Familienvater Kurt (Michael Gwisdek) und Carla (Natalia Wörner) sind schon lange ein ehebrechendes Liebespaar. Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Die vermeintliche ZDF-Komödie „So einfach stirbt man nicht“ ist vor allem ein sehenswertes Drama. Michael Gwisdek spielt einen Familienvater, um den herum es kriselt.

Stuttgart - Alles beginnt mit einem Herzinfarkt, es sieht nicht gut aus für Familienvater Kurt Lehmann (Michael Gwisdek). Und weil Ehefrau Renate (Michaela May) den Gatten im Sterben wähnt, legt sie noch rasch ein Geständnis ab: Tochter Rebecca ist von einem anderen. Der Titel „So einfach stirbt man nicht“ klingt nach Komödie, und in der Tat hätte sich aus der Handlung auch ein munteres Lustspiel machen lassen. Das verschobene Ableben von Kurt sorgt dafür, dass die potenziellen Hinterbliebenen endlich ihre Masken fallen lassen.

Geschichte mit Trauerflor

Aber der Gefällte kommt wieder zu sich, verlässt das Krankenhaus, nutzt die unverhoffte Bonuszeit, um sein Vermächtnis zu regeln, und investiert das gebunkerte Schwarzgeld, immerhin eine Million Euro, in einen Olivenhain. Die Geschichte spielt auf Mallorca, die Plantage ist ein Abschiedsgeschenk für seine Geliebte (Natalia Wörner). Renate und die erwachsenen Töchter (Sandra Borgmann, Ursula Karven, Anja Schiffel) sind entsetzt, die Gattin verkündet, sie wolle sich nach 46 Ehejahren scheiden lassen, und Rebecca muss damit klarkommen, dass der schmucke Banker (Max Hemmersdorfer), in den sie sich verliebt hat, ihr Halbbruder ist.

Das ZDF bezeichnet den Film als „turbulente Familienkomödie“ und weckt auf diese Weise Erwartungen, denen die Autorin und Regisseurin Maria von Heland gar nicht gerecht werden will, selbst wenn der Film ein bisschen Slapstick und witzige Wortduelle zu bieten hat. Die Mallorca-Bilder sind teilweise sehr schön anzuschauen, aber die Geschichte trägt einen deutlichen Trauerflor.

Gier aufs Erbe

Heland hat sich dieser Strategie bereits in „Eltern und andere Wahrheiten“ (2017) bedient. Dort behielt sie den leichten Tonfall lange bei, „So einfach stirbt man nicht“ ist jedoch von Anfang an ein Drama, auch wenn die schöne Musik (Florian Tessloff) etwas anderes signalisiert. Bei den Gesprächen der eigens angereisten Schwestern zum Beispiel werden diverse alte Rechnungen beglichen. Angeblich geht’s allen gut, aber bald stellt sich heraus, dass es mit dem vermeintlichen Glück nicht weit her ist. Die Älteste zum Beispiel, Lotte (Karven), lebt in Scheidung und braucht Geld; ihre unverhohlene Aussicht auf ein stattliches Erbe macht sie nicht unbedingt sympathisch.

Diese Doppelbödigkeit gilt auch für die zentrale Rolle. Michael Gwisdek gehört zu den Schauspielern, deren Arbeit nie nach Arbeit aussieht. Er ist ein begnadeter Komödiant, aber kein plumper Komiker. Ihm genügen Nuancen, um die Gefühlswelten seiner Figuren zu vermitteln. Ihm gelingt es, Kurt mit einer tragischen Note zu versehen, zumal dem der Arzt (René Ifrah) versichert, sein Überleben komme einem Wunder gleich, der nächste Herzinfarkt sei nur eine Frage der Zeit.

Jesus auf dem Sozius

Dass „So einfach stirbt man nicht“ trotz der potenziellen Bitterkeit immer wieder heitere Momente zu bieten hat, liegt vor allem an den beiden jüngsten Mitwirkenden. Rebecca (Borgmann) hat ein „Findelkind“ mitgebracht, was zu der ungewöhnlichen Konstellation führt, dass Kurt großväterliche Gefühle für den Jungen entwickelt, obwohl Jonas (Jude West) selbst dann nicht sein Enkel wäre, wenn Rebecca ihn zur Welt gebracht hätte. Witzig sind auch die gut gespielten Nebenszenen, die sich von Heland für die Tochter von Steffi (Schiffel) ausgedacht hat.

Ähnlich wie ihre beiden Tanten – Lotte verguckt sich in den Arzt – entwickelt auch die kräftig pubertierende und entsprechend schwierige Jule (Laetitia Adrian) Gefühle für einen Einheimischen, der den christlichsten aller Namen trägt. Deshalb kommt sie bei einem gemeinsamen Mopedunfall vergleichsweise glimpflich davon, schließlich saß Jesus auf dem Sozius. Den schönsten Satz des Films sagt Rebecca gegen Ende: „Familie soll sein, was immer bleibt.“ Aber Heland fügt dann noch einen Epilog an, der den Titel endgültig widerlegt.

ZDF, Donnerstag, 29. August, 20.15 Uhr

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