Wer nicht will, dass sein totes Haustier einfach entsorgt wird, bringt es zum Bestatter oder vergräbt es (mit Genehmigung der Kommune) im eigenen Garten.. Foto: Privat

Irgendwann kommt der Tag, an dem man von Hund oder Katze Abschied nehmen muss. Wie kann man seinem Tier unnötige Leiden ersparen? Wie geht man mit dem Verlust um? Wie werden aus Trauer und Schmerz Dankbarkeit und Freude?

Stuttgart - Die Tiere sind unsere Brüder, die großen wie die kleinen. Erst in dieser Erkenntnis gelangen wir zum wahren Menschentum.“ (Albert Schweitzer, 1875-1965, Arzt, Theologe, Menschen- und Tierfreund)

Tier und Mensch – einfach beste Freunde

Unser Verhältnis zu Tieren ist befremdlich und paradox. Sie gelten als die besten Freunde des Menschen, werden verhätschelt, liebkost und umsorgt. Andererseits landen sie in den Regalen der Supermärkte, nachdem sie qualvoll leben und elendig sterben mussten. Eingepfercht als Mastvieh in engen Ställen und Käfigen, in denen sie sich kaum bewegen, geschweige denn artgerecht verhalten können.

„In der heutigen Zeit sind Haustiere mehr als nur ein Freund des Menschen. Sie werden immer öfter als Familienmitglied, Partner- oder Babyersatz angesehen“, sagt Walter Rupff, ein gelernter Tierpräparator, der in Remseck-Aldingen ein Krematorien für Hausiere betreibt.

Aus biologischer Sicht sei das Verhältnis von Tier und Mensch eine echte Sozialpartnerschaft und Freundschaft, erklärt der Biologe und Verhaltensforscher Kurt Kotrschal, der als Professor an der Universität Wien lehrt und Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle im österreichischen n Grünau ist.

„Für manche Menschen haben Tiergefährten eine größere Bedeutung als andere Menschen, weil unter Umständen die Beziehung auf einer viel tieferen emotionalen Basis funktioniert als mit den Mitmenschen.“

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Tiere empfinden Freude und Trauer, Zuwendung und Schmerz

Bis vor wenigen Jahrzehnten galten Tiere unter Forschern noch als eine Art Verhaltensroboter, die nur auf äußere Reize reagieren, genetisch auf bestimmte Verhaltensweisen konditioniert sind und durch Versuch und Irrtum lernen. Spätestens seit den Verhaltensforschungen des österreichischen Zoologen und Ethologen Konrad Lorenz (1903–1989) weiß man, dass die These vom Homo sapiens als „Krone der Schöpfung“ ebenso kühn wie unsinnig ist.

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Tiere können denken, fühlen und empfinden. Sie verfügen über Emotionalität, Erkenntnisvermögen, ein komplexes soziales Zusammenleben und echte Lernfähigkeit. Sie empfinden Freude und Trauer, sie nehmen Zuwendung und Schmerzen wahr, sie können Liebe empfangen und Liebe schenken.

Wenn Tiere in freier Wildbahn spüren, dass ihr physisches Ende naht, ziehen sich zurück. Instinktiv wollen sie sich und ihre Artgenossen vor Feinden schützen. Auch eine Hauskatze oder ein Hund wird ähnliches empfinden. Sie bereiten sich auf das Sterben vor. Nicht in Panik und Todesangst, sondern in der Gewissheit, dass ihre Zeit gekommen ist und sie gehen müssen.

Kommen Tiere in den Himmel?

„Resurrexit a mortuis“ – Auferstehung von den Toten? Eine kindliche Vorstellung, dass Tiere im Jenseits weiterleben. „Auch Erwachsene glauben an einen Tierhimmel und dass Tiere eine Seele haben“, berichtet Krematorium-Betreiber Rupff. Die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles aus sei, tröste sie über den großen Verlust hinweg.

„Ich glaube an einen Himmel, in den ich nicht komme, doch wo er mich erwartet“

Selbst überzeugte Atheisten wie der chilenische Lyriker und Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda (1904-1973) bekennt in seinem Gedicht „Mein Hund ist gestorben“: „Und ich, Materialist, der nicht daran glaubt, dass es den verheißenen himmlischen Himmel für irgendeinen Menschen gibt, glaube für diesen Hund oder für jeden Hund an den Himmel, ja, ich glaube an einen Himmel, in den ich nicht komme, doch wo er mich erwartet.“

Der Sozialpsychologe Reinhold Bergler hatte solchen Vorstellungen stets widersprochen: Die Idee eines Tierhimmels sei bloß Projektion einer „fast schon abgöttischen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Hier liegt eine radikale Vermenschlichung von Tieren vor“, erklärte der 2017 verstorbene Direktor des Psychologischen Instituts der Universität Bonn.

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Gefühlsduselei oder Totenkult?

Jenseitsglaube und Totenkult ums Tier als Gipfel der Gefühlsduselei? Es gebe keinen Grund nicht anzunehmen, dass Tiere in den Himmel kommen, betont Kurt Kotrschal. „Wenn ich an die Seele und an den Himmel glaube, dann gibt es keinen Grund, dass wir Menschen dahin kommen, Hunde und Katzen aber nicht.“

Der Schweizer Theologe und Kapuzinermönch Anton Rotzetter (1939-2016), Mitbegründer des Instituts für Theologische Zoologie in Münster, hält es für „überholtes Denken“ zu glauben, die Ewigkeit sei für den Homo sapiens reserviert. „Warum sollte Gott etwas erschaffen, was er dann wieder vernichtet. Was Gott erschafft, bleibt. Sonne und Mond, Mensch und Tier – alles bleibt.“

Wohin mit einem toten Haustier?

Rund 34,3 Millionen Heimtiere leben unter deutschen Dächern – davon 14,8 Millionen Katzen und 9,4 Millionen Hunde. Für die meisten heißt es irgendwann: Endstation Müll. „Viele Besitzer wissen gar nicht, was mit ihrem toten Haustier geschieht“, so Axel Mauthe, Tierbestatter aus Köngen und Mitglied im Bundesverband der Tierbestatter (BVT). „Wenn sie erfahren, dass ihr Tier in Schlachtabfällen gelandet ist, ist das ein Schock.“

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Entsorgt in Tierkörper-Beseitigungsanlagen

Das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz schreibt vor, dass Heimtiere in sogenannten Tierkörperbeseitigungsanlagen (TBA) – wie in der Stadt Hardheim am nordöstlichen Rand des Neckar-Odenwald-Kreises – entsorgt werden. Dort werden die Kadaver geschreddert und bei 133 Grad Celsius und drei Bar 20 Minuten lang sterilisiert. Die Reste werden verwertet: Körperfette dienen zur Herstellung von Schmieröl, Leim und Seife, Tiermehl wird zu Dünger verarbeitet oder landet in Heizkraftwerken.

Ein unwürdiges Ende. Deshalb ziehen es immer mehr Tierbesitzer vor, ihr geliebtes Tier einäschern oder auf einem der bundesweit mehr als 150 Tierfriedhöfe bestatten zu lassen. In der Region Stuttgart gibt es solche Letzte Ruhestätten im Fasanenhof und in Kornwestheim.

Zuhause vergraben

Wer einen Garten besitzt, kann sein Tier dort vergraben – Katzen und kleine Hunde mindestens 50 Zentimeter tief. Voraussetzung: Der Garten muss sich außerhalb eines Wasser- und Landschaftsschutzgebiets befinden und die Gemeinde darf es nicht explizit verbieten.

In Deutschland sterben nach BVT-Schätzungen jährlich rund 1,3 Millionen Katzen und Hunde. Kleintiere dürfen in die Biotonne (Restmülltonne ist verboten) oder vergraben werden. Wer einen Kadaver heimlich im Wald oder Park verbuddelt, dem drohen bis zu mehrere Tausend Euro Bußgeld.

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