Lebens- und Showpartner: Whitney Houston und Bobby Brown Foto: Arsenal

Der Dokumentarfiilm „Whitney – Can I be me?“ bei Arte zeichnet Aufstieg und Absturz von Whitney Houston nach. Man merkt hier: Die schwarze Sängerin mit den vielen weißen Fans war eine Frau unter Einfluss.

Stuttgart - Die Verleihung der Soul Train Music Awards 1989 in Los Angeles: Auch Whitney Houston ist eine der Nominierten dieser Preise für schwarze Musik. Als ihr Name genannt wird, bricht das Publikum in Buhrufe aus, eine hier noch nie gehörte Demütigung. Die 25-jährige Houston ist dem Publikum in Musik und Gebaren viel zu weiß. War man ein paar Jahrzehnte zuvor bei Nat King Cole etwa noch stolz auf das gelungene Zugehen auf den Mainstream Amerikas, gilt das jetzt einigen als Verrat.

In Nick Broomfields Dokumentarfilm „Whitney – Can I be me?“ sind die TV-Bilder noch einmal zu sehen. Gnadenlos schaut die Kamera auf Houstons Gesicht, auf dem ein professionelles Lächeln erstaunlich erfolgreich den Anflug von Entsetzen verdrängt. Man kann diese junge Frau dafür auch dann bewundern, wenn man den Preis damals anderen zugesprochen hätte. Weggefährten der im Februar 2012 drogenzerrüttet in einer Hotelbadewanne Ertrunkenen erzählen Broomfield, diese Buhrufe hätten die sensible Houston lebenslang verstört. Das Erlebnis habe viel zu ihrem späteren Absturz beigetragen.

Eine Frau unter Einfluss

Der Brite Broomfield, Jahrgang 1948, ist einer der einflussreichsten Dokumentarfilmer seiner Generation. Er ist berühmt, berüchtigt, bei manchen verhasst für den subjektiven Drall seiner Filme, für die Einbeziehung des Regisseurs ins Erzählte. Davon ist bei seinem Houston-Porträt, bei dem der Österreicher Rudi Dolezal („Falco“) als Co-Regisseur gelistet ist, nichts zu merken. Ohne didaktisch zu werden, arbeitet der Film das Bild einer Frau heraus, die stets unter fremdem Einfluss steht. Erst ihre Mutter, eine Kirchensängerin, dann der Labelmanager Clive Davis, dann ihr künftiger Ehemann Bobby Brown, der böse Bube des R’n’B, erklären Whitney Houston, wie sie zu sein habe.

Houstons Lieder waren von Davis als Zirkusnummern angelegt worden, als Vorführungen von Stimmgewalt – aber es waren eindrucksvolle Schaustücke. Später scheiterte die Virtuosin kläglich an den eigenen Maßstäben, ihre Auftritte wurden wie die anderer Pop- und Rockwracks öffentliche Zusammenbrüche. Broomfields Film lässt den verschreckten Menschen ahnen, der sich da völlig verirrt hatte.

Ausstrahlung: Arte, Freitag, 17. Juli 2020, 22.05 Uhr, sowie Sonntag, 26. Juli 2020 um 00.35 Uhr. Bis 16. August 2020 in der Mediathek des Senders.

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