Bei der Vorbereitung noch optimistisch: (von links) Juliette Nufer, Helga Heck, Kurt Wurster und Timann Krogoll. Foto:  

Der Blick in die Historie der Gerlinger Turner zeigt, dass die für Sonntag geplante Veranstaltung viel von dem familiären Flair des Vereinslebens unter der Solitude widerspiegelt. Die Absage des Kinderfestes ist nicht die erste.

Gerlingen - Alles war vorbereitet: 100 Helfer standen bereit, um an 20 Spielstationen die Kinder anzuleiten, Würstchen und Pommes zu braten oder Kaffee und Kuchen auszugeben. „Wir bedauern die Absage des Gerlinger Kinderfestes sehr – für alle, die sich auf das Fest gefreut haben. Es wäre aber auf dem Rathausplatz für die Helfer voraussichtlich zu heiß geworden“, sagt der Abteilungsleiter der KSG-Turner, Tilmann Krogoll. Der Vorstand des KSG hatte am Donnerstag Abend die Temperatur auf dem Rathausplatz gemessen und dabei in der Sonne Werte weit jenseits der 40 Grad abgelesen. Unzumutbar für die Helfer, sagt Krogoll.

Zweite Absage in 43 Jahren

Die Turner organisieren das Kinderfest in Gerlingen seit 43 Jahren. Nur einmal in ihrer langen Geschichte seit 1976 hatten sie die Veranstaltung schon einmal absagen müssen – damals wegen Regens.

Der erste Gewinner anno 1976 bekam ein Klappfahrrad, der zweite einen Kassettenrekorder und der dritte eine Sporttasche. Den Erlös des ersten Kinderfests der Turnerabteilung der Kultur- und Sportgemeinde Gerlingen am 30. Mai 1976 erhielt das damals neu erbaute Altenheim Gerlingen – und erwarb von der Spende einen Fernseher. „Heute gehen die Einnahmen an die Jugendförderung des Vereins“, sagt Helga Heck. Seit 43 Jahren organisiert die 69-jährige ehemalige Sekretärin der Gerlinger Pestalozzischule das Fest, das aus dem Kultur- und Gemeindeleben des Ortes nicht wegzudenken ist.

Appell an die Vernunft

Zwischen 500 und 1000 Kinder sind jedes Jahr dabei, und vergnügen sich an den Spielstationen. Sie bedauert die Entscheidung, das Fest abzusagen, appelliert aber an die Vernunft: „Wir wollen die Gesundheit der Menschen nicht gefährden.“ Die Spielideen bleiben ja für das nächste Fest erhalten. „Am beliebtesten sind nach wie vor die Klassiker: Büchsenwerfen, Fische-Angeln oder die selbst gebaute Faden-Lotterie“, so Heck. Auch Juliette Nufer, die Jugendwartin der Abteilung, ist traurig: Sogar die Mädchen aus dem Bodenturnen oder die Jungen, die sich lieber an Barren und Reck bewegen oder Trampolin springen, hätten an den Stationen mitgeholfen. „Wir wollten auf der Bühne Highlights aus unseren Übungsstunden zeigen.“

Gerlinger Turner sind eine „Familie“

Die Gerlinger Turner sind stolz darauf, eine „Familie“ zu sein. Mit heute rund 250 erwachsenen Mitgliedern und 200 Kindern und Jugendlichen ist das Turnen der zweitgrößte Bereich der KSG – und seine Keimzelle: Am 19. August 1894 gründeten einige Reck- und Barren-Begeisterte rund um den ersten Vorsitzenden Hermann Schweizer den Turnverein Gerlingen. Schon zuvor hatten die Männer auf ihren selbst gebauten Geräten im Garten des Gasthauses „Zum Fässle“ trainiert.

Eine Zäsur bildete das Jahr 1933: Die NSDAP löste den Turnerbund auf und beschlagnahmte den Sportplatz Laichle. Nach dem Krieg gelang es, den Platz für den Verein zurückzugewinnen. Dies war auch die Geburtsstunde der Kultur- und Sportgemeinde Gerlingen. Bei der Gründungsversammlung am 25. September 1945 hatte der Verein 51 Mitglieder.

Angebote auch zum Reha-Sport

Heute ist die KSG mit 2300 Männern, Frauen und Kindern der größte von knapp 20 Gerlinger Sportvereinen. Das Angebot in den 15 Abteilungen reicht von Badminton über Taekwon-Do bis Reha-Sport.

Die nächste Veranstaltung anlässlich des Jubiläums ist schon geplant: Anfang Juli steigt das Farbfestival auf dem KSG Rasenplatz Schillerhöhe. Der Trend kommt aus der großstädtischen Partyszene: Zu Elektromusik wird getanzt und dabei Farbpulver gestreut. Die Gerlinger Kinder müssen sich nun leider gedulden: Erst um Weihnachten herum gibt es für sie das nächste Fest der KSG-Turner.

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