Christine Bencher pflegt eine enge Beziehung zu ihren Schafen Foto: Gottfried Stoppel

Bis vor kurzem lag ihre Weide im Stettener Schalzberg brach – jetzt betätigen sich dort fünf Krainer Steinschafe als Landschaftspfleger. Ihre Rasse steht auf der Roten Liste gefährdeter Haustierarten.

Kernen - Die fünf Schafe haben keinen Blick für die Besucher. Das frische Grün auf ihrer neuen Weide ist zu verlockend und so grasen und kauen sie in aller Ruhe. Im steilen Stettener Schalzberg kommt der Mensch bei der Landschaftspflege schnell an seine Grenzen. Für Sweeny, Flecki, Lisa, Netty von Mäusberg und Cleo hingegen ist das Streuobstgebiet mit Neigung ein wahres Fressparadies.

Seit Dienstag haben die fünf sympathischen tierischen Rasenmäher, die stets so aussehen, als grinsten sie, die Pflegearbeiten in dem Streuobstgebiet am äußersten südlichen Rand der Kernener Gemarkung (Rems-Murr-Kreis) übernommen. Auf 1,5 Hektar sollen sie das Gras kurz halten, verbuschten Wiesen vorbeugen und dazu beitragen, dass das ökologische Gleichgewicht erhalten bleibt.

Kreiner Steinschafe sind eine bedrohte Haustierrasse

Im Schalzberg wachsen Giersch, Spitzwegerich, Knaulgras und Bärlauch, alles reinste Leckerbissen für die fünf Krainer Steinschafe von Christine Brencher. „Giftige Herbstzeitlose gibt es hier auch, aber die mögen sie nicht und lassen sie stehen, nur die Eiben haben wir entfernen müssen“, sagt die Schäferin. Kein Problem seien hingegen die vielen Brennnesseln. „Davon essen sie nach der Blüte die Samenstände – und die schmecken ihnen gut.“

Mittlerweile nennt Christine Brencher mehr als 70 Schäfchen unterschiedlicher Rassen ihr eigen. Die fünf weiblichen Krainer Steinschafe, eine gefährdete alte Rasse, hat sie extra für die Mäharbeiten im Schalzberg angeschafft. Steinschafe gelten als widerstandsfähig und wetterhart, genügsam und langlebig und passen sich den unterschiedlichen Standorten problemlos an.

„Die fünf Schafe sehen unterschiedlich aussehen, weil Krainer Steinschafe alle Farbvarianten bieten. Aber sie kommen sie aus einem Stall“, versichert die gelernte Landwirtin. Bei so einer kleinen Gruppe sei das besser, zumal die Schafe alle im vergangenen Jahr geboren wurden, also noch rechte Halbstarke seien. „Es würde kaum funktionieren, wenn sie aus unterschiedlichenr Zucht kämen.“

Zur Begrüßung der tierischen Mitarbeiter waren Kirsten Kindermann, die stellvertretende Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) Rems-Murr, und ihr Kollege Ronald Blümle gekommen. Den ganzen Sommer über soll das Schaf-Quintett im Schalzberg weiden, bevor es zur Überwinterung wieder in den Stall kommt. „Hier haben Gemeinde und Landkreis Hand in Hand gearbeitet“, lobt die Diplom-Biologin Kirsten Kindermann.

Nicht nur am Schalzberg helfen Schafe bei der Landschaftspflege

Christine Brencher hat eine enge Beziehung zu ihren Tieren. Sobald sie das eingezäunte Gelände betritt, kommen die Schafe zu ihr hergelaufen. Allen voran die dunkle Sweeny. Sie ist eine richtige Schmusebacke und so etwas wie der Leithammel der kleinen Herde, erzählt die Schäferin, die Wolle und Fleisch weiter verwertet. „Sweeny hört auf ihren Namen, und die anderen orientieren sich an ihr“, sagt die Schäferin.

Schafe sind in Kernen bereits gut eingeführt und grasen am Beibach, im Haldenbachtal oder im Gebiet Kammerforstheide. Im Schalzberg musste der Mensch die grobe Arbeit zuvor erledigen und die Brombeerhecken roden. 35 000 Euro gaben der LEV und die Gemeindeverwaltung zusammen für die Pflege der charakteristischen Landschaft aus. Künftig sollen die vierbeinigen Rasenmäher Kosten sparen helfen.

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