Ausschnitt aus einem französischen Schlümpfe-Album Foto: © Peyo/Delporte/Dupius

Die Arte-Reportage „Die Schlümpfe: Grüße vom blauen Planeten“ skizziert ein globales Phänomen. Die kleinen blauen Wichte sind beliebt – in ihrem Ursprungsland Belgien ebenso wie in den USA und China. Und nicht nur bei Kindern.

Stuttgart - Rast die Menschheit mit durchgedrücktem Gaspedal auf ihr selbst verschuldetes Ende zu? Dafür gibt es einige Anzeichen, jedenfalls genug, um sich zu überlegen, was künftige Alien-Archäologen von uns noch finden werden, wenn sie eine menschenleere Erde besuchen. Ein paar Brösel der Wolkenkratzer? Müllnester voller Coffee-to-go-Becher? Ein vom Wind umhergewehtes „Klimawandel ist Wichtelwahn“-Plakat in jener dann ausgetrockneten Glutwüste, die einmal die Arktis war? Kaum ein Platz ist sicher reserviert auf dieser Liste, bis auf einen: Mindestens eine Schlumpffigur werden die Aliens aus dem Erdboden scharren. „Oh“, werden sie dann denken, „so sahen die Erdbewohner also aus.“

Denn erstens sind seit Jahrzehnten Millionen dieser Schlumpffiguren unterwegs, und nicht wenige davon sind bei Familienausflügen aus Kinderhand ins Freie entkommen. Zum anderen gibt es jede Menge erwachsener Sammler, die solche Figuren in Vitrinen hüten. Kein Museum könnte sorgfältiger mit seinen Exponaten umgehen als die Besessensten der Schlumpffreunde mit ihren handbemalten Gummifigürchen von Schleich.

Ordnung und Chaos

Die einstündige Arte-Reportage „Die Schlümpfe: Grüße vom blauen Planeten“ versucht, Ausmaß und Ursachen dieses schönen Phänomens zu vermitteln, platzt dabei aber aus allen Nähten. Was nicht weiter schlimm ist: Auch im Schlumpf­dorf der Comics, der Zeichentrickserien und der Kinofilme liegen Ordnung und Chaos in stetem Clinch miteinander. Der ­Regisseur Jean-Marc Panis wird jeden­falls vielen Zuschauern die nützliche Idee ­eingeben, doch mal wieder die Comics zur Hand zu nehmen, mit denen alles begann.

Als der belgische Comicmacher Peyo alias Pierre Culliford die Schlümpfe En­de der 50er Jahre erfand, hatte er keinen Merchandising-Coup im Sinn. Die kleinen blauen Wichtel waren Nebenfiguren in Peyos Comicreihe „Johann und Pfiffikus“, gedacht für einen einmaligen Auftritt. Peyo musste von außen gedrängt werden, mehr von diesen im Original Schtroumpfs genannten Kerlchen zu erzählen.

Dem Charme erlegen

Zunächst wollte er nicht recht und war froh, wenn er andere mit Schlumpfzeichnungen beauftragen konnte. Aber auch diese anderen Zeichner erlagen dem Charme der Figuren. Und irgendwann verfiel Peyo dann ins andere Extrem: Er versuchte, über jedes Detail der ausufernden Vermarktung der Schlümpfe die Kontrolle zu behalten. Mancher aus seinem Umfeld ist der Meinung, das habe nicht unwesentlich zu seinem frühen Tod – er starb 1992 mit 64 Jahren – beigetragen.

Panis spricht mit Comiczeichnern, Popkulturexperten, der Tochter Peyos und dem Synchronsprecher des großen Schlumpfs: Neben Anekdoten gibt es so auch ganz unterschiedliche Erklärungsversuche, was die Schlümpfe so anziehend für Jung und Alt macht. Auch Kontroverses wird nicht ausgespart: vor allem die Frage, ob Schlumpfinchen das Produkt böser Frauenverachtung ist. Peyos Frau war damals jedenfalls sehr sauer mit ihm.

Ausstrahlung: Arte, Freitag, 6. September 2019, 22.40 Uhr. Bereits jetzt und bis 4. November 2019 in der Mediathek des Senders abrufbar.

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