Nicht zimperlich: die Moderatorin Charlotte Roche spricht offen über Liebe, Sex und Zärtlichkeit, aber auch über andere Beziehungsthemen. Ihr Podcast „Paardiologie“ läuft zurzeit beim Streamingdienst „Spotify“. Foto: dpa

Die Moderatorin Charlotte Roche (41) beschäftigt sich gerne mit Themen, die anderen zu heikel wären. Zur Zeit plaudert sie mit ihrem Ehemann in dem Podcast „Paardiologie“ über Liebe, Sex und Zärtlichkeit aus 15 Jahren Beziehung. Da geht es auch ans Eingemachte.

Köln - Im ersten Teil des Beziehungs-Podcasts „Paardiologie“, den sich die deutsch-britische Moderatorin und Autorin Charlotte Roche (41, „Feuchtgebiete“, „Schoßgebete“) ausgedacht hat, geht es ohne Umschweife ans Eingemachte. Ihr Ehemann Martin Keß (55), mit dem sie seit vergangenen Freitag jede Woche beim Streamingdienst „Spotify“ ihre Beziehung seziert, verrät in der ersten Folge die unsympathischste Eigenschaft des Paars: sie klatschen sich gegenseitig ab, wenn mal wieder eine Beziehung im Umfeld in die Brüche gegangen ist. Charlotte Roche findet das zwar „wicked“ (Englisch für boshaft), erklärt aber, dass es nicht darum ginge, sich darüber zu freuen, dass sich andere getrennt haben, sondern darüber, dass sie selbst noch zusammen sind.

In dem Podcast steckt Roches Herzblut

Der Podcast „Paardiologie“ – eine Wortkonstruktion aus Paar, Kardiologie – die Wissenschaft des Herzens – und Ideologie – hört sich an wie eine Gesprächstherapie nur ohne Therapeut, dafür mit zwei redefreudigen Medienmenschen (Martin Keß war Mitbegründer der TV-Produktionsfirma „Brainpool“). Charlotte Roche hat in einem „Spiegel“-Interview gesagt: „Ich bin ein totaler Therapiestreber. Wenn meine Therapeutin etwas sagt, komme ich nach Hause und versuche, es zu 100 Prozent umzusetzen.“ Danach klingt auch der Podcast, in dem Roches Herzblut steckt, wie sie sagt. Sie und ihr Mann kauen Krisen und Konflikte, Schönes und Schlechtes aus 15 Jahren Beziehungs- und 12 Jahren Eheleben durch und plaudern aus dem privaten Nähkästchen.

Bis zur Besinnungslosigkeit betrunken

Einmal versuchte Roche offenbar, einen schweren Tisch auf ihren Mann zu werfen, was ihn seinerzeit an Pippi Langstrumpf denken ließ, die ihr Pferd hochhebt. Ein anderes Mal schüttete sie heiße Milch auf ihn, berichtet sie im Podcast. Diese Zeiten sind allerdings vorbei, Charlotte sei schon länger nicht mehr so ausgerastet, seit sie keinen Alkohol mehr trinkt. Früher habe sie sich teilweise bis zur Besinnungslosigkeit betrunken und am nächsten Tag genüsslich ihren Kater auskuriert. Offen und scheinbar ohne Schamgefühle redet sich das Paar auf amüsante Art und Weise um Kopf und Kragen. Es wird gescherzt, geflachst, gezankt und es fließen auch Tränen – in der ersten Folge die von Charlotte Roche nachdem Keß ihr eine eher zufällige Liebeserklärung macht.

Entzauberung vermeintlich perfekter Beziehungen

Der Moderatorin geht es mit ihrem Podcast um die Entzauberung vermeintlich perfekter Beziehungen. „Paardiologie“ funktioniert über die Identifikationsschiene: jeder, der schon einmal eine Beziehung hatte wird sich in den Gesprächen der Eheleute wieder erkennen. „Ich bin ja schon eher der Over-Sharer, was diese privaten Dinge angeht“, sagte sie in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. „Aber ich finde es auch nicht unangenehm, wenn sich andere Paare vor mir streiten oder Intimitäten raushauen. Dann geht es endlich mal um etwas.“

Kinder hatten keine Einwände

Charlottes Tochter und Martins Sohn sollen grundsätzlich keine Einwände gegen das offenherzige Projekt der Eltern gehabt haben. „Die haben uns ja erlaubt, das zu machen. Sonst hätten wir das nie gemacht“, erzählte Roche im Interview mit dem Sender RTL. Beide Kinder werden in diesem Jahr 17 und mit dem Beziehungs- und Intimleben der Eltern möchte man da herzlich wenig zu tun haben. Dafür hat Charlotte Roche volles Verständnis: „Ich finde es eine gute Herangehensweise, einfach zu sagen: ‚Mit meinen Eltern will ich in diesem Sinne nichts zu tun haben. Die sollen mir Geld geben, die können mich rumfahren, als Teenager, aber mehr will ich von denen nicht wissen.‘“

Wie sich das Paar kennen gelernt hat

In der ersten Folge erinnern sich die beiden, die seit 2007 verheiratet sind, auch daran, wie sie sich kennengelernt haben. Charlotte Roche beschreibt sich zu dieser Zeit als traumatisiert und durch den Wind. „Wie ein Vogel ohne Federn, der aus dem Nest geklatscht ist und schwere Verletzungen davon getragen hat, psychisch.“ Und stellt die Frage: „Was ist eigentlich mit dir los, dass du dich in so einen Haufen Elend verliebst?“ Martin Keß hat seine Frau damals jedoch ganz anders wahrgenommen. „Ich hab dich überhaupt nicht so gesehen“, sagt er. Sie sei ihm total stark vorgekommen.

Demnächst geht es ums Fremdgehen

Die Moderatorin und der Mitbegründer der TV-Produktionsfirma „Brainpool“ planen, in den kommenden 15 Folgen auch über Finanzen, Haushalt, Kindererziehung, Gesundheit und Tod sowie das gegenseitige Zuhören zu sprechen. Natürlich wird Sex eine Rolle spielen und in diesem Zusammenhang auch das Thema Fremdgehen. Damit hat zumindest Charlotte Roche bereits Erfahrungen gemacht. In dem RTL-Interview antwortete sie auf die Frage, ob sie schon einmal fremdgegangen sei, geradeheraus mit: „Ja“.

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