Tabea Alt schreibt nach ihrem Empfang am Wirtemberg-Gymnasium Autgramme. Foto: Pressefoto Baumann

Tabea Alt vom MTV Stuttgart eilt seit ihrem WM-Erfolg von Termin zu Termin. Der neue Rummel beeindruckt die 17-Jährige allerdings kaum.

Stuttgart - Plötzlich steht Tabea Alt im Atrium des Wirtemberg-Gymnasiums in Untertürkheim. In der Hand ihre WM-Medaille, im Gesicht ein Lächeln. In der Schule ist am Dienstag so viel los, man hat sie gar nicht kommen sehen. Es fühlt sich an, als sei die ganze Schülerschaft da – wegen ihr. Der Schulleiter Martin Bizer hat extra eine Durchsage gemacht, damit es ja alle mitbekommen. Tabea Alt steigt auf eine kleine Bühne, Lehrer und Mitschüler stellen Fragen. Wie hart ihr Training sei, will ein Unterstufenschüler wissen. „Die WM-Vorbereitung war ziemlich anstrengend“, antwortet die Turnerin.

Tabea Alt ist zurück in Stuttgart, zurück an ihrem Gymnasium. Vor gut anderthalb Wochen war die 17-Jährige vom MTV Stuttgart noch mit dem deutschen Team bei den Weltmeisterschaften im kanadischen Montreal. Sie holte am Schwebebalken spektakulär Bronze. Nebenbei hat sie am Stufenbarren zwei neue Elemente geschaffen: Alt eins und Alt zwei gehören nun zum Punktekatalog des Turnweltverbandes Fig.

Die Ludwigsburgerin hat geschafft, wovon viele Turnerinnen träumen: Sie ist Drittbeste der Welt am Schwebebalken. Und das mit 17 Jahren. Sie zählt zu den vielversprechendsten Talenten überhaupt. Am vergangenen Samstag, knapp eine Woche nach ihrer Medaillenkür, war Alt deshalb als Gast im ZDF-Sportstudio. Einen Tag später lud sie der SWR in die Sendung Sport im Dritten ein. Dazwischen: nacharbeiten für die Schule und, natürlich, Training.

Die viele Aufmerksamkeit nimmt Tabea Alt gelassen

Nun könnte für Alt wieder so etwas wie ein Alltag einkehren. Doch die Aufmerksamkeit für die junge Medaillengewinnerin ebbt so schnell nicht ab. Vielmehr häufen sich jetzt Einladungen zu Empfängen, Ehrungen und Turngalen im Ausland. Wie geht Alt mit der großen Öffentlichkeit um?

„Der Empfang hier in der Schule ist unglaublich“, sagt Alt. Dass sie mit 17 bereits Turngeschichte geschrieben habe, sei „eine Ehre“ und, ja, ein „unglaubliches Gefühl“. Immerhin sei es auch erst ihr zweites Seniorenjahr. „Die Arbeit hat sich ausgezahlt“, freut sich Alt. Von einer Überforderung mit der vielen Aufmerksamkeit ist ihr nichts anzumerken, im Gegenteil. „Ich genieße das alles, es ist neu und ungewohnt.“

Gleichzeitig ist der jungen Athletin klar, dass ihr sportliches Jahr weitergeht, wenn auch etwas ruhiger. „Jetzt geht es darum, alles Schritt für Schritt zu denken“, sagt sie. Und Marie-Luise Probst-Hindermann, ihre Trainerin im Stuttgarter Kunstturnforum, sagt: „Körper und Geist brauchen nach der WM Erholung, wir wollen Tabea jetzt nicht überlasten.“ Wegen der vielen Ehrungen und Empfänge komme Alt kaum zur Ruhe. Bis zum Ende des Jahres steht immerhin lediglich der Saisonabschluss mit der MTV-Mannschaft an. In Alts Heimatstadt Ludwigsburg findet Anfang Dezember das Finale um die deutsche Meisterschaft statt.

Die Schule ist für die Athletin eine Art Ruhepol. Zwar sei es nicht immer leicht, 30 Stunden Training in der Woche mit dem Lernen zu verbinden. „Aber so bin ich in meinem Ablauf drin, ich kenne es nicht anders“, sagt Alt. Seit der fünften Klasse geht sie auf das Wirtemberg-Gymnasium, eine Eliteschule des Deutschen Olympischen Sportbundes. Parallel trainiert Alt am Kunstturnforum in Bad Cannstatt: zweimal täglich, sechsmal die Woche.

Neben der Schule trainiert Alt zweimal täglich, sechsmal die Woche

Wenn Alt wegen des Sports Unterricht verpasst, kriegt sie die Mitschriebe von ihren Mitschülern digital zugeschickt und holt den Stoff zu Hause nach. „Ich weiß, was ich erreichen will, ich will das Abitur nicht nur irgendwie schaffen“, sagt sie. Rektor Martin Bizer attestiert seiner Schülerin großen Ehrgeiz. „Tabea gehört zu den besten Schülern ihres Jahrgangs“, sagt er.

Im Frühjahr 2019 schreibt Alt Abitur, im Herbst 2019 richtet Stuttgart die Turn-WM aus. Wahrscheinlich wird es für die 17-Jährige also einen nahtlosen Übergang von Abiturvorbereitung in WM-Vorbereitung geben. „Vielleicht überschneidet sich das auch ein bisschen“, sagt Alt. Beunruhigt wirkt sie nicht. Dabei ist die Heim-WM nicht nur emotional ein Großereignis. Dort kann sich Alt für Olympia 2020 in Tokio qualifizieren. Es wären dann bereits ihre zweiten Spiele. „Für uns ist das Ziel, Tabea gesund über die nächsten zwei Jahre zu bringen“, sagt Trainerin Probst-Hindermann. Gleichzeitig wollen die beiden am Inhalt des sportlichen Programms arbeiten und mehr Schwierigkeiten einbauen. An eine Medaille denke man beim Training im Kunstturnforum nicht, betont Probst-Hindermann: „Es geht darum, jeden Tag kleine Zwischenziele zu erreichen und gut zu trainieren, der Erfolg kommt dann von selbst.“ Siehe Montreal.

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