Die einzige deutsch-iranische Städtepartnerschaft trotzt den Unruhen im Iran

Freiburg. Der Freundeskreis aktiviert die Kontakte, Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) jedoch vermeidet offizielle Begegnungen mit Hinweis auf die gegen Juden gerichteten Hasstiraden des iranischen Staatspräsidenten. Salomons Sprecher sagte, solange Mahmud Ahmadinedschad mit Gewalt und Terror gegen Israel drohe, werde "offiziell nichts gehen" zwischen Freiburg und Isfahan, auch wenn das bitter für die Bürger sei. Dagegen berichtete der "Freundeskreis Freiburg - Isfahan", es gebe derzeit keine politischen Hindernisse bei der Umsetzung des überwiegend kulturellen Programms.

Die nach der Präsidentschaftswahl und dem Tod des Großajatollahs Montaseri aufgekommenen Proteste der Opposition um den liberalen Präsidentschaftskandidaten Mussawi hätten sich bisher nicht auf die Visa-Erteilung und Reisefreiheit ausgewirkt, erklärte Mohammad Salvati, der im Jahr 2000 Pate stand, als die deutsch-iranische Partnerschaft aus der Taufe gehoben wurde. Er riet Iran-Reisenden, sich von politischen Demonstrationen fernzuhalten, dann bestünde für sie keine Gefahr.

Der Freundeskreis hat aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft für 2010 sogar ein noch umfangreicheres Austauschprogramm mit Kultur-, Sport- und Bürgerreisen zusammengestellt als in den Jahren zuvor. "Gerade jetzt ist der Kontakt mit den Bürgern im Iran ganz wichtig", betonte die Vorsitzende Fatima Chahin-Dörflinger. "Wir werden unsere Freunde in Isfahan auf keinen Fall im Regen stehen lassen." Sie bewertet den Zustand der Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan als "aktiv, lebhaft und jetzt besonders wichtig". Es sei sein Wunsch, so Mohammad Salvati, dass der Austausch der Kulturen intensiv weitergehe. "Diese Kontakte helfen beiden Völkern", sagte der Wissenschaftler im Ruhestand.

Der Austausch ist keine Einbahnstraße von Freiburg nach Isfahan. Auch Iraner kommen seit Jahren regelmäßig in den Breisgau, darunter Fotografen, Musiker, Handwerker und viele Studenten. Zuletzt beteiligten sich sieben Studenten mit ihrer Professorin aus Isfahan am Sommersprachkurs für Deutsch an der Uni Freiburg. Abordnungen besuchten die Freiburger Feuerwehr und die Aufführung von Beethovens neunter Sinfonie. Es hat auch gute Tradition, dass Kleinkünstler aus Isfahan am Markt der Partnerstädte und an der Baden-Messe teilnehmen. Auch die Juristen der Universitäten pflegen ein eigenes Austauschprogramm und diskutieren über Menschenrechte.

Die erste Vorsitzende des Freundeskreises hat ihre letzte Reise in den Nahen Osten erst im November unternommen. Auch jetzt im neuen Jahr will sie viele Projekte durchführen und sich nicht durch die blutigen Straßenschlachten abbringen lassen. "Wir lassen uns so schnell nicht ins Boxhorn jagen", versprach Chahin-Dörflinger. Sie ist sehr zuversichtlich, dass alle Aktivitäten in der Kultur-, Theater-, Frauen- und Jugendarbeit wie geplant auch stattfinden werden. Es soll im Frühjahr und Herbst auch wieder zwei Bürgerreisen und im Sommer eine Busreise von Freiburg nach Isfahan geben. Mountainbiker aus Freiburg nehmen im Mai an einer 1000 Kilometer langen Tour rund um Isfahan teil. Einen Monat später gehen erstmals Radsportler aus der iranischen Partnerstadt beim Ultra-Bike-Marathon in Kirchzarten an den Start. "Sie sehen: Die Partnerschaft lebt", so Fatima Chahin-Dörflinger, "wir haben in zehn Jahren viele gute Kontakte aufgebaut."

Ganz anders die Haltung des Rathauses: Dort liegt die Städtepartnerschaft offiziell weiter auf Eis. Nicht wegen der aktuellen Auseinandersetzungen - sondern weil sich an der israelfeindlichen Haltung des Staatschefs bis heute nichts geändert hat. Freundeskreisler Salvati hat nun deshalb an den OB appelliert, die Städtepartnerschaft nicht unnötig zu politisieren und die kommunalen Kontakte wieder aufzunehmen. Schließlich ist er der Einzige, der blockt.

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