Deutliche Fingerzeige in München: Heidenheims Stürmer Robert Glatzel Foto: Bongarts

Robert Glatzel vom 1. FC Heidenheim macht im legendären DFB-Pokal-Viertelfinale beim FC Bayern das Spiel seines Lebens – und weckt das Interesse mehrerer Erstligisten. Auch das des VfB Stuttgart?

München/Stuttgart - Robert Glatzel legte den Respekt vor den großen Bayern mit ihren großen Namen schnell ab. Und irgendwann war es dann so weit – er hatte gar keinen mehr. „Man denkt dann irgendwann gar nicht mehr daran, dass das Weltmeister sind, gegen die man da spielt“, sagte Glatzel also über die Münchner Innenverteidigung mit den Weltmeistern Jérome Boateng und Mats Hummels. Und es war ja tatsächlich so: Der Stürmer Robert Glatzel machte das, was ein Stürmer eigentlich immer tun sollte: nicht nachdenken. Einfach machen. Und am Ende machte Robert Glatzel am Mittwochabend in Münchens Arena nicht weniger als das Spiel seines Lebens. Und entwickelt sich zum lebenden Albtraum für die taumelnden Riesen Boateng und Hummels.

Glatzel erreichte irgendwann diesen Zustand, von dem jeder Angreifer träumt: Alles läuft. Fast traumwandlerisch. Jeder Ball geht rein. Alles passt. Warum auch immer.

Robert Glatzel, der 1. FC Heidenheim und dieses legendäre, epische 4:5 im DFB-Pokal-Viertelfinale beim FC Bayern: Was für ein Spiel, was für ein Stürmer.

Und was für eine Geschichte.

Robert Glatzel (25) ist gebürtiger Münchner, er kickte für die Jugendmannschaften des SC Fürstenfeldbruck und der SpVgg Unterhaching, dann wechselte er 2012 für ein Jahr in die U 19 des TSV 1860 München. Von dort ging es weiter zum SV Heimstetten und Wacker Burghausen und 2014 zurück in die zweite Mannschaft der Münchner Löwen. Und jetzt das: Der Ex-Löwe wildert im ehemaligen Gehege – und wie! Fast schoss er in seinem ganz persönlichen Heimspiel die großen Bayern aus dem Pokal. Und weckte damit noch mehr Begehrlichkeiten, als er es in dieser Zweitliga-Saison ohnehin schon getan hatte.

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Wie man hört, haben mehrere Bundesligisten Interesse am 1,93-Meter-Mann, darunter sollen Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und auch der VfB Stuttgart sein. Trainer Markus Weinzierl antwortete allerdings am Donnerstag auf die Frage, ob Glatzel in den VfB-Planungen für die nächste Saison eine Rolle spielt, dies: „Aktuell keine.“

Glatzels Vertrag beim 1. FC Heidenheim jedenfalls läuft noch bis 2020. Sein Marktwert liegt bei zwei Millionen Euro. Tendenz nach dem Mittwochabend: rapide steigend. „Ob ein Dreierpack gegen Bayern eine Bewerbung für die Bundesliga ist, sollen andere bewerten“, sagte Glatzel hinterher schmunzelnd. Sein Trainer Frank Schmidt würde seinen Knipser gerne halten, klar. Sein knackiges Urteil nach dem Dreierpack von München: „Robert Glatzel war in Überform.“ Wohl wahr.

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Zumindest in Top-Form ist Glatzel schon die ganze Saison in der zweiten Liga. Zwölf Tore in 19 Einsätzen schoss er – und warum alles so gut läuft, das erklärte Glatzel nach seiner Gala in München gleich selbst: „Ich schiebe immer Extraschichten nach dem Training. Meist eine Viertelstunde Torschuss-Übungen, Flanken und Kopfbälle.“ Und weiter: „Das hat mir enorm geholfen, meine Abschluss-Qualitäten zu verbessern. In Heidenheim schnappe ich mir nach dem Training ein oder zwei Mitspieler – meistens bleibt Tim Skarke noch mit mir auf dem Platz und flankt auf mich.“

Auch in München zeigte Glatzel seine Fähigkeiten: Ein Tor per Kopf, eins nach schnellem Antritt mit kernigem Rechtsschuss – und eins per frechem Elfer-Lupfer. Das Komplettprogramm eines kompletten Stürmers also. Oder, wie es Glatzel selbst ziemlich nüchtern ausdrückte: „Durch die zwei Tore davor hatte ich eben das Selbstvertrauen für so einen Elfmeter.“

Wie lange Glatzel nun noch in Heidenheim bleibt, ist offener denn je. Der Mann, der 2017 vom 1. FC Kaiserslautern auf die Ostalb wechselte, ist im Fokus der Bundesliga. An diesem Sonntag empfängt Heidenheim den Tabellenführer 1. FC Köln zum Zweitliga-Spitzenspiel. Und wer weiß, vielleicht müssen die FCH-Strategen noch schnell eine Zusatztribüne organisieren. Für die ganzen Scouts, die Robert Glatzel unter die Lupe nehmen wollen.

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