Der US-Student Otto Warmbier wird in Nordkorea vor Gericht geführt. Foto: AP

In den USA macht eine Äußerung von Donald Trump zum nordkoreanischen Umgang mit Otto Warmbier Furore. Andere Themen wären bedeutender, um genau betrachtet zu werden, kommentiert Christian Gottschalk.

Stuttgart - Es gehört zu den beklagenswerten Veränderungen in unserer Gesellschaft, dass sich immer weniger Menschen in die komplizierte Kleinteiligkeit politischer Entscheidungen hineinarbeiten möchten. Und es gehört zu den großen Misslichkeiten, dass zahlreiche Medien diesem Trend folgen. Berichtet wird dann weniger das politisch Relevante, die Hintergründe und Feinheiten. Schlagzeilen gehören dem vermeintlich leichter verständlichem, dem Emotionalen. Donald Trump hat dies meisterlich verinnerlicht. Langwierige Detailverhandlungen sind seine Sache nicht, er ist ein Mann der schnellen Sprüche. Von daher ist es schon verwunderlich, dass ihm sein Instinkt zu einem Fehltritt verleitet hat. Seine Äußerungen in Sachen Otto Warmbier haben zu einem medialen Sturm der Entrüstung in den USA geführt.

Haft für den Diebstahl eines Posters

Zur Erinnerung: Der US-Student Warmbier war in nordkoreanischer Haft schwer misshandelt worden, nachdem er angeblich ein Propagandaposter gestohlen haben soll. In den USA erlag er dann seinen schweren Verletzungen. Die Bilder des schwer gezeichneten jungen Mannes sind in vielen amerikanischen Köpfen noch präsent. Als Trump nun erklärte, er glaube dem nordkoreanischen Herrscher Kim Jong-un, nichts von der ganzen Sache gewusst zu haben, entlud sich ein Sturm der Entrüstung. Als ob dies das Hauptthema des Gipfels zwischen den beiden Staatsführern gewesen wäre.

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