Für die Weltmeisterschaften in Stuttgart hat die 22-jährige Simone Biles hohe Ambitionen. Foto: Pressefoto Baumann

Als erste Frau der Welt schafft Ausnahmeturnerin Simone Biles einen gehockten Doppelsalto mit drei Schrauben am Boden. Doch ob das neue Element in Zukunft auch ihren Namen trägt, entscheidet sich erst bei den Turnweltmeisterschaften in Stuttgart.

Kansas City - Konzentriert fixiert Simone Biles die lange Ecke des Bodens. Ein kurzer Atemzug, dann nimmt sie Anlauf und schraubt sich in die Luft. Drei kontrollierte Salti später kommt sie sicher auf den Füßen zum Stehen. Hinter ihr brandet Applaus auf. Auch die Rekord-Weltmeisterin selbst lächelt. Denn das, was sie da gerade geturnt hat, ist eine Weltneuheit.

Bei den US-Meisterschaften in Kansas City sorgte die 22-jährige Amerikanerin für ein spektakuläres Novum im Turnen. Am Sonntag (Ortszeit) stand sie als erste Frau der Welt am Boden einen gehockten Doppelsalto mit drei Schrauben und kreierte damit ein spektakuläres Turn-Element – den „Triple-Double“.

„Ich wollte sehen, wie das aussieht“, sagte Biles nach ihrer Performance. Weitaus überschwänglicher reagierten ihre Teamgefährtinnen: „Sie macht Sachen, von denen ich nie gedacht hätte, dass die Leute sie machen könnten“, schwärmte die 16-jährige Sunisa Lee. „Es ist ein Riesen-Ding“, lobte auch US-Cheftrainer Tom Forster. „Niemand hat das je zuvor bei den Frauen geschafft. Und sie macht es auch noch besser als die meisten Männer.“

Doch obwohl Biles schon jetzt als Pionierin und Ausnahmetalent in die Geschichte ihrer Sportart eingehen dürfte, steht ihr eine offizielle Hürde noch bevor. Die Turnweltmeisterschaften, die im Oktober in Stuttgart ausgetragen werden, könnten für sie zum Wendepunkt werden. Denn erst wenn sie das „Triple-Double“ auch in Stuttgart turnt, wird es im Regelwerk des Turn-Weltverbandes FIG in Zukunft offiziell ihren Namen tragen.

Biles gewann in Kansas City mit 29,400 Punkten (bei den US-Meisterschaften kommen zwei Übungen in die Wertung) übrigens nicht nur überlegen den Titel am Boden, sondern holte nach Clara Schroth (1945-1952) als zweite Turnerin auch den sechsten US-Titel im Mehrkampf.

Mit 118,500 Punkten setzte sie sich nach zwei kompletten Vierkämpfen überlegen vor Sunisa Lee (113,550) und Grace McCallum (111,850) durch. Biles unterstrich damit ihre Ambitionen auf ihren fünften WM-Mehrkampf-Titel in Stuttgart. Bislang hat die Ausnahmeturnerin 14 Mal WM-Gold erkämpft. Bei den US-Titelkämpfen gewann sie zudem die Titel am Schwebebalken und am Sprung.

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