Beobachter sehen Trump nach dem Abzug der Truppen aus Syrien mehr denn je unter Druck. Foto: AP/Alex Brandon

Die US-Demokratin Nancy Pelosi bricht ein Treffen mit dem Präsidenten Donald Trump ab. Derweil wird ein ungewöhnlicher Brief öffentlich, den Trump an den türkischen Präsidenten geschrieben hat: „Seien Sie kein Narr!“

Washington - Er nannte sie eine „drittklassige“ Politikerin. Und sie sagte, er sei einfach ausgeflippt. Bei einem Treffen von US-Präsident Donald Trump und der ranghöchsten Demokratin Nancy Pelosi ging es im Weißen Haus dem Vernehmen nach hoch her. „Wir wurden Zeugen, wie der Präsident einen Nervenzusammenbruch hatte – es ist traurig, das so sagen zu müssen“, erklärte die Präsidentin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. Der oberste Demokrat im Senat, Chuck Schumer, berichtete, Trump sei in eine Schimpftirade ausgebrochen und habe Pelosi als „drittklassige Politikerin“ bezeichnet. Die Demokraten hätten das Treffen daraufhin abgebrochen, sagte Pelosi.

Pelosi könnte Trump gefährlich werden

Schimpfkanonaden und Wutanfälle bei Sitzungen zwischen Trump und Kongressanführern – dies gilt inzwischen schon als ein vertrautes Ritual, das am Mittwoch nur um eine neue Anekdote für die politischen Geschichtsbücher ergänzt wurde. Doch diesmal spielte sich die Konfrontation vor der Kulisse fortschreitender Ermittlungen im Repräsentantenhaus zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ab. Mit Pelosi kam also die Top-Politikerin der Demokraten ins Weiße Haus, die Trumps politische Zukunft mitentscheiden könnte.

Die Regierung hatte die Kongressspitzen einbestellt, um über die Lage in Syrien zu beraten. Kurz zuvor hatte das Repräsentantenhaus sich mit 354 zu 60 Stimmen überwältigend klar gegen Trumps Befehl ausgesprochen, die US-Truppen aus dem Norden des Bürgerkriegslands abzuziehen. Dies bedeutete, dass auch viele Republikaner mit den Demokraten stimmten und ihrem Präsidenten so eine seltene Ohrfeige verpassten. Ihnen stößt sauer auf, dass Trump mit der Rückzugsorder eine türkischen Militäroffensive gegen syrische Kurdenmilizen möglich gemacht hat, die jahrelang an der Seite der USA gegen die Terrormiliz Islamischer Staat kämpften.

Trump gerät unter Druck

Beobachter glauben, Trump stehe mehr denn je unter Druck. Das zeigt sich auch an seinem aggressiven Verhalten auf Twitter, wo er Nancy Pelosi jetzt „Nervous Nancy“ nennt:

In der Zufahrt zum Weißen Haus sagte Pelosi vor Reportern, dass Trump drinnen eine Art „Ausraster“ gehabt habe. Sie habe gehen müssen, weil der Präsident nicht in der Lage gewesen sei, die Realität der Situation zu durchblicken. Später legte Pelosi noch Wert darauf, klarzustellen, dass Trump sogar seine Beleidigung rhetorisch vermasselt habe. Statt der wohl von ihm beabsichtigten Zuschreibung „third rate“ (drittklassig) habe er „third-grade“ (dritte Klasse) gesagt.

Spott für Brief an Erdogan

Zuvor war ein Brief Trumps an Erdogan öffentlich geworden, den Trump drei Tage nach der Ankündigung des Truppenabzugs aus Nordsyrien an seinen türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan geschrieben hatte, um vor einem Einmarsch in die Region zu warnen.

Wenn er in Syrien einfalle, werde er als „Teufel“ in Erinnerung bleiben, schrieb Trump in dieser auf den 9. Oktober datierten sogenannten Verbalnote an Erdogan. Trump wolle nicht für das „Abschlachten Tausender Menschen“ verantwortlich sein, schrieb er Erdogan. Er wolle auch keine Sanktionen erheben, die die türkische Wirtschaft lahmlegen, wenn Ankara gegen die kurdischen Kräfte in Syrien kämpfe.

Wenn Erdogan menschlich vorgehe, werde man später mit einem positiven Gefühl auf ihn blicken, so Trump. Falls nicht, werde Erdogan als Teufel in die Geschichte eingehen. „Seien Sie kein harter Kerl. Seien Sie kein Narr!“

Auf Twitter mokieren sich die Nutzer derweil über die kindliche Sprache Trumps in dem Brief:

Pence in Ankara erwartet

US-Vizepräsident Mike Pence und Außenminister Mike Pompeo wollen derweil am Donnerstag in Ankara im Nordsyrien-Konflikt zwischen der Türkei und Kurdenmilizen vermitteln. Pence brach am Mittwochabend (Ortszeit) von Washington in Richtung Ankara auf. Am Donnerstag ist ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geplant.

Die türkische Militäroffensive in Nordsyrien läuft seit einer Woche. Sie richtet sich gegen die Kurdenmiliz YPG, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Die YPG-Kurdenmilizen waren im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein enger Verbündeter der USA.

Die Amerikaner wollen eine Waffenruhe in dem Konflikt erreichen. Die Chancen, damit in Ankara weiterzukommen, dürften jedoch gering sein.

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