. Foege lacht – und rümpft ein wenig die Nase. „Mein Traum wäre eher Paris.“ Beim dortigen Topclub spielt auch sein Vorbild Nedim Remili. „Er hat sich mit 22 Jahren in so einer Weltauswahl durchgesetzt, das verdient Respekt.“

Marktplatzturnier ohne TVB Stuttgart

Dem TVB Stuttgart passt das Esslinger Marktplatzturnier dieses Jahr nicht in den Vorbereitungsplan, dennoch bietet das Spektakel reichlich Attraktionen. „Wir sind stolz auf unser Teilnehmerfeld“, sagt Cheforganisator Thilo Huber. So kommt die MT Melsungen mit den Nationalspielern Julius Kühn, Finn Lemke, Tobias Reichmann und Kai Häfner. Erneut mit von der Partie ist auch Frisch Auf Göppingen. „Wir freuen uns, dass wir uns in der Region präsentieren können“, erklärt der Sportliche Leiter Christian Schöne.

Etwas ganz besonderes ist das Turnier für Nicolai Theilinger. Der Linkshänder wechselte vom HC Erlangen zu Frisch Auf – und trifft gleich am Freitag (19.30 Uhr) in Altbach auf seinen Ex-Club. Zwei weitere Partien gehen ebenfalls am Freitag über die Bühne. Der TBV Lemgo Lippe und Zweitligist SG BBM Bietigheim stehen sich in Mundelsheim gegenüber (20 Uhr), zur gleichen Zeit steht die Partie MT Melsungen gegen Kadetten Schaffhausen in Neckartenzlingen an. Am Samstag geht es dann ab 11.15 Uhr vor historischer Fachwerkkulisse auf dem Esslinger Marktplatz weiter. Das letzte Männerprofispiel findet um 16.15 Uhr statt.

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