Heino bleibt auch mit 80 Jahren noch sofort erkennbar. Er ist eine Marke für sich. Foto: ZDF

Ungebrochen populär und oft verhöhnt: Am 13. Dezember 2018 wird Heino 80 Jahre alt. Vorab zeigt das ZDF ein erfrischend faires Porträt.

Stuttgart - „Du kannst ihn verkleiden, wie Du willst“, sagt der Plattenproduzent Martin Ernst über den Mann, der zuvor schon als der „bekannteste Deutsche“ tituliert wurde, „das ist einfach immer Heino“. Womit er zum Auftakt des 45-minütigen Porträts „Mensch Heino! Der Sänger und die Deutschen“ zweifellos richtig liegt. Bloß sehen das die einen eben als größte Qualität des Schlagerstars, der am 13. Dezember 80 Jahre alt wird, als grundehrliche Einheit von Image und Mensch, die anderen als schlimmstes Manko.

„Heino sieht aus wie kein anderer Sänger“, erklärt Sebastian Zabel, der Chefredakteur der deutschen Ausgabe des „Rolling Stone“, einer blinder Heino-Begeisterung unverdächtigen Publikation, „ein bisschen wie eine Comicfigur. Er ist in allem übersteigert: Er ist blonder als man normalerweise blond ist, er hat eine Sonnenbrille, durch die man überhaupt nicht mehr durchgucken kann“. Und wie der Filmautor Jörg Müllner im Anschluss richtig anmerkt: „Das macht ihn auch zur Zielscheibe von beißendem Spott.“

Erinnerung an andere Zeiten

Ein wenig Spott findet sich auch in „Mensch Heino!“, eher aber: ironische Skepsis. Nichts jedoch vom bösen Hohn, mit dem dieser von Wanderliederbuch und Schlagerfabrik gleichermaßen gespeiste Hitlieferant oft konfrontiert war. Meist nimmt dieses Porträt seinen Titel ernst, will den Menschen Heino zeigen und keinesfalls seine Mitklatschlieder veräppeln oder gar die Milieus, in denen sie gut ankommen. Das ist angenehm und erfrischend.

Heino wird in den Sechzigern populär, als Rockmusik die Jugendkultur umkrempelt. Er wird zum Anker der Unhippen und der „Elterngeneration“, wie man vergröbernd sagt. Dass seine Lieder die musikalische Sozialisation vieler Deutscher in der Wandervogelbewegung und auch Hitlerjugend ansprachen, stellt Müllner erst mal ohne Anklage fest. Wie der Historiker Ingo Grabowsky zu bedenken gibt, ist bei vielen Heino-Fans damals eine Nostalgie am Werk, die man nicht mit politischen Sympathien gleichsetzen sollte. Die eigene Jugend wird, unabhängig von ihren gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, von den meisten Menschen sehnsuchtsvoll erinnert.

Ein Zeichen der Versöhnung

Man kann ohne viel Deutungsartistik einen Schritt weiter gehen als Müllner. Heino wurde damals zum Symbol dafür, dass nicht die ganze Welt auf den Kopf gestellt, nicht alles Vertraute abgeschafft würde. Der von seinem Manager an ein neues Publikum herangeführte heutige Heino, der Rock- und Popsongs mit dem gewohnten Feldartilleriebariton ins Mikrofon wuchtet, liefert ein doppeltes Versöhnungszeichen. Eine ältere Generation bekommt den Trost, sie sei keinesfalls völlig abgehängt. Und die in ihrer Jugendlichkeit von der Werbung ständig kultisch gefeierten Jungen dürfen das Gefühl genießen, die Welt der Alten sei nicht bloß eine Zone der unvorstellbaren Andersartigkeit.

Dass Heino keine Berührängste hat, schafft auch Probleme. Schon zu Zeiten des Apartheidregimes ist der Sänger in Südafrika aufgetreten. In den zum ehemaligen deutschen Kolonialreich gehörenden Regionen ist er bei Nachkommen von Auswanderern und frisch umgesiedelten Deutschen beliebt. Das dortige „Südwesterlied“ singt er gerne – auch wenn Kritiker sich darauf stürzen, die Melodie sei im Dritten Reich die des „Panzerlieds“ gewesen. Dass sie bereits zuvor anderen Texten als Grundlage diente, wird auch von Müllner der Einfachheit halber unterschlagen.

Keine Gedanken gemacht

Einmal sagt Heino, um solche Problematiken habe er sich „keine Gedanken gemacht“. Man glaubt es dem ehemaligen Konditorlehrling aus Düsseldorf. Er ist wohl so konzentriert darauf, die erfolgreiche Figur Heino durch und durch zu sein statt sie zu spielen, dass er vieles andere ausblendet. Das liefert ihn als Projektionsfläche auch Ultrakonservativen aus. Nach diesem Film hält man tatsächlich für möglich, dass Heino das kaum wahrnimmt. Und sei es nur, weil er denkt, dass die drei Minuten Glück, die er seinen Fans pro Lied liefert, größer seien als alle Politik.

Ausstrahlung: ZDF, 11. Dezember 2018, 20.15 Uhr. Bereits ab dem Morgen des Ausstrahlungstages in der ZDF-Mediathek.

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