Der Aufbau ist fast geschafft, der Katholikentag kann beginnen. Foto: dpa

Den vielen kirchlichen Flüchtlingshelfern habe man es nicht zumuten können, dass die AfD auf den Podien des Katholikentags sitzt, sagen die Macher des Events. 32 000 Christen nehmen am Treffen teil.

Leipzig - Bei dieser Frage nimmt Thomas Sternberg kein Blatt vor den Mund, als er am Mittwoch zum Auftakt des Katholikentags vor der Presse spricht: Die Parolen der rechtspopulistischen AfD seien teilweise menschenverachtend und unsachlich. Sie stünden auch im Widerspruch zu zentralen christlichen Werten wie Integrationsbereitschaft und Internationalität. Das sagt der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) und begründet so, warum die Organisatoren des Leipziger Treffens eine Einladung von AfD-Repräsentanten ablehnten. Dabei stehen die Flüchtlingsfrage oder das Aufkommen nationalistischer Bewegungen in Europa durchaus auf dem Programm des Katholikentages, Themen also, die in starkem Zusammenhang zur AfD stehen.

Es soll nach ernsthaften Lösungen gesucht werden

„Nicht die Würde des Deutschen ist unantastbar, sondern die Würde des Menschen“, betont Sternberg allerdings, um so einen scharfen Schnitt zur AfD zu markieren. Er führt aber nicht nur inhaltliche Erwägungen, sondern auch die Gefühle der Katholikentagsgäste ins Feld, um den Verzicht auf das AfD-Spitzenpersonal zu begründen. Viele Katholiken seien als Flüchtlingshelfer aktiv. Diesen habe man es nicht zumuten können, dass die AfD sich in Leipzig prominent in Szene setze. Der CDU-Politiker betont außerdem, dass auf dem Katholikentag ernsthaft nach Lösungen gesucht werden solle. Dazu könne die AfD mit ihren Vereinfachungen aber keinen Beitrag leisten. „Es geht hier nicht darum, wie in Talkshows möglichst kontroverse Positionen aufeinander prallen zu lassen.“

Das bis Sonntag dauernde Großereignis wird vom ZdK und dem Bistum Dresden-Meißen ausgerichtet. Von dem Treffen solle ein Signal für Dialog, Offenheit und Gastfreundschaft ausgehen, betont Sternberg auch. Er zeigt sich ferner überzeugt, dass der Katholikentag, der am Abend feierlich eröffnet wird, Zeitansage und Zukunftsprogramm zugleich sei und die Gelegenheit zu vielfacher Begegnung biete.

Die meisten Teilnehmer sind weiblich

Laut der Bilanz der Veranstalter sind die meisten, nämlich 56 Prozent, der 32000 Dauerteilnehmer weiblich. Und der Event soll ihrer Ansicht nach zwar einen ökumenischen Charakter tragen, doch tatsächlich bleiben die Katholiken weit gehend unter sich. 87 Prozent der Gäste sind katholisch, nur rund zehn Prozent evangelisch. Während dieses Verhältnis der Tradition vergangener Katholikentage entspricht, ist es gänzlich ungewöhnlich, dass sich nicht genügend Leipziger fanden, die Privatquartiere für die Pilger anboten. Deshalb kommen nun einige der Gäste in einer ehemaligen Kaserne unter, die eigentlich als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet worden war, nun aber wegen des Rückgangs der Flüchtlingszahlen nicht gebraucht wird. Die meisten Betroffenen seien über diese Lösung glücklich, so Sternberg.

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