Uneins über das Lebensende: der kranke Vater Theodor (Michael Wittenborn) und der schockierte Sohn Karsten (Fabian Hinrichs, li.) Foto: ZDF/Anne Bolick

Die Tragikomödie „Irgendwann ist auch mal gut“ im ZDF erzählt sehr erheiternd von richtig e rnsten Dingen. „Tatort“-Kommissar Fabian Hinrichs spielt einen Bestatter, dessen Eltern Selbstmord begehen wollen.

Stuttgart - Theodor hat Parkinson. Er hat die Krankheit satt. Und einen Plan: Freitod, bevor alles noch viel schlimmer wird. Theodors Stiefsohn Karsten (Fabian Hinrichs), ein korrekter, manchmal etwas hölzerner Bestatter, erfährt davon, als es alle anderen schon wissen, als auf Möbeln, Küchengeräten und Schnickschnack längst bunte Punkte kleben, um zu ordnen, wer was erben soll.

Der noch größere Schock folgt augenblicklich: Karstens Mutter Marion (Franziska Walser) will ihren Mann nicht alleine in den Tod gehen lassen. Karsten könnte nicht fassungsloser sein, wenn einer seiner Klienten aus dem Sarg heraus nach einem weicheren Kissen verlangen würde. Theodor (Michael Wittenborn) aber findet den Plan vernünftig und öffnet Karsten historische Horizonte: „Die Pharaonen in Ägypten, die haben auch ihre Ehefrauen mit ins Grab gekriegt.“

Melancholie und Humor

Christian Werners Spielfilm „Irgendwann ist auch mal gut“ geht große Themen – den Souveränitätsverlust im Alter, das selbstbestimmte Sterben, den Zwiespalt der Kinder zwischen mangelnder Fürsorge und entmündigender Gängelei – mit staunenswerter Leichtigkeit an. Melancholie, schwarzer Humor, Slapstick und hellsichtige Problemerfassung greifen ineinander, ohne dass es zu Stimmungsschwankungen und Brüchen kommt.

Michael Wittenborn gibt als Theodor mit Tattern und Sprücheklopfen fast eine Loriot-Figur ab, Franziska Walser könnte mit der Unentschiedenheit ihrer Marion zwischen Entschlossenheit und leisem Bewusstsein einer Alternative in jedem Intensivdrama bestehen. Beide Figuren und Ebenen harmonieren aber wunderbar.

Mülltonnen als Symbol

Der Drehbuchautor Daniel Bickermann hat begriffen, dass gerade das extrem Dramatische und vor allem eine Häufung von Problemen und Widerständen etwas schräg Witziges haben. Schon die großen Stummfilmkomiker wie Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Harold Lloyd haben sich ja nicht auf die Tortenschlachten verlassen, die manchmal in ihren Filmen vorkamen, sondern darauf, dass die Bemühungen von in Not befindlichen Menschen ulkig sein können. Wenn für den Zuschauer der solidarische Blickwinkel gewählt wird: In dieser Patsche könnten auch wir stecken.

An Karstens Leichenwagen, mit dem er mal um mal zu den Eltern braust, um Schlimmstes zu verhüten, fällt eine Kleinigkeit nach der anderen aus. Und der eigentlich umsichtige Mann knallt nun mal vorsätzlich, mal versehentlich, mal gar unbemerkt in Mülltonnen, Abfalleimer und Sperrmüll. Diese Sichtbarmachung von ungreifbaren Hindernissen und wachsendem Kontrollverlust mag banal klingen, wird von Regisseur Christian Werner aber mit sicherer Hand zum philosophischen Kommentar gemacht. Fabian Hinrichs schließlich, als „Tatort“-Kommissar aus Franken bekannt, perfektioniert seine Mischung aus dem Sperrholzspröden und dem Nesthäkchenweichen. Wie der scheidungstraumatisierte Karsten nebenbei eine neue Liebe findet, könnte einen Film für sich abgeben.

Ausstrahlung: ZDF, 23. Juli 2020, 23.15 Uhr. Bereits vorab und bis 13. September 2020 in der Mediathek des Senders abrufbar.

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