Das Trinkwasser in Wernau, Köngen und Deizisau ist verunreinigt. Es muss noch bis auf Weiteres abgekocht werden. Foto: picture alliance/

Seit dem Freitag müssen 22 000 Einwohner ihr verunreinigtes Leitungswasser abkochen. Nachdem der problematische Hochbehälter vom Netz ist und alle seitherigen Proben unauffällig sind, könnte das Gesundheitsamt am Dienstag Entwarnung geben.

Deizisau/Wernau/Köngen - Das Trinkwasser ist verunreinigt und darf nur abgekocht verwendet werden. Diese Meldung hat am Wochenende die Einwohner von Deizisau, Wernau und Köngen aufgeschreckt. Auch am Montag hat das Gesundheitsamt Esslingen noch keine Entwarnung gegeben, auch wenn die Quelle der Verunreinigung, ein Hochbehälter in Kirchheim, inzwischen trocken gelegt ist und alle seiher gezogenen Proben keine Auffälligkeiten mehr gezeigt haben. Die 22 000 betroffenen Bürgerinnen und Bürger in den drei Kommunen müssen das Leitungswasser trotzdem weiterhin abkochen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema zusammengestellt.

Wann ist es zu der Verunreinigung gekommen?

„Uns hat die Nachricht aus dem Esslinger Gesundheitsamt am späten Freitagvormittag erreicht“, sagt Wolfgang Sulzmann, der technische Geschäftsführer des Eigenbetriebs Wasserversorgung Deizisau. Auch der Nachbar Köngen und die Stadt Wernau sind zeitnah informiert worden.

Wie ist das Trinkwasser verunreinigt?

In den von der Landeswasserversorgung Langenau regelmäßig und flächendeckend gezogenen Proben sind mikrobiologische Verunreinigungen festgestellt worden. Dabei sind geringe Spuren von Coliformer Bakterien und Escherichia coli gefunden worden.

Wie gefährlich ist die Verunreinigung?

Angaben der Landeswasserversorgung zufolge handelt es sich um einzelne Keime. Krankheitserreger seien nicht festgestellt worden. Das Wasser ist unverzüglich durch eine erhöhte Chlorbeigabe entkeimt worden. Eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung hat laut Landeswasserversorgung nicht bestanden. „Wir haben kein erhöhtes Aufkommen von Durchfallerkrankungen festgestellt“, sagt Albrecht Wiedenmann, der Sachgebietsleiter für Infektionsschutz und Umwelthygiene im Esslinger Gesundheitsamt.

Wie wurde die Verunreinigung festgestellt?

Das Trinkwasser-Leitungsnetz wird regelmäßig und flächendeckend beprobt. Stellt das damit beauftragte Labor Unregelmäßigkeiten fest, geht die Meldung zeitgleich an den Versorger, in diesem Fall an den Zweckverband Landeswasserversorgung, und an das zuständige Gesundheitsamt. Die erforderlichen Schutzmaßnahmen werden von der Gesundheitsbehörde veranlasst.

Was empfiehlt das Gesundheitsamt?

In den betroffenen Haushalten sollte Leitungswasser nur abgekocht getrunken werden. Das Wasser dabei möglichst in einem Wasserkocher einmalig sprudelnd aufkochen und zehn Minuten abkühlen lassen. Zur Zubereitung von Nahrung, zum Zähneputzen und zum Reinigen offener Wunden sollte nur das abgekochte Leitungswasser verwendet werden. Das Wasser für die Toilettenspülung und für andere Zwecke unterliegt keinen Einschränkungen. Allerdings eignet es sich, wegen der erhöhte Chlorierung, nicht zum Betrieb von Aquarien.

Wo ist die Quelle der Verunreinigung?

Als Quelle ist der westlich von Kirchheim gelegene Hochwasserbehälter Egart identifiziert worden. Der Behälter fasst 4000 Kubikmeter Trinkwasser, das über ein fünf Kilometer langes Netz an die Verteilstationen der drei betroffenen Gemeinden geleitet wird.

Wodurch ist das Wasser verunreinigt worden?

„Wir wissen es noch nicht. Das System reagiert sehr sensibel. Das kann eine Fliege gewesen sein“, sagt Juliane Conte, die Sprecherin der Landeswasserversorgung.

Wie läuft die Alarmierungskette?

In Deizisau sind rund 4000 vorbereitete Flyer an die betroffenen Haushalte verteilt worden. „So haben wir sichergestellt, dass auch die, die zwischenzeitlich aus dem Urlaub zurückgekommen sind, informiert wurden“, sagt Sulzmann. Der Bauhof und Rathausmitarbeiter hätten bis 15 Uhr alle Haushalte erreicht. In Wernau haben Stadtverwaltung und Feuerwehr mit Lautsprecherdurchsagen auf das Problem hingewiesen.

Wie viel Wasser fließt in den betroffenen Gebiet an einem normalen Wochentag durch die Leitung?

Die tägliche in Wernau, Köngen und Deizisau umgeschlagene Wassermenge beträgt rund 3000 Kubikmeter. Zu den Abnehmern zählen nicht nur Privathaushalte, sondern auch Unternehmen und Betriebe.

Wie werden die Kunden jetzt versorgt?

Das Wasser kommt, unter Umgehung des Kirchheimer Behälters Egart, aus dem Bodensee und dem Donauried.

Wer hebt das Abkochgebot wieder auf?

Das Gesundheitsamt Esslingen, das die Proben bewertet. Von dort kommt erst dann grünes Licht, wenn keine Auffälligkeiten mehr festgestellt werden.

Nachdem aus dem übergeordneten Leitungsnetz nur noch sauberes Wasser nachkommt, sollten die Verbraucher jetzt die Hausinstallation durchspülen. „Da genügt es, wenn aus jedem Wasserhahn zwei Liter Wasser abgezapft werden. Den Rest an Durchlauf besorgen Toilette und Waschmaschine“, sagt Wiedenmann.

Wie häufig sind Verunreinigungen?

Im Bereich des Zweckverbands Landeswasserversorgung, der rund 250 Städte und Gemeinden pro Jahr mit etwa 90 Millionen Kubikmeter Trinkwasser versorgt, handelt es sich nach Auskunft der Pressesprecherin Juliane Conte um ein Novum. Immer mal wieder jedoch sind lokale Wasserversorger betroffen. So war in der rund 2350 Einwohner zählenden Gemeinde Kohlberg im Oktober 2017 eine Maus in einen Wasserhochbehälter geraten. Auch dort mussten die Einwohner das Wasser in der Folge mehrere Tage lang abkochen.

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