"Es gibt immer eine Gefahr, dass man sich selbst übertüncht", sagt Tim Bendzko - ob ihm das bei seinem neuen Album passiert ist? Foto: Andre Josselin

Das neue Album "Filter" von Tim Bendzko ist da. Was es mit seiner neu entfachten Sport-Leidenschaft zu tun hat, erzählt der Sänger im Interview.

Am heutigen Freitag erscheint das neue Album von Tim Bendzko (34): Für "Filter" habe der Sänger versucht, "das Maximale" aus sich herauszukitzeln, indem er viele Dinge anders gemacht habe als vorher, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt. Im Gegensatz zur vorangegangenen Platte habe Bendzko diesmal mit mehreren Musikern zusammengearbeitet. Dies habe sich "total ausgezahlt".

Der Sänger wollte sich aber auch beim Songs schreiben noch einmal neu kennenlernen, wie er sagt. Das habe er mit "Filter" geschafft. "Es gibt immer eine Gefahr, dass man sich selbst übertüncht, was mit 'Filter' aber zum Glück nicht passiert ist. Ich finde, dass es sehr nach mir klingt und trotzdem irgendwie total anders ist."

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"Das gibt mir Stabilität"

"Ich wollte unbedingt ein Album schreiben, das eine andere Haltung hat als das davor. Eins, das ein bisschen selbstbewusster ist", erzählt Tim Bendzko. Deswegen habe er im Jahr 2018 auch begonnen, wieder mehr Sport zu treiben. "Mitte letzten Jahres hat es mich gepackt: Da habe ich beschlossen, dass ich wieder fitter werden muss", sagt er. "Ich habe festgestellt: Wenn man so etwas schreiben will, dann muss man sich auch selbst so fühlen. Wenn ich regelmäßig Sport mache, dann macht das einfach was mit mir. Das gibt mir Stabilität und das macht was mit dem Kopf und den Gedanken."

"Ich habe mir zu Hause eine kleine Ecke eingerichtet, in der ich Stabilisierungsübungen mache", erklärt der Sänger weiter. "Ich mache fast nur Sachen mit eigenem Körpergewicht. Für das, was ich mit dem Sport erreichen möchte, brauche ich keine Geräte oder ein Fitnessstudio. Die Hürde, dahinzugehen, ist auch immer relativ hoch. Gerade jetzt, wenn so viel los ist." Doch seine Übungen könne er überall machen.

Das kritisiert Tim Bendzko an den sozialen Medien

In den letzten Jahren ist Tim Bendzko viel gereist - ein Auslöser dafür seien auch die sozialen Medien gewesen, sagt er. "Man kriegt ständig Dinge vor die Nase gehalten, die man wahrscheinlich sonst gar nicht auf dem Schirm gehabt hätte." Häufig habe er sich dann gedacht: "Wow, das ist ein spannender Ort, den würde ich gerne mal sehen." Das Einzige, was Bendzko problematisch findet und was er auch bei sich beobachte: "Sobald man irgendeine krasse Sache erlebt, überlegt man sich immer sofort: 'Was könnte das Nächste sein?' Da versuche ich immer, mich zu beruhigen und mir zu sagen: 'Das ist doch jetzt total schön hier. Jetzt genieß' das doch mal.'"

Wenn Bendzko im Urlaub ist, nimmt er sich ein Souvenir mit: "An einem Ort, der einfach schön ist, muss ich unbedingt ein unglaublich gutes Foto machen, das ich mir dann als Kunstwerk zu Hause an die Wand hänge." Diesen Trend, von allen möglichen Erlebnissen Bilder machen zu müssen, kennt also auch der Sänger, was in seinem Song "Nicht Genug" ebenfalls zum Ausdruck kommt. "Am Ende ist es ja gefühlt bei allen so, dass man, wenn man etwas Tolles isst oder an einem tollen Ort etwas erlebt, davon ein Foto haben muss."

Von Freunden "oder wahlweise Menschen, die man noch nie gesehen hat", wolle man dann die Bestätigung: "'Das ist wirklich gut', 'das sieht wirklich lecker aus'". "Auf der einen Seite finde ich es ziemlich lustig, dass es so ist, auf der anderen Seite ist es eben auch ein bisschen bedenklich", sagt der 34-Jährige.

"Milow ist ein extrem humorvoller Mensch"

Im Song "Freier Fall" ist auch Milow (38, "Ayo Technology") auf Bendzkos neuer Platte zu hören. Die beiden haben sich bei der "Night of the Proms" im letzten Jahr kennengelernt. "Es gibt ja nichts Schöneres als wenn man jemanden trifft, mit dem man auf einer Wellenlänge ist und dann spontan entscheidet: Wir machen jetzt einen Song zusammen", sagt Bendzko. Bei der "Night of the Proms" sei der Sänger jeweils am Anfang und am Schluss aufgetreten. Dazwischen hatte er "unglaublich viel Zeit".

"Nach ein paar Tagen habe ich beschlossen, dass ich die Zeit sinnvoll nutzen muss und habe mir zur Challenge gemacht, jeden Tag einen Song zu schreiben und den mit Milow zusammen, wenn er kurz Pause hat, aufzunehmen und direkt online zu stellen." "Freier Fall" sei also nur einer von vielen Songs, die zusammen mit Milow entstanden seien. "Einer dieser Songs musste einfach aufs Album, das wäre sonst sehr schade gewesen um all das Material, was wir da gesammelt haben. Es ist total cool, dass Milow Bock darauf hatte und es am Ende auch geklappt hat."

Tim Bendzko hat auch weiterhin Kontakt mit seinem Musikerkollegen: "Wir kommunizieren regelmäßig miteinander. Ich kannte ihn vorher auch nur aus dem Fernsehen. Er ist ein extrem humorvoller Mensch. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns wiedersehen werden, ist sehr hoch."

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