Wie gut die App ist, hängt vor allem davon ab, wie viele Menschen sie installieren. Foto: imago/Belga

Wer die App installiert hat, bekommt eine Benachrichtigung, wenn eine Kontaktperson ein positives Testergebnis meldet.

Brüssel/Stuttgart - Mit der Corona-Tracing-App soll es möglich sein, Personen zu ermitteln, die mit einem Infizierten in jüngerer Zeit Kontakt hatten. Es geht vor allem darum, die Kontakte aus der Zeit zwischen der Infektion und dem positiven Testergebnis zu ermitteln. Dieser Zeitabschnitt ist wichtig: Das Virus ist nämlich besonders ansteckend in den ersten Tagen nach einer Infektion, doch in der Zeit haben Betroffene meist noch gar keine Symptome. Das Kalkül: Mit der Information über einen Corona-Infizierten unter seinen Kontaktpersonen kann ein Betroffener sich selbst umgehend isolieren und in Behandlung begeben.

Und so funktioniert die App: Apple und Google arbeiten daran, dass entsprechende Anwendungen über den App-Store geladen werden können und die Smartphones eine Suche per App unterstützen. Die Bundesregierung verfolgt eine App-Lösung, bei der die Daten nicht auf einem Server zusammengeführt werden, auf den die Behörden Zugriff haben. Vielmehr kommunizieren die Geräte untereinander.

Konkret läuft es so: Die Handys senden über die Bluetooth-Funktion Signale, die nur im direkten Umfeld empfangen werden. Über die Stärke der Signale lässt sich abschätzen, wie nah sich zwei Menschen gekommen sind. Jedes Handy, auf dem die App installiert wurde, sendet dabei zwei Schlüssel, einen Tagesschlüssel sowie alle 15 Minuten einen Kurzschlüssel. Die Handys tauschen nur die Kurzschlüssel aus, die Tagesschlüssel werden auf einem Server abgelegt. Im Falle eines positiven Testergebnisses ist die App in der Lage, aus dem Tagesschlüssel wieder Kurzschlüssel zu generieren, so werden alle Kurzzeitschlüssel identifiziert, die zuvor Kontakt hatten. Die Betroffenen erhalten eine Warnmeldung mit dem ungefähren Zeitpunkt des Kontakts. Sie können dann Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Welcher Nutzer positiv auf Covid-19 getestet wurde, das ist auch für die Betreiber der App nicht ersichtlich. Diese dezentrale Lösung gilt zwar als sicherer als eine zentrale, hundertprozentigen Schutz gegen Hackerangriffe kann es aber nicht geben.

Im Kern basiert die Plattform auf Bluetooth

Technisch gilt die Bluetooth-Technologie als Schwachstelle. Sie ist eigentlich nicht auf die Abstandsmessung ausgelegt. Zudem verbraucht sie viel Strom, das Handy muss also häufiger als sonst aufgeladen werden. Eine Herausforderung besteht außerdem darin, die Zahl der Fehlalarme im Griff zu behalten. Löst das System bereits aus, wenn ein Infizierter im Stau auf der Nachbarspur stand? Grundlegende Vorarbeiten hierfür könnte womöglich das Fraunhofer-Institut beisteuern. Fraunhofer-Forscher haben im Rahmen der europäischen Initiative PEPP-PT bereits Abstandsmessungen mit Bundeswehrsoldaten durchgeführt.

Wie gut die App ist, hängt vor allem von ihrer Verbreitung ab. Nur wenn die Menschen sie akzeptieren und keine Sicherheitsbedenken haben, kann sie Schutz entfalten. Vermutlich müssen die Entwickler gerade in der Anfangszeit regelmäßig nacharbeiten. Solche Software-Anpassungen stehen jedoch ohnehin bei sämtlichen Anwendungen alle zwei bis drei Wochen auf der Tagesordnung.

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