Timo Werner ist vor dem Länderspiel gegen Spanien in aller Munde - in unserer Bildergalerie zeigen wir seinen Karriereweg. Foto: dpa/Christian Charisius

Auf Nationalstürmer Timo Werner sind bei seiner Rückkehr in die Heimat Stuttgart mit dem Länderspiel am Donnerstag gegen Spanien alle Augen gerichtet – auch die seines ersten Trainers beim TSV Steinhaldenfeld.

Stuttgart - Markus Simon gehört nicht zur Kategorie der ehemaligen Jugendtrainer, die bei einer großen Karriere ihres Ex-Schützlings sagen, dass sich das alles schon in der F-Jugend angedeutet habe. Dass die Anlagen damals schon klar zu sehen waren. Oder, noch so ein beliebter Satz: dass der Weg vorgezeichnet gewesen sei. Und: dass das alles ja so kommen musste.

Timo Werners Weg vom Stuttgarter Stadtteilclub TSV Steinhaldenfeld, das ist bekannt, führte hinaus in die große weite Fußballwelt. Der Cannstatter Junge ist spätestens nach seinem Wechsel von RB Leipzig zum englischen Spitzenclub FC Chelsea (Ablösesumme: 53 Millionen Euro) vor ein paar Wochen ein internationaler Star. Und an diesem Donnerstag, bei der Partie der Nationalelf gegen Spanien (20.45 Uhr/ZDF), ist es mal wieder so weit: Timo Werner geht bei einem Länderspiel in der Stuttgarter Heimat als Stürmer Nummer eins auf Torejagd, längst ist der 24-Jährige unter dem Bundestrainer Joachim Löw gesetzt im Angriff. Er ist mit Blick auf die EM 2021 ein Fixpunkt in der deutschen Elf.

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Wenn er nun daran denke, wie Werner mit dem Adler auf der Brust auflaufe in der großen Mercedes-Benz-Arena, dann erfülle ihn das mit großer Freude – sagt Markus Simon, der ehemalige F-Jugend-Trainer Werners beim TSV Steinhaldenfeld. „Stolz“, ergänzt Simon aber, „das wäre ein zu großes Wort“, denn: „Der Timo ist ja dann schon im F-Jugend-Alter zum VfB Stuttgart gewechselt – unser Einfluss in Steinhaldenfeld war also nicht der größte.“ Und, auch das ist Markus Simon wichtig zu betonen: Der Überflieger schlechthin sei der ganz junge Timo Werner ohnehin nicht gewesen. Weil man das im F-Jugend-Alter sicher nicht komplett beurteilen könne.

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Wer mit Simon spricht, der bekommt also eher weniger einen Eindruck von den frühen fußballerischen Qualitäten Timo Werners – es geht vielmehr um das austarierte Zusammenspiel von Vater und Sohn, das mitverantwortlich war für den späteren großen Durchbruch des Angreifers. Timo Werner, so sagt es Markus Simon, sei für einen F-Jugendlichen damals extrem schnell gewesen, habe zudem mit beiden Füßen einen harten Schuss gehabt, das schon. Allerdings sei es besonders beeindruckend gewesen, wie fußballverrückt Timo Werner schon als Knirps war. Weil ihm das sein Vater, der Ex-Profi Günther Schuh, früh so vorlebte.

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Schuh kickte einst als Profi in der zweiten Liga bei den Stuttgarter Kickers, er kam in der Saison 1971/72 auf 21 Einsätze – und war bei den Aktiven des TSV Steinhaldenfeld später der Trainer von Markus Simon. „Bei den Spielen rannte der kleine Timo als dreijähriger Knirps immer mit Ball am Fuß durch die Leute, den hast du rund um den Sportplatz immer nur mit der Kugel gesehen“, sagt Simon. Später dann übernahmen Schuh und Simon als Trainer die F-Jugend des TSV – mit Timo Werner im Sturm. „Das Training“, sagt Simon, „war für Timo aber immer nur ein kleiner Bruchteil dessen, was er sonst so den ganzen Tag über fußballtechnisch gemacht hat.“

Die frühe Beidfüßigkeit im F-Jugend-Alter etwa war das Resultat langer Übungseinheiten mit dem Vater. Ständig stand Timo Werner auf dem Platz, ein Leben ohne Ball, das war schon im Alter von drei Jahren an nicht vorstellbar. „Timo und sein Vater waren und sind positiv fußballbekloppt“, sagt Simon. Talent und Fleiß führten Werner schon im Alter von sechs Jahren zum großen VfB nach Cannstatt in die Jugend. Mit 17 gab der Angreifer dann im August 2013 sein umjubeltes Bundesliga-Debüt.

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Steil und kerzengerade nach oben ging es dann aber nicht – 2016 folgte der Abstieg mit dem VfB. Werner kickte in einem nicht funktionierenden Team und funktionierte irgendwann selbst nicht mehr. Werner war bei seinem Heimatclub in eine Sackgasse geraten. Es folgte im Sommer 2016 der Wechsel zu RB Leipzig, wo er dann durchstartete – allerdings auch immer begleitet von einigen Rückschlägen. So nagte das Hin und Her um einen möglichen Wechsel zum FC Bayern München vor einem knappen Jahr offenbar an Werner. Die Leistung litt, irgendwann zwischendurch war sogar der Stammplatz in der Nationalelf weg.

Werner aber hatte gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Er kämpfte sich aus der Talsohle. Und empfahl sich für die Topclubs in der englischen Premier League. Am Ende machte der FC Chelsea das Rennen. Im ersten Testspiel gegen Brighton & Hove Albion schoss Werner jüngst nach vier Minuten sein erstes Tor – und hinterher gab es die erste Lobeshymne von Trainer Frank Lampard: „Ich bin begeistert, ihn im Team zu haben. Er hat einige der Qualitäten gezeigt, von denen ich genau weiß, dass er sie hat.“

Nach 28 Bundesliga-Treffern in der Vorsaison sind die Erwartungen an Werner gewaltig. Dies sei für ihn aber „weniger Druck, sondern eher Vorfreude“, sagt der 24-Jährige, der mit dem Wechsel London auch Trophäen anvisiert: „Das ist ein Riesenclub, der Titel gewinnen kann und mit den Verpflichtungen zeigt, dass er auch Titel gewinnen will.“

Markus Simon wird seinen Weg weiter gespannt beobachten.

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