Kein warmer Wilkommensgruß: Der russische Außenminister Sergej Lawrow begrüßt US-Außenminister Rex Tillerson in Moskau. Foto: AFP

Vor kurzem noch zitterten die Europäer vor einer Verbrüderung Trumps mit Putin. Nun müssen sie sich eher um eine Vereisung Sorgen machen, meint unser Kommentator Michael Weißenborn.

Stuttgart - Die Aussichten auf einen freundschaftlichen Neustart in den Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind rasch verflogen. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat wohl kein Treffen von Spitzenpolitikern beider Länder in einer eisigeren Atmosphäre stattgefunden als jetzt das Treffen zwischen US-Außenminister Rex Tillerson und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Moskau. Das ist eine dramatische Wende, eine Scheidung quasi noch vor den Flitterwochen.

Denn vor kurzem noch machte sich die deutsche Regierung berechtigte Sorgen, Washington und Moskau könnten sich über die Köpfe der Europäer hinweg verständigen. So heftig war die Romanze des US-Präsidenten Donald Trump mit dem Kremlherrn Wladimir Putin. Trump träumte davon, mit Putin gemeinsam den Islamischen Staat zu zerstören. Dafür schien er bereit, über die andauernde russische Intervention in der Ostukraine und die Hilfe Moskaus für den syrischen Diktator Baschar al-Assad hinwegzusehen.

Doch damit ist es vorbei. Die Trump-Regierung sieht Putins Machtstreben in Europa wie im Nahen Osten heute in einem realistischeren Licht. Daher die Vorhaltungen der USA zur Rolle Russlands beim Chemiewaffeneinsatz in Syrien. Nun müssen die Europäer womöglich eine Vereisung zwischen beiden Mächten fürchten – auch nicht gut für ein friedliches Miteinander. Die Bundesregierung wäre dann als Vermittler gefordert.

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